Debatte: Mythos Work-Life-Balance

Was ist nötig, damit der Spagat Beruf-Familie gelingt? Diskutieren Sie mit uns!

Gerade heiß diskutiert wird das Titelthema in der aktuellen Ausgabe von the Atlantic -  Work-Life-Balance der Frauen. Hauptdiskussionspunkt ist der Artikel von Anne-Marie Slaughter mit der vielsagenden Überschrift “Why Women still can’t have it all”. Er befasst sich mit der schieren Unmöglichkeit, als Frau im Job erfolgreich und gleichzeitig eine gute Mutter zu sein, sie sagt: “It’s time to stop fooling ourselves, says a woman who left a position of power: the women who have managed to be both mothers and top professionals are superhuman, rich, or self-employed.”

Anne-Marie Slaughter war Professorin an der Universität in Princeton, Chefin des Planungsstabs von Hillary Clinton im Weißen Haus und beendete diese Karriere, um sich mehr um ihre zwei Söhnen kümmern zu können.

Interview bei YouTube:

Lesen Sie dazu auch:
taz-Artikel “Alles auf Anfang” (3.7.2012)
sueddeutsche.de “Kind und Karriere – Ein Märchen?” (6.7.2012)
freitag.de “Babypause? Was für Weicheier!” (18.7.2012)

Was muss sich ändern, um nicht das eine oder andere aufgeben zu müssen? Sind Sie selbst in der Situation, sich entscheiden zu müssen? Oder haben Sie es geschafft, Familie und Beruf erfolgreich unter einen Hut zu bringen?

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Diesen Artikel kommentieren

(muss sein)

Damit Sie auch so ein schönes Userbild bei Ihren Kommentaren angezeigt bekommen, müssen Sie sich einen Gravatar-Account zulegen und mit der dort hinterlegten E-Mailadresse kommentieren.

22 Kommentare

  1. HMW

    Warum “Spagat”? Familie bedeutet wohl auch Aufgaben die für den Alltag erforderlich sind zu teilen? Bei Mutter und Vater sind doch die Ressourcen da auch wenn ich weiss, dass es “hart genug sein kann, allerdings auch schön genug! Kinder sind eindeutig Verantwortung der Eltern! Da gehören sie auch an 1. Stelle.

  2. Redhead

    Einfach mal lesen: The idle parent von Tom Hodgkinson

  3. Ziemlich provokant dazu übrigens Markus Brauck im aktuellen Spiegel:
    “… „Eine Welt mit mehr Frauen an der Spitze“ ist die Vision, die Slaughter for- muliert. Das klingt danach, als ob Männer nur verlieren könnten. Doch ihr Leitbild ist unvollständig. „Eine Welt mit mehr Vätern in der Familie“ ist nicht nur analytisch die notwendige Ergänzung. Erst so wird tatsächlich eine Vision daraus, nämlich die einer Gesellschaft, in der das Geschlecht kei- ne Rolle spielt beim Versuch, Karriere und Familie zugleich zu verwirklichen.
    Doch dazu müssen die Frauen erst einmal akzeptieren, dass Väter nicht bloß Ersatzleute mit beschränkter Haftung sind. Zur Wahrheit gehört auch, dass die meisten Frauen von der Macht in der Familie so wenig lassen wollen wie die meisten Männer von der Macht im Unternehmen.
    Sie beklagen sich über ihre Männer. Aber insgeheim sind sie froh, wenn ohne sie das Unternehmen Familie nicht läuft.”

  4. Maris

    Oh, danke, dass ich durch Nido Mrs Slaughter kennenlernen durfte! Wirklich, nun kann ich mich in Dikussionen immer auf sie berufen…. Ich muss auch gar nicht mehr viel schreiben, denn sie sagt genau das, was ich denke.

    Meiner Meinung nach werden in unserer heutigen westlichen Gesellschaft viel zu sehr die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, Vater und Mutter, negiert. Damit ist für mich KEINE Wertung verbunden. Ich finde auch, dass jede Mutter, Vollzeit Karriere machen soll und die Kinder fremdbetreuen lassen soll, wenn sie das will.

    Die meisten Mütter, die ich kenne, wollen das aber eben gerade NICHT. Sie haben das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn sie nicht mehr für ihre Kinder da sein können, wenn sie sie brauchen. Kinder haben eben ihren eigenen Rhythmus, nicht den von 19 bis 20 Uhr eine Stunde am Tag und am Wochenende, wenn Mami mal Zeit hat. Sie sind krank, müssen aus der Kita geholt werden, haben Sorgen nach der Schule etc… Ich will nicht, dass dann jemand anderes sie dann tröstet etc.

    Die meisten Frauen wollen ein bisschen neben den Kindern arbeiten – und machen sich dann vor, dass sie mit ein bisschen Arbeit heute Karriere machen können. Das geht nicht, und das muss man den Müttern vorwerfen. Auch die Utopien hier, von einer neuen Arbeitswelt in der alle Menschen nur 20 bis 30 Stunden arbeiten, ist in einer Leistungsgesellschaft einfach nur traumtänzerisch und lachhaft. Wer Karriere machen will, muss sich gegen Konkurrenz durchsetzen und besser sein. Spitze ist nun mal Spitze und nicht Breite (breite Masse).

    Ich werte aber die Entscheidung von Karriere-Frauen nicht. Ich finde, sie haben das Recht, diese Entscheidung zu treffen. Ich habe mich ganz bewusst gegen diese Entscheidung gestellt, weil ich zu oft erlebt habe, wie Frauen nach 15, 20 Jahren geweint und gejammert haben und mir erzählt haben, wie sehr sie es bereuen, dass sie sich nicht mehr um ihre nun fast erwachsenen Kinder gekümmert haben. Irgendwann kommt der Punkt im Leben, da ist dies einfach das Wichtigste. Dann wurde es bei diesen Frauen – meist um die 50 – ganz absurd: sie haben eine Eizellspende machen lassen und sind nun gluckende Momas!! DAS kann doch auch nicht die Lösung sein! Von einem Extrem zum nächsten. Da fehlt jegliche Normalität.

    Auch die Kita-Diskussion wird reichlich absurd. Was nutzen uns denn reine Aufbewahrungshorte, wenn die Qualität nicht stimmt?! Ich bin außerorendlich unzufrieden mit unseren Kitas, 15 Kinder auf eine Erzieherin, wenn eine krank ist – und das ist ja häufiger mal der Fall – sind es 30 Kinder auf eine Erzieherin. Die öffentlichen Kitas sind baulich in einem erbärmlichen Zustand… Das ist doch nicht toll! Gut wäre doch, 5 bis 8 Kinder auf möglichst zwei Erzieherin, kleine Gruppen, geregelte Strukturen, ich merke doch schon bei zwei Kindern (2 udn 4), dass die Betreuung sehr anstrengend ist, im Grunde wie arbeit, denn wir wollen ja nicht nur vor der Glotze sitzen…

    Ich möchte deshalb allen Frauen, die zweifeln, weil sie das Gefühl haben, der gesellschaftliche Druck ist so groß und sie müssten unbedingt Karriere machen, empfehlen, wenn es finanziell geht, locker zu bleiben. Es gibt nämlich wirklich keine Familienpolitik in Deutschland, sondern nur eine Rentenpolitik. Erst wenn wir keine staatliche Rentenumverteilung mehr haben, wird sich die Familienpolitik der Parteien wirklich zu erkennen geben. Derzeit geht es nur darum, dass möglichst viele gut qualifizierte Menschen in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen. Damit finanzieren wir dann die gesamte EU-Umverteilungspolitik. Und zB dass die Franzosen schon mit 60 in Rente gehen können und wir bald bis 70 arbeiten müssen.

    Ich habe lange Jahre in der Politik gearbeitet, und zwar im konservativen Lager. Bei SPD/Grünen sieht es noch extremer aus, da gibt es noch das sozialistische Leitbild der werktätigen Mutter, eine Ideologie, die familienpolitisch umgesetzt werden soll. Ich weiß also, wovon ich rede, und gerade deshalb würde ich mich nicht instrumentalisieren lassen.

    Macht, was euch Spaß macht und wozu eure Psyche in der Lage ist. Wenn ihr das Gefühl habt, Karriere machen zu müssen und die Zeit mit euren Kindern nicht genießen könnt, dann macht das. Wenn ihr lieber bei euren Kindern wärt, dann “opfert” euch nicht für die Rente (nur darum geht es in der Politik wirklich!). Alles ist ok.

    • Dani

      Interessante These,Maris! Nur leider fehlt mir der Aspekt der eigenen Renre dabei. Wer zahlt die?
      Ich gebe dir dennoch in vielen Punkten Recht, auchich ärgert die Kita-Debattw, weil sie zu einseitig geführt wird und zu sehr auf Output abzielt. Lieb- und Qualitätslos ist sie.
      Allerdings sehe ich die Frage der Teilzeitbeschäftigung nicht so schwarz, Stichwort “Fachkräftemangel”. Zumal es in den skandinavischen Ländern geht. Es ist aber auch eine Frage der Definition von Karriere. Ich gebe dir Recht, dass man es unter derzeitigen Voraussetzungen in Teilzeit nicht in den Aufsichtrat eines Global Players schafft. Aber vielleicht wird man Büroleiterin des Bürgermeisters von Hintertupfingen, eine völlig solide Position .

    • Maris

      @Dani: Ich habe privat vorgesorgt, aber ich gebe zu, dass nicht alle die Möglichkeit dazu haben. Ich kann die Rentenfrage nicht lösen, ich habe zwar eine Meinung dazu, aber die Renten-Diskussion ist eine andere. Mir geht es in erster Linie darum, aufzuzeigen, worum es in der Politik in der Frage “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” wirklich geht und warum ich diese Diskussion ein bisschen verlogen finden.

      Mütter sollten sich ganz bewusst darüber sein, dass ALLE Familienpolitiker – und zwar aller demokratischer Parteien – in erster Linie daran denken, dass sie so viele Arbeitnehmer wie möglich brauchen, die regelmäßig in die Deutsche Rentenversicherung einbezahlen, damit das System noch aufrecht erhalten werden kann. Dazu braucht man die Frauen. Mag sein, dass bei der einen oder anderen Partei mal mehr, mal weniger noch ideologische Rollenbilder mit rein spielen, aber da nehmen sich weder CSU noch SPD/Linke etwas.

      Im Großen und Ganzen besteht im politischen Betrieb jedenfalls Einigkeit darüber, dass wir mehr Rentenzahler(innen) benötigen. Punkt. Das ist ja auch grundsätzlich ok, wir brauchen ja auch irgendeine Form der Altersabsicherung, ich schreibe hier ja nicht gegen die DRV. Was mir nicht gefällt ist die Scheinheiligkeit, die Unehrlichkeit. Unter dem Deckmantel der Emanzipation lässt man jetzt den Müttern gar keine Ruhe mehr für sich und ihre Kinder.

      80 Prozent aller Mütter, die ich kenne, glauben, dass sie ihr Elternjahr “sinnvoll” nutzen müssen – mindestens für eine Promotion, ein Doppelstudium oder eine Extra-Weiterbildung (- ansonsten steht noch die Weltreise mit Baby auf dem Programm, wenn der Partner Zeit dafür hat, so kann man wenigstens “gewinnbringende” Erfahrungen sammeln). Eine Freundin meinte, sonst hätte sie das Gefühl, die Gesellschaft würde sie als “Hausputtel” ansehen!

      Das Thema “Doktorarbeit neben dem Stillen oder Rigorosum bei Schwangerschaft mit 2. Kind” wäre mal einen kritischen Artikel wert. Wer es nicht will oder nicht schafft, einen Teilzeit-Job zu ergattern, der (die) betont bei jeder Gelegenheit, dass sie sich aber mit einem Aufbau-Studium etc… nebenbei weiter qualifiziert und irgendwann, wenn die Kinder dann in der Schule sind, wieder arbeiten gehen will. Das ganze Selbstwertgefühl der modernen Mutter schein am beruflichen Erfolg zu hängen. Der Welt muss anscheinend bewiesen werden, dass man nicht “nur” Mutter ist, sondern schlau und langfristig am Erfolg interessiert. Bloß nicht zum Hausputtel abgestempelt werden!

      Ich gebe zu, dass ist eine Diskussion, die in erster Linie Akademikerinnen mit Partner betrifft, die sich längere Aus- und Erziehungszeiten finanziell leisten können. Aber im Grunde sind das ja die Leserinnen von NIDO.

      Ich appeliere ja nur daran, dass Leben mal von Hinten zu betrachten, sich die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit des Lebens zu vergegenwärtigen. Was wird wohl auf dem Sterbebett zählen?! Und da kann ich nur von denen lernen, die am Ende ihres Lebens gesagt haben, was sie anders machen würden.

  5. Stefan

    Ich denke es ist unrealistisch, das man in einer Familie mit mehreren Kindern (wir haben bspw drei) zwei Vollzeit-berufstätige Elternteile hat und gleichzeitig noch genug “echte” Zeit für Familie und Kinder bleibt. Es gibt eigentlich nur einen Weg, nämlich das “beide arbeiten 30 Stunden-Modell), dann hat man im Idealfall 1,5 Einkommen, was bei gut qualifizierten Eltern komfortabel genug sein dürfte. Nur hat das Modell einen Haken: Ich zjm Beispiel bin als Vater zu Vollzeit Plus gezwungen, um der Familie einen gewissen Standard bieten zu können. Wenn nun beispielsweise eine Beförderung ansteht würde ich selbstverständlich NICHT sagen: Lieber Chef, ich unterstütze die Entscheidung, Kollege/ Kollegin X statt mir zu befördern voll und ganz, auch wenn er/sie nur 30 Stunden die Woche da ist, während ich ebenfalls engagiert, qualifziert und 50 Stunden die Woche da bin. Ich würde (gezwungenermaßen) versuchen, den Konkurrenten auszustechen. Auch durch meinen erhöhten Einsatz, den ich in meiner Mehrarbeitszeit leiste.

    So sind wir alle trotz hehrer Ideale in der Realität gefangen. Es ist einfach so, Stand heute muss man sich an irgendeinem Punkt für einen Schwerpunkt entscheiden, alles gleichzeitig und davon noch viel geht nun einmal nicht ohne Abstriche. Ich halte aber auch “Karriere” als allein seligmachendes Lebensideal für deutlich überschätzt, von daher ist es für Frauen und Männer, die sich auf die Familie konzentrieren, doch auch eine Chance, das sie das überhaupt können.

  6. Claudia

    Ich würde gern mal eine Lanze brechen für unser momentanes System!

    Ich verstehe diese ganze Debatte um die Tatsache, dass man sich heute zwischen Kind und Karriere entscheiden MUSS nicht so ganz.
    Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, mich entscheiden zu müssen. Ganz im Gegenteil. Ich habe heute die Möglichkeit, mich entscheiden zu KÖNNEN!

    Wenn ich mir die Entwicklung der Wochenarbeitszeit ansehe, ( http://de.wikipedia.org/wiki/Wochenarbeitszeit) und mir vor Augen halte, dass diese Zeit nötig war, um die Familie ernähren zu können, dann finde ich schon, dass 40 Stunden Wochenarbeitszeit heute in den meisten Berufsgruppen nicht nur das Überleben sichern, sondern auch einigermaßen Wohlstand.

    Zudem kann ich Kinder bekommen, mir wird eine gemeinsame Zeit zu Beginn des neuen Mutti-Daseins gewährt und ich kann später in meinen Beruf zurückkehren und ggf. wieder 40 Wochenstunden arbeiten.

    Wenn ich mich für die Arbeit entscheide, bekomme ich Unterstützung durch die Kita-Betreuung, die zugegebenermaßen hier im Ostteil unseres schönen Landes sehr viel besser ausgebaut ist als im Westteil. Aber daran soll ja gearbeitet werden. Diese Variante erfordert hohes Organisationsvermögen und Verständnis auf allen Seiten und birgt das Risiko, dass man als Mutter oft das Gefühl hat, weder auf Arbeit noch mit den Kindern 100% Leistung zu bringen.

    Ich kann mich auch dafür entscheiden nicht mehr arbeiten zu gehen. Auch das ist legitim und heute prinzipiell finanzierbar durch den Alleinverdiener und/ oder mit Zuschuss durch das Amt.

    Karriere bedeutet dem Wortsinn nach einfach „Fahrstraße“ und „berufliche oder persönliche Entwicklung“. Das bedeutet nicht, dass am Ende meines Arbeitslebens ich von der Putzfrau zur Managerin aufgestiegen sein muss und gleichzeitig noch meine Kinder voll betreut habe, damit diese wiederum beruflich und privat ausschließlich erfolgreich sind.

    Und egal wie ich mich entscheide, es wird heute gemeinhin als meine persönliche Lebensform akzeptiert und vom Staat nach seinen Möglichkeiten unterstützt. Das hat bei all dem, was noch zu verbessern wäre, doch auch mal ein Lob verdient.

    (zwei Kinder, teilzeitbeschäftigt (35h), nicht alleinerziehend, Omas wohnen weit weg, parteilos und vollkommen unpolitisch)

  7. Was ich auch interessant finde an der Debatte um Ann-Marie Slaughter gerade: dass ihr von Frauenseite vorgeworfen wird, dass sie mit Ihrer Entscheidung an die Öffentlichkeit gegangen ist. Weil sie die Diskussion damit wieder in die Richtung “Es geht eben einfach doch nicht” lenkt. Ich habe da selber auch gar kein gutes Gefühl, bei dieser Richtung. Denn wer, wenn nicht wir, muss es dann eben doch probieren oder zumindest probieren die Bedinungen zu verbessern, damit es geht … Andererseits schon komisch, wenn man ihr jetzt so den Mund verbietet. Denn als persönliche Entscheidung ist es natürlich vollkommen nachvollziehbar. Das zeigt wie aufgeheizt die Debatte gerade ist!

    • Dani

      Ich muss sagen, ich habe immer dann ein Problem mit solchen Ich-habe-es-nicht-geschafft Outings, wenn daraus eine Allgemeingültigkeit abgeleitet wird und das ist bei ihr ja zum Teil auch der Fall, wie das von euch oben auch verwendete Zitat belegt: “It’s time to stop fooling ourselves, says a woman who left a position of power: the women who have managed to be both mothers and top professionals are superhuman, rich, or self-employed.”.
      Von daher kann ich die Vorwürfe in diesem Punkt nachvollziehen.
      Auf der anderen Seite finde ich das Outing wiederum gut, denn es zeigt, wie gnadenlos das System funktioniert und wenn es letztlich für Diskussionen über Arbeitsbedingungen für beide Geschlechter sorgt, dann hat es auch was gutes.

  8. Annette

    Eine Grundursache, warum vor allem Frauen sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen, liegt im System: Karriere wird immer noch mit exorbitanten Wochenstundenzahlen und häufigen Geschäftsreisen gleichgesetzt, Netzwerke bestehen nur aus Männern und werden beim abendlichen Bier in der Kneipe gefestigt. Das kann schon entmutigen. Zudem fallen vorher gleich gestellte Partner immer noch oft in alte Rollenmuster zurück, sobald Nachwuchs auch nur geplant ist. Die Einstellung vieler Frauen selbst und ihrer Umgebung ist: man studiert, macht ein paar Jahre “Karriere”, aber dann kommt das Alter wo man eben doch Kinder möchte und jeder anstehende Schritt nach vorne wird unter dem Gesichtspunkt der Vereinbarkeit bewertet. Das tun die Frauen selbst sowie ihre Vorgesetzten/Mentoren/Förderer, ob bewusst oder unbewusst. Männer machen das “unter ihresgleichen” nicht in dem Masse.
    Hier ist meiner Meinung nach die jetzige Mütter-Generation gefordert, zu kämpfen: dass es möglich sein muss, innerhalb “kinderfreundlicher” Arbeitszeiten qualifizierte Arbeit zu leisten, auch für die Väter, die gern mehr von ihren Kindern hätten. Dass unsere Partner sich im gleichen Masse verantwortlich für die Organisation des Familienlebens, Haushalts, Erziehung fühlen wie wir und nicht als gönnerhafte Helfer nach Feierabend. Dass Karriere-Netzwerke auch unter Frauen oder gemischt funktionieren, ohne dass gleich ein unangemessenes Verhältnis mit dem Förderer vermutet wird. Dass Kinderbetreuung flexibler wird. Wenn wir Mütter nicht dafür kämpfen, wer dann? ICH tue es jedenfalls gerade. Einfach ist es nicht, aber ich bin überzeugt, dass ich meinen Platz für mich und meine Familie schon finden werde. Und dass es für meine Tochter vielleicht einmal selbstverständlich sein wird, auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen zu arbeiten, auch wenn sie selbst Mutter ist – und dass ohne in irgendeine Schublade gesteckt zu werden.

  9. Dani

    Hi!
    Ich finde für eine “Durchschnittsfrau” wie mich den Karrierebegriff schwierig (obwohl ich ihn selbst auch oft in Diskussionen verwende). Ich denke kaum eine von uns kann sich tatsächlich mit Frau Slaughter vergleichen. Meistens geht es uns doch eher darum, unseren Qualifikationen entsprechend (und nicht darunter) zu arbeiten und möglichst unabhängig, selbständig zu bleiben und unseren Beitrag zum sicheren Familieneinkommen zu leisten (das gilt meines Erachtens für beide Elternteile in modernen Partnerschaften). Ist das jetzt “Karriere”?
    Aber allein das ist schon relativ schwierig und es ist immer eine Frage von Kompromissen und ein bisschen vielleicht auch von Glück.
    Bei uns ist es so:
    Wir haben zwei kleine Kinder (1 und 3) und sind beide berufstätig. Ich arbeite in der Wissenschaft, habe derzeit 20 Stunden, obendrauf kommt noch die Zeit, die ich brauche um mich weiterzuqualifizieren (Promotion + Fortbildungen, beides unerlässlich, um überhaupt in ein paar Jahren noch in meinem Bereich arbeiten zu können) und mein gesellschaftspolitisches Engagement (Gewerkschaft).
    Mein Mann hat eine Vollzeitstelle als Redakteur, er hat einen ungewöhnlich sicheren Arbeitsplatz mit Tarifvertrag (und zwar nicht RedTV oder so, sondern eine Branche, die fast jedes Jahr Abschlüsse von + 6% rausholt) und Zeiterfassung und sein Arbeitgeber bietet einige familiengerechte Arbeitszeitmodelle an. Er ist auch in geringem Maße politisch aktiv (kommunal).
    Der Nachteil seines Jobs – das Thema an dem er arbeitet ist okay, aber sicher nicht sein Leib- und Nierenthema und für viele im journalistischen Bereich wahrscheinlich nicht hipp genug. Wenn er hätte frei wählen können, hätte er andere Schwerpunkte gesetzt. Aber Einkommen, Sicherheit und Vereinbarkeint sprechen derzeit klar für seinen Job! KOMPROMISS.
    Er ist unser Hauptverdiener und derjenige mit dem im Moment sichereren Job, weswegen wir uns nicht wirklich trauen, die familienpolitischen Zugeständnisse seines Arbeitgebers in der Gänze auszureizen, denn ihr wisst wie es ist – auf dem Papier steht das eine, in der Realität sieht es mancher Chef doch anders. Aber dennoch ist sein Job so ausgelegt, dass er relativ viel daheim übernehmen kann und demnächst wird Heimarbeit gänzlich erleichtert.
    Der Nachteil meines Jobs: Neben der branchenüblichen Befristung von Arbeitsverträgen ist Wissenschaft generell noch sehr, sehr familienfeindlich. Ich habe deshalb früh für entschieden, keine wissenschaftliche Karriere (also am Ende Professorin sein) anzustreben, sondern mich auf den Bereich Wissenschafts- und Bildungsmanagement zu konzentrieren. KOMPROMISS
    Wir haben uns zudem ganz bewusst für ein “spießiges” Leben im Reihenmittelhaus im Vorort entschieden, weil wir dieses “Nest” für uns als Familie haben wollten und es brauchen um Kraft zu tanken. Wir sind nicht in eine coole In-City gegangen, leben nicht in Hamburg, München oder Köln, sondern im Speckgürtel einer eher provinziellen Stadt, mit dem Vorteil, dass meine Eltern, Großeltern und andere Verwandte um die Ecke sind und wir hier sehr niedrige Lebenshaltungskosten haben. KOMPROMISS.

    Im Moment sieht unser Alltag so aus, dass mein Mann Vollzeit arbeitet und ich an drei vollen Tagen in der Woche arbeite und an zwei Tagen daheim bin. Das passt am besten zu unserem Betreuungsmodell. Für unseren Sohn (3) haben wir seit diesem Jahr einen Ganztagesplatz in der Kita und unsere Tochter (1) wird an meinen drei Arbeitstagen von meinen Eltern betreut und ist an meinen freien Tagen hier bei mir.
    An meiner Weiterqualifikation arbeite ich in meiner “Freizeit”, an ein paar Abenden in der Woche und am Wochenende früh morgens, wenn der Rest der Familie noch schläft. Das ist nicht viel, aber immerhin, aber entsprechend langsam komme ich voran. KOMPROMISS.
    Wir sind derzeit im Großen und Ganzen zufrieden mit unserem Leben und empfinden die eingegangenen Kompromisse was unsere Berufstätigkeiten angeht, nicht als störend, es wäre für uns beide schlimmer, das Familienleben nicht zu haben.
    Dennoch ist unser Alltag sehr straff organisiert und es braucht nur an einer Stellschraube zu klemmen, schon geraten wir ins wanken. Krankheiten der Kinder, Schließtage der Kita, berufliche Termine außerhalb der Kernarbeitszeit, wichtige mehrtägige Konferenzen von uns beiden, die sich überschneiden, usw. Das sind die Momente, an denen ich am liebsten alles hinwerfen will und einfach in meinem Reihenmittelhaus bleiben und einen auf 50er Jahre machen möchte, das sind die Tage, an denen ich mir wie eine gespaltene Persönlichkeit vorkomme, die zwei Leben lebt, die miteinander nicht in Einklang stehen, das sind die Tage an denen ich mich frage, warum ich das alles mache. An solchen Tagen fließen auch manchmal Tränen. Meinem Mann geht es oft genug genauso, seine Zerissenheit ist oft noch größer, weil er ja eine volle Stelle hat und die wirtschaftliche Verantwortung für unsere Familie stärker auf seinen, als auf meinen Schultern liegt.
    Meistens bekommmen wir es aber doch gut hin und es läuft immer irgendwie. Meine Eltern sind bei allem die größte Stütze, aber auch auf die etwas weiter wegwohnenden Schwiegereltern können wir uns im Notfall verlassen, das ist schon eine sehr priviligierte Situation.
    Unsere Zukunftspläne sehen so aus, dass ich versuche, die Diss in den nächsten 4-5 Jahren zu Ende zu bringen und mich im Bereich Wissenschaft, Bildung, Verwaltung noch ein bisschen weiterqualifiziere. Am Ende möchte ich meiner Qualifikation entsprechend in diesem Bereich arbeiten, sei es an einer Uni, in der kommunalen Verwaltung, im Bildungsverwaltungsbereich oder was es sonst noch gibt. Ist das Karriere? Mir schwebt eine Stelle in vollzeitnaher Teilzeit (30-35 Stunden) vor. Um meine Ziele zu erreichen, prüfe ich gerade Möglichkeiten (Stipendien, Projektgelder), um mich eine Weile stärker aud die Diss konzentrieren zu können und weniger zu arbeiten. Das würde unser Leben enorm erleichtern.
    Mein Mann möchte seine Arbeit noch eine Weile machen, er fühlt sich wohl und hat Spaß. In ganz ferner Zukunft und wenn ich vielleicht mal so sicher im Sattel sitze, dass ich die finanzielle Hauptlast tragen könnte, möchte er sich dann vielleicht aber doch auch noch ein bisschen mehr selbstverwirklichen.
    Tja, was ist aus meiner Sicht das Fazit? Ich denke ALLES können wir alle nicht haben, Familie und erfülltes Berufsleben bleibt ein Thema mit Kopmromissen – aber man kann gemeinsam schauen, was geht und wie es gehen könnte und versuchen, das beste aus den Möglichkeiten, die da sind, zu machen.
    Ich würde mir wünschen, dass Eltern ein bisschen mehr Mut hätten, eingetretene Pfade zu verlassen und nicht zu schwarz-weiß denken, ich sehe immer noch viele Paare in die traditionelle Rollenmuster-Falle tappen, weil sie sich irgendwie nicht vorstellen könnte, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.
    Wichtig ist mir zudem, dass sich politisch noch mehr tut – wir brauchen familienfreundlichere Arbeitsbedingungen und ein Umdenken auf diesem Gebiet, wir müssen weg von dieser Dauerpräsenzkultur am Arbeitsplatz. Außerdem brauchen wir gut ausgebaute, flächendeckende Kinderbetreuung, die wirklich den Bedürfnissen von Eltern entgegen kommt.

  10. Anika

    Ich habe 2 Söhne (1 und 3 Jahre alt), war nie in Elternzeit, dies hat mein Mann übernommen, bis die beiden jeweils 5 Monate alt waren, als sie dann in die Kita/zur Tagesmutter gingen. Ich arbeite in der Woche theoretisch von 9-18 Uhr, oft bis 20 Uhr, manchmal durch. Das geht, weil ich den Luxus eines Mannes mit geregelten Arbeitszeiten (Lehrer/Referendar) und ein Au-Pair-Mädchen habe. Ich MUSSTE und MUSS arbeiten. Ich war stets Hauptverdiener UND ich konnte mir nicht vorstellen, bei den Kindern zu Hause zu bleiben. Ich liebe meinen Job. Dass ich arbeiten gehe und damit an den Wochenende entspannt und voll verfügbar bin, ist ein Glück für meine Kinder. Dass ich einen Mann mit entsprechenden Arbeitszeiten und dem Willen zur Verantwortung habe, ist ein Glück für mich.
    Das klingt alles toll; aber es fällt dennoch sehr sehr schwer. Ich hatte schon genug Phasen, in denen ich überlegte, alles hinzuschmeißen. Der Plan ist auch immer noch da, wenn mein Mann endlich als Vollzeit-Lehrer bezahlt wird. Nach 2 Wochen Urlaub zu Hause mit mir sind die Kinder lieber und entspannter. Dann gibt es Phasen, da frage ich mich, warum ich mir Sorgen mache. In anderen Familien ist der Vater nicht greifbar. Wir haben bei uns immer zusammen das Frühstück und den Kita-Weg. Und ich bin eine tolle Wochenend-Mutti. Die Kinder haben feste Bezugspersonen, einen Tagesablauf, sind emotional stabil und – das bestätigen alle – glücklich.
    Der Kampf gegen die (bei mir eher rudimentär vorhandenen) Instinkte ist allgegenwärtig. Ich sage mir: Wenn ich jetzt zu Hause sein oder Teilzeit arbeiten würde und dabei glücklich wäre – ich müsste nicht regelmäßig mit mir selbst rangeln. Aber ich bin nun einmal ich und muss auch mit mir leben. Der Kompromiss, den wir in unserer Familie gefunden haben, ist manchmal hart aber für alle am besten.

    • Dani

      Hallo Anika,

      ich finde euer Modell gut. Ihr habt die Verhältnisse einfach umgekehrt und es passt für euch, sowohl finanziell als auch privat. Was willst du mehr?
      Das schlechte Gewissen – ich kenne es. Aber letztlich ist es nur etwas, was unsere Gesellschaft sich in der Wirtschaftswunderzeit angefangen hat, flächendeckend zu leisten, was dich da jetzt drückt, diese unterschwellige Vorstellung, dass es “richtiger” ist, wenn die Mama daheim ist. In Wahrheit muss das aber nicht so sein und war auch in der Geschichte der Menschheit die längste Zeit eben nicht so. Die Hauptsache ist, es ist geregelt und es geht euch gut.
      Viel Glück weiterhin.

  11. Daniela

    Tja und manchmal geht es eben NICHT um die reine Entscheidung….
    Wir BRAUCHEN einfach zwei Einkommen um die Familie zu versorgen. Punkt.

    Ich arbeite wirklich gerne und bin auch sehr glücklich weil unsere Jüngste sich im GanztagesKiGa suuuuper wohl fühlt… von daher kann man schon von “gut vereinbart” sprechen – aber um ehrlich zu sein: nach Abzug der Betreuungs- und Fixkosten (beides teile ich mir übrigens mit meinem Partner!) bleiben mir persönlich von meinem Gehalt ganze 18 € im Monat! Abgesehen davon bin ich ca. 7,5h/Tag im Büro, ca. 1h unterwegs und abends bricht dann erstmal Haushalt, Hausaufgabenkontrolle und noch ein bissl “Quali.zeit” mit den Kindern über mich ein; von zur Zeit anstehender Prüfungsvorbereitung meinerseits abends/nachts mal ganz abgesehen.

    Da nervt es zugegeben schon ziemlich, sich dauernd anhören zu müssen, man verwirkliche sich ja selbst oder habe ja ach soviel Freizeit mit “Feierabend” um 16.00 Uhr uns solle sich bitte nicht beschweren bzw hätte sich ja anders entscheiden können.
    Ich will mich nicht immer rechtfertigen müssen.
    Oder mir von sämtl Seiten anhören ich solle doch kündigen denn mit HartzIV sei ich finanziell besser dran und hätte mehr Zeit f d Familie o_O Gerade von Ämtern und öffentl Einrichtungen, die froh sein sollten wenn jmd arbeiten WILL kommt das ziemlich komisch rüber!!

  12. Ich kann Anne-Marie Slaughter sehr gut verstehen und ich finde es gut, dass sie so konsequent war, sich für ihre Kinder zu entscheiden, als sie gemerkt hat, sie verliert den Kontakt zu ihnen. Klar ist ihr Lebenslauf ein extremer, aber sie spricht ja auch die anderen Frauen an, die nicht so previligiert sind wie sie selbst und wohl unter noch schwierigeren Bedingungen versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Interessant finde ich, was sie zum Schluss schreibt: “Only when women wield power in sufficient numbers will we create a society that genuinely works for all women. That will be a society that works for everyone.” Tja, braucht es doch die Frauenquote oder einfach nur noch mehr Zeit, bis Männer, die ja heute überwiegend machtvolle Positionen besetzen, anfangen, verstärkt auf die Bedürfnisse von Müttern/Frauen Rücksicht zu nehmen und letztendlich auch auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Denn ich bin, wie @Vera Schroeder davon überzeugt, Männer möchten auch, genau wie ihre Frauen, mehr Zeit mit ihren Familien/Kindern verbringen, ohne auf ein erfülltes Jobleben und die Karriere verzichten zu müssen. Alles nicht so einfach! Aber das Glas ist immer eher halb voll, deshalb glaube und hoffe ich, dass wir auf einem guten Weg sind :-)

  13. Katja

    kind und karriere – es geht…vielleicht…wenn man einen job hat, in dem man flexibel arbeiten kann, wenn man das nötige kleingeld hat, um sich kinderbetreuung rund um die uhr leisten zu können (oder genügend einsatzbereite omas und opas in der nähe wohnen), wenn man sich damit abfindet, niemals und nirgendwo 100% geben zu können!?

    zu viele “wenn”…

    vielleicht bin ich spiessig, aber ich finde, man muss sich entscheiden!
    und ich spreche hier nicht von berufstätigen müttern, sondern von frauen, die karriere machen (wollen).

    als selbständige (ohne geld und ohne omas und opas) war es für mich nicht möglich (und ich hätte es auch gar nicht gewollt). ich bin mehrere jahre ganz ausgestiegen und fange jetzt nur in einem teilbereich, mit arbeitszeiten, die ich so legen kann, dass die kinder optimal betreut sind, wieder an.

  14. Was mich ja an der Debatte immer stört: Dass es immer nur darum geht, ob Frauen ihre Superkarrieren mit Kindern vereinbaren können. Dabei betrifft es doch eigentlich genauso die Männer. Denn viele Männer heute wollen ja auch nicht mehr ihr ganzes Privatleben dem Job opfern – sondern neben dem Beruf auch präsente, liebevolle Familienväter sein. Die Arbeitswelt muss sich dahingehend verändern, dass Frauen wie Männer neben dem Job auch Zeit für die Familie haben können. Dafür brauchen wir flexiblere Arbeitsbedinungen, und den Glauben daran, dass man auch in Teilzeit oder zumindest ohne lange Überstunden verantwortungsvolle Aufgaben stemmen kann.

    • Bernd

      Ich bin selbständiger Vater von 3 Kinder. Ich habe 12 Angestellte. Ich kann meinen Job so steuern, dass ich täglich mit den Kindern frühstücke, vielleicht auch noch in den Kindergarten bringe, falls cih keine Termine habe. Abends sehe ich sie nur am Wochenende. Wenn ich nachhause komme, schlafen sie schon, meine Frau hält vielleicht nich eine Stunde durch, arbeitet aber abends am Laptop (ebenfalls selbständig).
      Ich würde gerne als Vater für die Kinder mehr da sein. Aber ich trage Verantwortung für einen Großteil des Familieneinkommens, die Entwicklung der Firma und das Einkommen meiner Angestellten. Ich kann nicht nur auf 80% arbeiten.

    • Dani

      Das sehe ich ganz genauso, Vera Schröder. Leider sind wir mit dieser Denkweise noch in der Minderheit. Interessanterweise werden Männer in Teilzeit oder Elternzeit ja noch immer doppelt so schräg angeschaut, viele Führungsetagen (egal ob in Unternehmen oder der öffentlichen Verwaltung) sind diesbezüglich noch immer in den 50ern und sehen die Aufgabe des Mannes außer Haus und die der Frau im Haus, selbst dann, wenn sie auf dem Papier als “familienfreundliche Arbeitgeber” zertifiziert sind.
      Apropos – diese Zertifikate finde ich eh mal ein Thema für die NIDO, ich habe mich damit mal ein bisschen befasst und zum Teil sind die Gründe, warum man soetwas bekommt, ein Witz und sagen nichts über den eigentlichen Umgang mit Familienfreundlichkeit und Fragen der Vereinbarkeit von Arbeitgebern aus. Ich würde mich freuen, wenn das mal jemand recherchieren würde.
      Ich finde es zum Teil auch schade, dass den Männern ganz oft noch immer der Schuh der finanziellen Hauptverantwortung vorgesetzt wird und dass viele ihn sich dauerhaft anziehen, denn abgesehen von den Folgen, die dies für Gleichberechtigung und Ausgestaltung von Arbeitsplätzen hat, hat es bewiesenermaßen auch negative Folgen für die Männer. Man weiß mittlerweile, dass dieser Druck nicht gesund ist, mit Work-Life-Balance wenig zutun hat und Männer (bzw. Jungs) schon früh in Bahnen drückt und sie Bildungs- und Lebensentscheidungen treffen lässt, die nicht immer den eigentlichen Fähigkeiten und Neigungen entsprechen. Das Ideal vom Familienernährer ist keins, was den Männern selbst gut tut.

  15. Kathrin

    Ich kann verstehen, dass Anne-Marie Slaughter Karriere gegen Kinder getauscht hat, aber ich denke, es geht auch anders, nur geht es nicht, wenn man allein ist.
    Ich selbst habe eine 5-jährige Tochter, mache gerade meinen Master und arbeite in zwei Teilzeitjobs (in einer Redaktion und an der Uni selbst). Dazu bin ich so verrückt, z.B. das komplette Layout für unser Kindergartenjahrbuch zu machen. Und ja, es ist hart, das alles unter einen Hut zu kriegen. Aber ich will es! Ich habe meine Eltern und meinen Mann, die mich bei allen Projekten unterstützen, die auf meine Tochter aufpassen, wenn die Öffnungszeiten des Kindergartens einmal nicht reichen, ich habe ein gutes Zeitmanagement und vor allem eine verständnisvolle Tochter, die weiß, dass Mama arbeiten muss. Trotzdem versuche ich, möglichst viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können und mir die Wochenenden weitestgehend freizuhalten. Denn diese Zeit ist Familienzeit. Ich bin fast immer zum täglichen Abendessen zu Hause, denn auch diese Zeit ist Familienzeit. Natürlich verbringe ich weniger Zeit mit meinem Kind, als Mütter, die zu Hause sind. Sicher bin ich oft auch gestresster, als Mütter, die zu Hause sind. Aber für mich persönlich weiß ich, dass ich auch glücklicher bin, als wenn ich nur zu Hause wäre. Denn diese Selbstverwirklichung, diese Selbstbestätigung, diese Herausforderungen sind Teil meiner persönlichen Entwicklung – und wenn die positiv ist, entwickelt sich auch mein Kind positiv und glücklich! Im Kindergartengespräch sagt mir die Erzieherin, dass mein Kind das ausgeglichenste Kind ist, dass sie kennt – das bestätigt mich darin, wie es bei uns läuft. Außerdem denke ich, es ist wichtig, meiner Tochter zu vermitteln, dass man nur mit Arbeit und Einsatz erreichen kann, was man gerne möchte!
    Mein Fazit: Kind und Karriere – ja, auf jeden Fall geht das, wenn man es wirklich will, wenn man sich Qualitäts- (bzw. Familien-) Zeit schafft und wenn man nicht allein da steht. Denn sonst wäre das Ganze – jedenfalls für mich – ungemein schwerer. Achso, eine Sache habe ganz vergessen: Haushalt gibt es ja auch noch, aber da muss dann eben schon mal etwas liegen bleiben, bis Zeit dafür bleibt – denn Putzzeit steht ganz weit hinter Familienzeit!

  16. Sergio

    Recht hat sie. Oder anders: Wenn man es schafft, hatte man ja schon ein wenig zuviel Glück im Leben. Selbst wenn es die Kita/Betreuungsplatz/Krippendingsdebatte die die Nido aktuell für die nächsten Drölf Ausgaben füllen könnte, nicht gäbe:

    Es wäre mehr als schwierig.

    Mal abgesehen davon, dass (um mal eine Lanze für die KiTas zu brechen) manche Eltern auch gerne ein wenig dreist mit Ihren Flexibilitätswünschen umgehen.

    Hier kommt dann aber auch wieder die Perversität der aktuellen Situation zum Einsatz: Die “Selbstverwirklichung ” macht es Besserverdienern einfacher, da es nach unten Grenzen gibt, HartzIV blabla und wenns nach oben geht:

    Sky´s the Limit, wenn überhaupt.

    Ganz ehrlich: Wer sich verwirklichen will, MUSS kompromissbereit sein (auch wenn kompromissbereitschaft in DE gerade ein wenig überstrapaziert wird) oder auf eine neue Familienministerin + Wunder hoffen.