Debatte: Ist das Elterngeld wirklich sinnvoll?

Plötzlich mehren sich die Stimmen, die das Elterngeld auf den Prüfstand stellen wollen. Wie stehen Sie dazu?

Es beginnt die Saure-Gurken-Zeit, es ist Sommer, es ist heiß, es ist also die Zeit, in der Politiker gerne lustige Vorschläge machen. Vergangenen Freitag sagte der CDU-Fraktionschef Volker Kauder in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „In der nächsten Legislaturperiode werden wir uns das Elterngeld und seine Wirkung noch mal anschauen müssen.“ Das war ein paar Tage, nachdem das Statistische Bundesamt meldete, noch nie seien so wenige Kinder geboren worden wie im vergangenen Jahr. Reflexartig wies eine Sprecherin des Familienministeriums diesen Vorstoß ab („Das Elterngeld ist keine Gebärprämie“) und dachte wohl, damit wäre die Sache Saure-Gurken-Zeit-mäßig erledigt.

Ist sie aber nicht. Mehrere FDP-Politiker begrüßten den Vorstoß, Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger forderte gar in einem Interview mit der Welt am Sonntag, es müssten nun alle familienpolitischen Leistungen auf ihre Wirksamkeit und Zielgenauigkeit hin überprüft werden. „Das verlangt schon die Haushaltssituation.“ Selbst die SPD in Person von Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann forderte ziemlich schlapp, die Union müsse noch vor der nächsten Bundestagswahl für Klarheit sorgen. Das klingt nicht gerade danach, als fände man Kauders Vorschlag komplett komisch.

Hier vielleicht einmal ein paar grundsätzliche Überlegungen:

1. Wenn das Elterngeld keine „Gebärprämie“ sein soll – was ist es dann? Im Elterngeldgesetz von 2006 ist explizit als Ziel formuliert „den Menschen mehr Mut zu mehr Kindern“ machen zu wollen. Im gleichen Gesetz steht, dass sich das Elterngeld nach dem vorherigen Einkommen der Mutter/des Vaters staffeln werde. Minimal 300 Euro, maximal 1800 Euro, für Hartz IV-Empfänger gibt es seit 2010 gar nichts. Das Gesetz wollte also ganz klar vor allem gut ausgebildeten und gut verdienenden Männern/Frauen einen Anreiz geben, später auch wieder gut ausgebildete und gut verdienende Kinder auf die Welt zu bringen. Betrachtet man die Geburtenentwicklung seit 2007, scheint das nicht gelungen zu sein.

2. Wenn es aber nun wirklich doch keine Gebärprämie ist, wie das Bundesfamilienministerium jetzt behauptet, sondern diese Leistung die Eltern einfach in der Zeit zwischen Geburt und Wiedereinstieg in den Beruf möglichst weit finanziell unter die Arme greifen soll: Dann müsste das Elterngeld in dieser Form auch abgeschafft werden, weil es für die gleiche Leistung (die Kinder versorgen) den Eltern unterschiedlich viel Geld zahlt. Weil es also zutiefst sozial ungerecht ist. Und übrigens: Auch die so gefeierten „Vätermonate“ sind auf den zweiten Blick überhaupt keine Väter- sondern eher Familienmonate, weil sie in 65% der Fälle gemeinsam genommen werden. Das ist schön für die Familien, aber nicht die gesellschaftliche Revolution, als die diese Vätermonate immer hingestellt werden.

3. Und schließlich: Kann man gegen das Betreuungsgeld sein und gleichzeitig das Elterngeld in der derzeitigen Form gut finden? Das Elterngeld kostet 4,7 Milliarden Euro im Jahr, das Betreuungsgeld geschätzte 2 Milliarden. Ein Bruchteil dieser Gesamtsumme würde ungemein helfen, den Kita-Ausbau voranzutreiben.

Es geht bestimmt nicht darum, das Elterngeld ersatzlos zu streichen. Aber man könnte es vielleicht überdenken, es gerechter verteilen, es an andere Bedingungen knüpfen. Liebe Nido.de-Nutzer: Wie stehen Sie dazu?

Mareen Linnartz
Über die Autorin:
Mareen Linnartz wollte als Kind Schreibwarengeschäftinhaberin, Friseuse oder Bäuerin werden. Heute ist sie Nido-Textredakteurin, schneidet ihren drei Söhnen mit Hingabe die Haare, kauft für sie Fußball-Radiergummis und mistet mit ihnen das Heu im Meerschweinchenkäfig aus.

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20 Kommentare

  1. LudwigMartin

    zum Begriff
    Wenn man etwas diskreditieren möchte, muß man nur einen diskreditierenden Begriff wie “Prämie” nutzen. Das ist pure Demagogie und sagt schonmal alles über die Diskussionsbereitschaft aus. Das gilt im Übrigen auch für “Herdprämie”.
    Das Ziel, auf die Geburtenquote Einfluß zu nehmen, ist in einer Demokratie begrenzt zu erreichen, wir sind hier nicht in China. Politisches Ziel kann nur sein, Familien zu entlasten – und hier ist das Elterngeld ein Erfolg.

    zur Staffelung
    Gerade weil es ein Ausgleich und eben keine Prämie ist, ist die Leistung an die Lebenssituation angepaßt – mit allen Lebensumständen und Fixkosten. Die Minderung, die bei niedrigeren Einkommen abnimmt, ist in Ordnung, da ein wenig Einschränkung zumutbar ist. ALG-II-Empfänger haben keine Einkommenseinbuße, die kompensiert werden müßte – warum dort also Elterngeld? Eine Einkommensobergrenze wäre sinnvoll, ich bin mir aber nicht sicher, ob es die nicht sogar schon gibt (ist für mich eine eher theoretische Frage).

    Nirgendwo, aber auch wirklich nirgendwo steht, daß das Elterngeld eine Art Bezahlung für die Erziehung der eigenen Kinder ist – deshalb braucht man das gar nicht anführen.

    Die Vätermonate sind möglicherweise nur ein erster Schritt in Richtung Väterkultur- aber die Praxis offenbart auch, daß die erste Mütter-Zeit nicht ersetzbar ist – daß zumindest gefühlte 90% der Mütter stillen und/oder eine notwendige Exklusivbeziehung zum Kind aufbauen wollen. Gern mit väterlicher Unterstützung.

    Zu den Kitas
    Das mit dem Bruchteil glaub ich ja gleich gar nicht. Es existiert einfach kein richtiger Markt in der Kinderbetreuung – sonst würden sich Kitas in privater Trägerschaft bei der riesigen Anfrage selbst gründen. Es ist mir ein Rätsel, warum sie das nicht tun. Auf jeden Fall fehlt Personal für eine menschenwürdige Betreuung kleiner Kinder. Man kann dort mit Geld sicherlich Einfluß nehmen – aber dann mit sehr, sehr viel Geld – weil das hieße, die Personalkosten der hehren Aufgabe entsprechend zu erhöhen. So etwas passiert normalerweise nur auf Druck der Arbeitnehmer – wo bleibt also die Streikwelle der Erzieher?

    Das übergroße Vertrauen in Regeleinrichtungen, die Skepsis gegenüber alternativen Angeboten und die Verachtung gegenüber Selbsterziehern ist eine Grundhaltung, die sich gern als gesellschaftlicher und moralischer Konsens etablieren möchte. Politisch auch gestärkt dadurch, daß Arbeitgeber und Arbeitgeber in der sozialen Trägerlandschaft hier wohlfeil ins gleiche Horn blasen dürfen.

    Für einen konzeptionell unausgegorenen Kita-Ausbau die Unterstützung von Familien im ersten Lebensjahr über den Haufen zu werfen, ist entwicklungspsychologisch kompletter Unsinn, denn die ersten Bindungen sind prägend und geben Sicherheit. Familien sind in der Hinsicht unersetzbar. Sie gewährleisten eine 24h-1:1-Betreuung ohne zusätzliche Personal- und Sachkosten und einer hochqualifizierten Beziehungsarbeit, die intuitiv schon in der Schwangerschaft vorbereitet wird.

    Das Elterngesetz ist durchdachter, als manche, die daran nicht mitgewirkt haben, hier jetzt polemisch darstellen wollen.

  2. Lissy

    Ich meinte natürlich das Betreuungsgeld,autsch!

  3. Isa

    Also ich bin jetzt mit unserem 1. Kind gewollt schwanger. Dabei sind wir aber dann sehr auf das Elterngeld angewiesen und würden wir das nicht bekommen, könnten wir uns kein Kind leisten, bzw. könnte ich nicht 1 Jahr Elternzeit nehmen!

  4. sybille finkous

    Nun ja, für uns war und ist das Elterngeld ein Segen. Da unsere Familie auf zwei Gehälter angewiesen ist (und selbst mit zwei Gehältern müssen wir uns noch ziemlich einschränken), hätten wir uns nach zwei Kindern, bei denen wir nur mit Erziehungsgeld über die Runden kommen mussten, sicherlich nicht mehr so einfach für Kind Nummer drei und vier entschieden. Durch den Lohnersatz können wir uns überhaupt nur diese einjährige Berufs-Auszeit für die Kinder leisten – und der Papa hat seine Vätermonate aus vollen Zügen genossen – bzw. freut sich nun auf den letzten noch übrigen für unseren Jüngsten. Da mein Mann sonst in drei Schichten arbeiten muss, hat er diese geschenkte Zeit mit den Kindern sehr zu schätzen gewusst – und dabei auch gemerkt, wie anstrengend ein Fulltime-Kinderbetreuungs-Haushalts-Job zu Hause auch sein kann. Das hat den gegenseitigen Respekt sehr gefördert und war für unser gesamtes Familienklima prägend. Also – danke an den Staat fürs Elterngeld! PS: Auch in der Wirtschaft ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit kaum zu finden – das Elterngeld spiegelt damit nur die gesellschaftliche Realität wider. Würden alle Arbeitnehmer von ihrem Lohn vernünftig leben können, wäre auch das Elterngeld nicht in manchen Fällen so unverschämt niedrig. Also wäre es doch besser, an dieser Schraube zu drehen, als das Elterngeld wieder abzuschaffen, oder?

  5. Nicole

    Mein Mann hätte gerne die Vätermonate allein genommen. Nur war das schlicht nicht möglich. Denn da er diese bis zum 14. Lebensmonat genommen haben muss, war die Theorie wie bei vielen Eltern: ich mache Monat 1-12, mein Mann Monat 13 bis 14, danach geht das Kind in die Krippe. Da wir aber -wie zu erwarten- zu diesem Zeitpunkt keinen Krippenplatz bekommen haben, musste also jemand auch in Monat 15+ zu Hause bleiben. Es bleibt logischerweise der, der weniger verdient- also ich. Damit wäre die einzige Möglichkeit für Väterzeit alleine diejenige gewesen, mein Mann wäre irgendwann zwischen Monat 1 und 14 2 Monate zu Hause geblieben und ich für diese 2 Monate arbeiten gegangen und danach wieder zu Hause geblieben. Mein Arbeitgeber hätte laut gelacht, hätte ich diesen Vorschlag unterbreitet. Das ist doch praxisfern! Daher: Entweder verlässlich frühzeitig einen Betreuungsplatz garantieren oder die Inanspruchnahme der Vätermonate flexibilisieren. Sonst können weiterhin viele Väter nicht allein in Elternzeit gehen.

  6. karlotta

    ich habe erst dieses jahr angefangen nach abschluss meines studiums angefangen zu arbeiten. Es ist “nur” eine halbe stelle und wird entsprechend bezahlt. Ziemlich genau ein halbes jahr nach meiner arbeitsvertragunterschrift wird unser kind geboren werden. Daher würde ich so wenig elterngeld bekommen, dass wir finanziell starke einschnitte hinnehmen müssten -sowohl wenn ich in elternzeit gehe, als auch wenn mein mann gehen würde. Zum glück sind wir in der situation, dass such die oma viel um das baby kümmern kann und will, dass ich sofort nach dem mutterschutz wieder arbeiten kann und werde (ich will auch wirklich gerne wieder arbeiten!). mit elterngeld würde ich finanziell auf hartz iv niveau rutschen ohne elterngeld, aber dem anspruch mich selber um das kind zu kümmern würde ich vermutlich hartz iv bekommen… Für frauen in meiner situation ist das elterngeld ein besserer witz…

  7. Julia

    Mein Mann und ich arbeiten beide im sozialen Bereich und verdienen dabei nicht gerade üppig. Wir haben zwei Kinder und beide wären ohne Elterngeld nicht oder mit sehr einschneidenden Einschränkungen möglich gewesen. Gäbe es ohne Elterngeld also nicht vielleicht noch weniger Kinder? Und ja: Es braucht noch deutlich andere Voraussetzungen, um die Geburtenrate wirklich zu steigern. Bezahlbare, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung z.B. und Anerkennung für die, die sie leisten. Und dann bekämen wir sogar noch Kind Nr. 3!! :-)

  8. Ramona

    Bei unserem ersten Sohn gab es noch kein Elterngeld. Damals ist mein Mann auf Arbeit massiv von Kollegen und Vorgesetzten angefeindet wurden, als er Elternzeit nehmen wollte. Beim zweiten Kind waren zumindest die 2 Vätermonate gar kein Problem mehr, da es ja Elterngeld gab, war das plötzlich (für 2 Monate) in Ordnung. Mein Mann hat gleich nach der Geburt diese Zeit genommen und so konnten wir als Familie in Ruhe zusammen wachsen, er konnte sich um den Großen kümmern. Da wir keine Verwandschaft in der Nähe haben und auch sonst keine Hilfe, hat uns dies sehr gut getan. Ohne Elterngeld wäre es jedoch nicht möglich gewesen.
    Auch finanziell war es eine große Unterstützung. Wie soll man den von einem Gehalt leben, wenn das schon für die Miete fast ganz draufgeht?
    Das parallel zum Elterngeld Kitas ausgebaut und gut qualifizierte Erzieherinnen ausgebildet werden, sollte in so einem reichen Land eigentlich kein Problem sein. Aber wir leben in einer Gesellschaft, die nicht wirklich Kinder will, höchsten zukünftige Beitragszahler.

  9. Nipa

    Die Frage sollte nicht sein: Brauchen wir das Elterngeld (natürlich!), sondern welche Maßnahmen müssen ZUSÄTZLICH ergriffen werden um Deutschland wieder famlilienfreundlich zu machen!

    Ob und inwiefern die Höhe des Elterngelds fair berechnet wird oder nicht, darüber lässt sich streiten. Wirtschaftlich gesehen ist die aktuelle Regelung sicher gut – menschlich gesehen… na ja.

    Und natürlich nimmt der Vater ZUSAMMEN mit der Mutter Elternzeit, denn Stillen kann eben nun mal nur die Mutter und das sollte sie auch! In der ersten Zeit sind Mutter und Kind aber trotzdem sehr auf den Vater angewiesen: der komplette Alltag verändert sich und gemeinsam geht alle besser: auch schlaflose Nächte.

    Zum dritten Punkt: Ja. Das Betreuungsgeld macht, so wie es beschlossen ist, einfach keinen Sinn.

    Fassen wir zusammen: Die Politik wird im Grunde weiterhin nach dem Motto “Wer Kinder hat, ist slebst schuld.” verfahren und alles daran Sätzen so wenig Gelder wie Möglich zu investieren. Auf Lange sicht kann das nicht gut gehen, aber zu dieser Einsicht werden “die da oben” schon noch kommen. Ich befürchte nur es wird wie immer etwas (zu) spät sein.

  10. Ich schliesse mich Melanie an. Der Ausbau von Betreuungs- und Kindergartenplaetzen ist das A und O. Else

  11. Dani

    Ich denke, dass das Elterngeld ein Aspekt unter vielen ist. Deutsche Paare in dem Alter, in dem sich die Frage stellt, haben zumeist ein sehr hohes Dicherheitsbedürfnis. Die wenigsten trauen sich einfach mal Kinder zu bekommen. Die Frage nach der finanziellen Situation spielt für viele dabei eine entscheidende Rolle und somit erleichtert das Elterngeld schon die Entscheidung pro Kund. Allerdings stehen einem Jahr finanzielle Sicherheit eine Menge anderer Unsicherheitsfaktoren gegenüber: befristete Arbeitsverhältnisse, unsichere wirtschaftliche Lage und difuse Gefahren. Dazu die oft überzogenen Erwartungen, die gerade an die Mutterrolle in Deutschland gestellt wird und eibe generelle zunehmende Kinderunfreundlichkeit unserer Gesellschaft. Dazu kommt, dass die 80-er Jahre Wohlstandskinder sich immer noch schwer tun, Privilegien zugunsten von Familie aufzugeben.
    Ich schätze, wir werden auch durch Geld nicht mehr übermäßig kinderreich werden. Ich bin für eine flexiblere Gestaltung des Elterngeldes – mehr Partnermonate (bei gleicher Gesamtdauer) aber auch die Möglichkeit es über mehr als 24 Monate zu strecken. In Kombi dazu Kitas statt Betreuungsgeld.

  12. Claudia

    Anstelle weitere Initiativen und Gesetzesentwürfe für Kinder und deren Eltern in Deutschland auf den Weg zu bringen, werden bisherige Errungenschaften schon wieder schlecht gemacht. Deutschland als reiche Industrienation sollte sich mehr leisten können als ein dies ODER das. Es ist wirklich unglaublich, dass zum Thema Kinder in Deutschland so viel diskutiert und so wenig geleistet wir.

  13. Melanie

    Das Elterngeld ist ´nett on top´, allerdings finde ich es, wie in dem Beitrag schon erwähnt, besser das Elterngeld in den Ausbau GUTER KITAPLÄTZE (mit ebenso flexiblen Öffnungszeiten) und in die Ausbildung der ERZIEHER zu investieren,- denn nur das ermöglicht uns gut ausgebildeten Müttern (neben kooperativen und flexibel-modernen Chefs (…)) den wirklichen Wiedereinstieg in den Beruf!! …ich persönlich würde lieber auf das Elterngeld verzichten und garantiert wissen, dass ich ab dem Zeitpunkt an dem mein Kind ein Jahr alt ist, wieder arbeiten gehen kann!!
    …und die Vätermonate sind, wie ich im Umkreis beobachten konnte, in dem meisten Fällen doch einigermassen gut bezahlter Familien-Sonderurlaub….

    • Nipa

      Das heißt eine Familie müsste jahrelang sparen, damit sie ein Jahr lang überleben kann, weil das gehalt der Mutter dann komplett wegfällt? Wer bekommt dann noch Kinder? Die Ü-40 Elite? :D

  14. Katja

    Welcher Vater nimmt die Elternzeitmonate wirklich so, wie sie gedacht waren? Auch ich kenne zu 80 Prozent nur Familien, in denen beide gleichzeitig in Elternzeit gegangen sind. So ein vom Staat finanzierter Familienurlaub ist ja auch eine nette Sache, man kann ein Haus bauen oder lange in den Urlaub fahren. Ich meine das nicht nur negativ. Ich finde, jede Familie hätte es verdient, nach der Geburt zwei bis drei Monate zusammen sein zu können – ohne finanzielle Einbußen. Um zueinander zu finden als Familie. Um sich gegenseitig unterstützen zu können. Das Elterngeld unabhängig vom Einkommen zu vergeben finde ich nicht richtig. Auf welchen Betrag soll man sich festlegen? Die einen sind schon sehr glücklich über 300 Euro, andere rümpfen die Nase bei 1500 Euro. Vor allem aber sollten die Männer verpflichtet werden, zwei Monate zu nehmen – wenn die Frau gerade wieder in den Job einsteigt. Es tut jedem Mann (meine Erfahrung) sehr gut, mal richtig Frau und Mutter zu sein. Und wenn jeder Mann müsste, könnten es die Firmen den Vätern, die ja echt gerne würden, nicht so verdammt schwer machen…

  15. Wir hätten uns sicherlich auch ohne Elterngeld für Kinder entschieden. Insofern weiß ich nicht, ob das Elterngeld wirklich dazu beiträgt, dass mehr Kinder geboren werden. Aber vielleicht ist das auch nicht der Maßstab aller Dinge? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Elterngeld unserer Familie sehr geholfen hat, das erste Jahr zu meistern und uns mit genügend Ruhe und Gelassenheit auf das Elterndasein – ist ja schließlich alles neu und anders – einzustellen. Das tut den Eltern gut, das tut dem Kind gut, das tut der Gesellschaft gut. Wieder mal ein Wert, der sich schlecht in Zahlen rechnen lässt und trotzdem nicht weniger zählen sollte. Und auch durch die zwei Vätermonate ist ein wenig Bewegung ins System gekommen. In meinem Freundes- und Bekantenkreis haben das fast alle in Anspruch genommen und die Väter waren froh, um die intensiven Erfahrungen. Aber wohl auch genauso froh, dass es nur 2 Monate waren ;)

  16. Marsha

    Ob das Elterngeld eine Gebärprämie ist – vielleicht. Fakt ist jedoch, dass ohne die 12 (14) Monate Elterngeld (die eigentlich “nur” 10 (12) sind, da zwei Monate Mutterschutzgeld davon abgehen) unserer kleinen Familie finanziell der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre. Und da stehen wir in unserem Bekanntenkreis nicht alleine da. Wie sonst sollten sich z.B. ein Paar FÜR ein Kind entscheiden, wenn nur einer verdient (die Mutter) und der andere seine Doktorarbeit schreibt (der Vater)? Oder andersrum: Einer Mitten im Diplom (Mutter) und der andere (Vater) nimmt 4 Monate Elternzeit, damit das Kind in der “heißen” Phase gut versorgt ist. Ich kenne kein Paar, wo der Vater nicht seine mindestens 2 Monate Elternzeit genommen hat – klar manchmal zusammen, aber oft auch, um der Frau den Berufswiedereinstieg zu erleichtern.

    Früher gab es Erziehungsgeld – heute eben Elterngeld. Und mehr als das Arbeitslosengeld, das man 1 Jahr bekommt, ist es ja nicht. Im Prinzip könnte man es sogar fast auf eine Stufe stellen. Und dafür zahlen die Verdiener schließlich in die Staatskasse ein, um im Fall des Bedarfs abgesichert zu sein. Warum nicht auch im Falll KINDER? Daher finde ich die Schwankenden Beträge, die ans Gehalt gekoppelt sind, auch nicht ungerecht.

    Abgesehen davon hatte Frau Schröder – mit der ich sonst nicht einer Meinung bin – in Zuge der Debatte auch gesagt, dass 2011 noch nie so wenige Frauen im gebärfähigen Alter gewesen wären. Unsere Gesellschaft wird immer älter, da sind die Zahlen automatisch rückläufig…vielleicht ist das so. Nach dem Prinzip “Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast” würde ich mir in solchen Aussagen etwas mehr Transparenz wünschen.

    Für mich jedenfalls ein klares JA zum Elterngeld. Auch für uns in Bezug auf ein eventuell zweites Kind ein wichtiger Faktor.

    Liebe Grüße, Marsha

    • Susanne

      Puh, hätte ich den letzten Kommentar mal zuerst gelesen, dann wäre ich nicht zwischenzeitlich so böse geworden. Ich bin ganz Deiner Meinung! Elterngeld ist kein Gehalt für Kindererziehung, sondern eine Ersatzleistung für das ausbleibende Gehalt und das ist nunmal nicht bei allen gleich hoch. Warum sollten also alle Elterngeldempfänger plötzlich eine Pauschalsumme erhalten? Sicherlich hilft das den Besserverdienern (mal wieder) mehr. Die bösen Besserverdiener. Ich finde es fast schon DEKADENT über die Höhe des Elterngeldes zu debattieren, wenn man bedenkt, dass Deutschland eines der wenigen Länder ist, die ÜBERHAUPT eine vertragliche Elternzeit und Zuschüsse wie eben auch Kindergeld und Mutterschaftsgeld bietet!