Auf der Welt zuhause

Viele träumen davon – die Goodwins haben es einfach gemacht: Sie reisten ein Jahr lang durch 15 Länder. Mit im Gepäck: zwei kleine Kinder und jede Menge Surfbretter.

(Teaserbild: thegoodwinproject.com)

Ein Traum vieler Menschen: Sie sind ein Jahr lang mit Ihren beiden Kindern um die Welt gereist. Waren Sie in Ihrer Kindheit auch viel unterwegs?
Aamion Goodwin:
Ich schon, mein Vater ist viel mit mir gereist. Wir waren wie Zigeuner, monatelang auf den Fidschi-Inseln, in Neuseeland und Gabun unterwegs. Diese Reisen haben mich geprägt und stark gemacht. Das wünsche ich mir auch für unsere Kinder.

Sind Ihre Kinder nicht noch zu klein, um vom Reisen geprägt zu werden?
Daize Goodwin: Given ist jetzt vier Jahre alt. Er sieht Kinder in Südafrika oder Nepal, die nicht in so einem schönen Haus wohnen wie wir auf Kauai oder nicht so viele Spielsachen haben wie er. Früher ist er ausgeflippt, wenn er etwas von seinen Sachen teilen sollte, heute verschenkt er sie ohne unser Zutun.
Aamion Goodwin: Im Idealfall hätten wir gewartet, bis sie etwas größer sind, aber das hat zeitlich nicht hingehauen.

Warum nicht?
Aamion Goodwin: Wir sind beide Profi-Surfer. Ein befreundeter Regisseur hat uns das Angebot gemacht, ein Jahr lang für einen Film mit Kamerateam zu reisen und an den Stränden dieser Welt zu surfen. Ohne dieses Angebot und die Unterstützung meines Sponsors wäre so eine Reise für uns in dem Umfang nicht möglich gewesen. Zu Beginn der Reise war Ihre Tochter True gerade mal vier Monate alt.

Mit dem Babybuch über ihr erstes Lebensjahr dürften Sie ganz schön zu tun haben …
Daize Goodwin: Das stimmt. Es ist schön, dass wir ihr später erzählen können: „Deinen ersten Brei hast du am Strand in Israel bekommen, in Neuseeland hast du deinen ersten Schritt gemacht, und in Marokko hast du deinen ersten Zahn bekommen.“

Hatten Sie keine Angst vor so einer langen Reise mit zwei kleinen Kindern?
Daize Goodwin: Doch, aber ich habe gelernt loszulassen. Als unser Sohn Given geboren wurde, war ich stets besorgt um ihn. Ich würde meine Familie nie in eine gefährliche Situation bringen – aber wenn Eltern immer ängstlich sind, wird auch das Kind ängstlich.
Aamion Goodwin: Früher hat sich meine Frau über alles Gedanken gemacht. Wir haben uns jetzt in der Mitte getroffen – sie hat gelernt, den Moment mehr zu genießen, und ich nehme ihre Bedenken ernster.

Das hört sich alles so harmonisch an. Gab es denn nie Schwierigkeiten?
Aamion Goodwin: Erlebt haben wir eigentlich alles: vom verloren gegangenen Gepäck über verspätete Flüge bis hin zu einer 24 Stunden langen Bootstour, weil das Flugzeug kaputt war.
Daize Goodwin: Hätten wir uns mit den Problemen der ersten sechs Reisemonate daheim rumschlagen müssen, wären wir jetzt wahrscheinlich geschieden. Wir haben gelernt, ein Team zu sein und sind uns als Paar sehr viel näher gekommen.
Aamion Goodwin: Manche Leute denken, wir sind verrückt. Aber man sollte sich nicht zu viele Sorgen machen – und sich richtig vorbereiten.
Daize Goodwin: Unsere Kinder sind nicht geimpft, deswegen sind wir nur an Orte gefahren, die wir für unbedenklich halten und an denen es keine Malaria gibt. Außerdem wollten wir nie länger als acht Stunden am Stück fliegen. Man darf eine Reise mit Familie nicht in ein Zeitraster quetschen, das nur für Erwachsene gemacht ist.

Gab es denn Länder, die Sie gerne bereist hätten, sich aber wegen der Kinder dagegen entschieden haben?
Daize Goodwin: Natürlich. Ich wäre zum Beispiel gern nach Uganda gefahren, aber das werden wir erst machen können, wenn beide älter sind.
Aamion Goodwin: Wichtig war bei der Auswahl der Länder vor allem das Meer: Wir sind Wassermenschen, und Surfen ist unser Job. Wenn wir zu lange im Landesinneren sind, werden wir nervös. In Marokko waren wir in einem kleinen Ort in den Bergen. Wir sind jeden Tag zu einem winzigen Fluss gewandert, um wenigstens ein bisschen Wasser um uns zu haben.

Haben Sie Ihren Lieblingsstrand gefunden?
Aamion Goodwin: In Westaustralien! Wir haben direkt am Strand vor dem Red Bluff- Riff geschlafen. True konnte morgens aufstehen, ein paar Meter krabbeln und im Sand spielen. Und wir sind abwechselnd auf dem Surfbrett gestanden.
Daize Goodwin: Auch die Marshall-Inseln waren traumhaft. Und Israel, allerdings lag da viel Plastikmüll herum. Aamion Goodwin: Und zwischen den Eisschollen vor Island zu surfen – das werde ich nie vergessen.

Es gibt ein Video von Ihnen, Frau Goodwin, und dem damals zweijährigen Given beim Surfen. 

Kann man das einem Kind beibringen, bevor es überhaupt schwimmen kann?
Daize Goodwin: Wenn sie klein sind, haben sie noch keine Angst und können toll balancieren, weil sie ja gerade erst gelernt haben, wie man läuft. Wir sind früh mit Given ins Meer und haben ihn einfach auf das Brett gestellt. Bald hat er angefangen, selbst zu paddeln und ohne Hilfe darauf zu stehen.
Aamion Goodwin: Viele Menschen fanden das Video verrückt. Aber man darf nicht vergessen: Daize ist Profi, und es war nur eine kleine Welle. Wenn Given alleine surft, ist das Wasser nicht tief. Fällt er vom Brett, kann er noch stehen. Und wir sind immer dabei.

Inzwischen werden Sie bestimmt oft ausgefragt, wenn befreundete Familien in den Urlaub fahren wollen. Was raten Sie?
Aamion Goodwin: Zunächst einmal: Kinder sind ein Türöffner. Egal, wohin wir kamen, waren die Menschen freundlich zu uns. Man hat mit Kindern die bessere Reise.
Daize Goodwin: Und es muss nicht immer gleich eine Weltreise sein. Zelten in der näheren Umgebung ist ja auch schon etwas.

Haben Sie noch ein paar praktische Tipps?
Daize Goodwin: Es ist wichtig, Rituale beizubehalten. Trotz der Reiserei haben unsere Kinder jeden Tag ihr Mittagsschläfchen gehalten, egal wo wir waren – auf einer Couch, einem Autorücksitz, einer Bank. Und wir haben sie immer pünktlich ins Bett gebracht. Es geht bei solchen Reisen nicht um dich, sondern nur um sie. Mehr als sowieso schon.
Aamion Goodwin: Ich empfehle außerdem Nachtflüge. Für einen selbst ist das zwar blöd, weil man nicht immer gut schlafen kann. Aber das muss man eben in der nächsten Nacht nachholen.

Was ist mit dem Jetlag?
Daize Goodwin: Wenn die Kinder morgens um drei Uhr aufgewacht sind, sind wir mit ihnen aufgestanden, haben Tee gekocht, etwas vorgelesen. Wir haben zudem mit offenem Vorhang geschlafen, damit wir mit der Sonne wach wurden und uns an die neue Zeit gewöhnen konnten. Das dauert meist drei bis vier Tage und ist kein Spaß! Aber wenn man sich mit dem Partner abwechselt, geht es.

Ein Jahr unterwegs – das bedeutet doch bestimmt auch viel Gepäck.
Daize Goodwin: Mal abgesehen von den Surfbrettern, den Autositzen, dem Kinderwagen und der ganzen Kameraausrüstung hatte jeder von uns nur eine Tasche. Plus Givens Spielzeugtasche. Und wenn die voll war, musste er etwas weggeben.

War es nicht komisch, nach so vielen Erlebnissen wieder nach Hause zu fahren?
Daize Goodwin: Ich habe mich sehr darauf gefreut, mal einfach nur herumzusitzen.
Aamion Goodwin: Wir müssen zum Glück in kein Büro, deswegen hat mir die Rückkehr auch nichts ausgemacht. Und unsere Reiselust kommt bald wieder. Bestimmt.

Julia Rothhaas
Über die Autorin:
Nido-Redakteurin Julia Rothhaas will nun auch das Wellenreiten lernen und mit dem Brett um die Welt reisen. Sofort. Bitte.

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