Blog der Woche: Das Nuf Advanced

Patricia von Das Nuf Advanced sträuben sich die Nackenhaare, wenn sie als “Mama-Blog” vorgestellt wird. Sie schreibt einfach über alles, was sie interessiert und beschäftigt – dass da auch Kinder drin vorkommen, liegt in der Natur der Sache.

Diese Woche: Das Nuf

Foto: privat

Wer bist du?

Die “Wer bist du”-Frage ist so existenzialistisch, dass ich darauf nur schwer mit weniger als 357.786.354 Zeichen antworten kann. Wenn es darum geht, zu beantworten, was die meisten interessiert, dann lautete die Antwort ungefähr so: Ich bin dieses Jahr so alt geworden, wie ich eigentlich schon die Jahre zuvor dachte zu sein: 37. Geboren bin ich in Köln, weswegen in späten Jahren eine karnevalistisch bedingte Verkleidungsliebe durchgebrochen ist. Aufgewachsen bin ich in Franken, was mir nachhaltig Probleme verschafft, zuverlässig “als” und “wie” zu unterscheiden. Seit 1999 lebe ich in Berlin und da ich finde, dass Berlin dem Internet in seiner Vielfalt am nächsten kommt, möchte ich dort auch nie mehr weg. Ich habe Diplom-Psychologie und Philosophie studiert, weil man mir 1995 in der Studienberatung gesagt hat, dass mein Wunschfach Biochemie keine Zukunft hätte. Folgerichtig arbeite ich seit über sechs Jahren als IT-Projektleiterin. Laut Lohnsteuerkarte habe ich 2,5 Kinder. Wenn ich früher geahnt hätte, dass ich Kinder so toll finde, hätte ich heute vermutlich sogar 5,75.

Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Meine blühende Fantasie, die ich von meiner sizilianischen Großmutter geerbt habe, hat mich schon früh auf das Geschichtenerzählen gebracht. Nichts anderes mache ich im Blog. In einem Interview für DasMagazin habe ich gesagt, dass Bloggen was für introvertierte Extrovertierte sei. Das trifft es ganz gut, denn tatsächlich mag ich den Rückkanal und die Aufmerksamkeit (FFRR), die man durchs Bloggen bekommen kann, sehr. Das unter Menschen und in der Öffentlichkeit stehen eher weniger.

Um was geht es in deinem Blog?

Es sträuben sich mir schnell die Nackenhaare, wenn ich als “Mama-Blog” vorgestellt werde. Tatsächlich schreibe ich seit acht Jahren über alles, was mich interessiert. Da in den letzten Jahren meine Familie einen nicht unwesentlichen Teil meines Lebens einnimmt, natürlich auch über meine Rolle als Mutter oder über das Leben mit Kindern. Aber eben nicht nur. Mich interessieren genauso gesellschaftliche, kulturelle und technische Themen, über die ich je nach Anlass gerne schreibe.

Wen könnte das interessieren?

Das frage ich mich auch immer wieder, wenn ich in die Statistik schaue. Wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, dass sich meine Leserschaft aus 60% IT-affinen Familienvätern und zu 30% aus humorbegabten Frauen zusammensetzt. Die restlichen 10% interessieren sich für Ösophagogastroduodenoskopien und kommen über die Google-Suche.

Was hat dein Blog, was andere nicht haben?

Humor und eine versöhnliche Sicht auf alle Hürden des alltäglichen Lebens. Ich schreibe nie aus Verbitterung. Wahrscheinlich gibt es auch wenige Frauen, die Familien- und Beziehungsthemen mit Nerdtum verbinden.

Wie oft sollte ich reinschauen?

Das hängt sehr von meiner beruflichen und familiären Auslastung ab. Von 0 bis 118 Einträgen pro Monat gab es schon alles. Zum Glück hat Dave Winer den RSS-Feed erfunden, was man unbedingt nutzen sollte.

Lieblingseintrag aus deinem Blog, den du anderen besonders ans Herz legst?

Für mich gibt es nicht DEN Lieblingseintrag unter meinen aktuell 1.892 Artikeln. Auf der Suche nach meinem Lieblingseintrag stoße selbst ich auf Einträge, die ich meiner Digitalen Demenz geschuldet scheinbar das erste Mal lese. Es gibt aber genug Einträge, über die ich beim erneuten Lesen lachen muss. So z.B. über die Handhabung von Babys  oder Software, die Beziehungen erleichtert  oder einen Eintrag über die Handhabung von Ehemännern  oder den Umgang mit präpubertären Kindern  oder ältere Einträge über den Umgang mit unbekannten Lebensformen  und zuletzt das Leben als Wal. Und dann gibt es die Artikel, die ich wahnsinnig lustig finde, die aber keiner versteht, wie z.B. den über verirrte Zeitreisende .

Welche Blogs liest du denn gerne?

Dank meines Feed-Readers “lese” ich an die 200 Blogs sehr gerne und regelmäßig. Allen voran den Online Essay von Journelle, die differenzierte Sichtweise von Antje Schrupp, die mir dadurch bereits zahlreiche Erleuchtungen schenkte, weil sie auf Dinge hinweist, die mir sonst entgehen oder die mir gänzlich unbekannt sind. Ich lache oft über Felix Schwenzel, weil er so gnadenlos seine Finger in offene Wunden halten kann und hoffe dabei inständig, nie was so dummes zu schreiben, dass mich dieses Schicksal ereilt. Ich lese gerne Pia Ziefle, deren Buch Suna mich sehr bewegt hat und schätze Melancholie Modeste, deren Blog ich zur Zeit v.a. gerne lese, weil sie so warmherzig über den F. schreibt und außerdem eine scharfe Beobachtungsgabe besitzt, wenn sie über die Exotik anderer Mütter schreibt. Außerdem lese ich gerne hirnrekorder, wenn ich mich frage, welche Serie oder welchen Film ich unbedingt noch schauen möchte (oder lieber nicht). Zuletzt liebe ich das Blog anders anziehen, weil die Autorin nicht nur wunderbare Fotos macht, sondern auch über ein Gespür für Lebensgeschichten verfügt.

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2 Kommentare

  1. m

    anders ausgedrückt: weil sie nicht den mut hatte auf die meinung studienberatung zu scheissen, hat sie etwas studiert, was am ende mehrheitlich weit schlechter bezahlt wird als die „harten“ männerstudiengänge, allen voran der ingenieur.

    frauen verdienen weniger, weil sie es selbst so wählen.

  2. Immer wieder toll, die Gesichter hinter den Blogs kennenzulernen!