Debatte: Schluss mit Negerkönig?

Der Preußler-Verlag streicht nicht zeitgemäße und missverständliche Begriffe aus seinen Kinderbüchern.

In der “Kleinen Hexe” wird es künftig kein “Negerlein” mehr geben, kein “Chinesenmädchen” und keinen “Türken”. Der Verlag, in dem “die kleine Hexe” und die anderen Werke von Otfried Preußler erscheinen, findet diese Begriffe nicht mehr zeitgemäß und missverständlich. Er kündigte deshalb vor wenigen Tagen an, dass künftig sämtliche ausgrenzenden Begriffe aus sämtlichen Kinderbüchern in seinem Programm streichen.
Ist das nicht längst überfällig, mit Vorurteilen, Klischees und Überlegenheitsmustern belegte Begriffe aus Kinderbüchern zu streichen?
Oder ein Eingriff in die sprachlich-künstlerische Freiheit? Verpassen wir uns und unseren Kindern einen Maulkorb mit derlei sprachlichen Manövern? Wie denken Sie, liebe Nido-Leserin und lieber Nido-Leser, darüber?


Hier haben wir einige Kommentare zu dieser Debatte nochmal zusammengefasst.


 

Artikel zum Thema:

“Die Kleine Hexe, ohne Rassismus” auf taz.de (4.1.2013)

“In dem Fall würde ich lügen“ auf zeit.de (25.12.2012)

“Lies das mal richtig” auf freitag.de (22.8.2012)

“Pippi Langstrumpf, Negerprinzessin und Übersetzungsproblem” (August 2011) und “Sprachbrocken 1/2013″ (Januar 2013) auf sprachlog.de

“Man muss nur reden mit den Kindern” (September 2012) bei Dr. Mutti

+++Edit 14.1.2013: Hier ein Kommentar dazu von Daniel Bax auf taz.de (13.1.2013)

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18 Kommentare

  1. Ela

    Hallo,

    dieser Kommentar passt jetzt nicht ganz zu diesem Artikel, aber ich habe den Artikel “Schluss mit Ende”, in dem es um das “Live-Umdichten” von Klassikern ging, nicht gefunden.

    Also hier kurz meine Anmerkung:

    Warum die Klassiker umdichten, nur weil ein nicht mehr Zeitgemäßes Rollenklischee/Weltbild aufgezeigt wird? Warum sollen Kinder nur ein Weltbild kennenlernen dürfen? Ich möchte mein Kind jetzt nicht zum Hausfrauchen erziehen, aber ich finde doch, dass ein Kind alle Facetten des Lebens kennen lernen sollte. Man kann drüber reden und mit den Jahren wird sich ein Kind sein eigenes Weltbild erstellen und danach leben wollen. Solange es damit andere nicht unterdrückt oder schadet, schadet es ihm nicht.

  2. Man sollte, und das haben ein paar ja hier in den Kommentaren schon gesagt, diese Kinderbücher als das sehen, was sie sind: als historische Bücher, die an verschiedenen Stellen nicht mehr “zeitgemäß” und daher erklärungsbedürftig sind. Niemand wird gezwungen, seinen Kindern alte erklärungsbedürftige Bücher vorzulesen – in den letzten Jahrzehntenn sind ja noch ein paar andere erschienen. Wer sie seinen Kindern vorlesen will, muss halt ein paar Stellen erläutern. Das ist die einfache Lösung für den Umgang mit “Negern” in diesen “Klassikern” und nicht das Umschreiben, Modernisieren oder an den Zeitgeist Anpassen. Ich bn zwar spät dran, habe aber inzwischen auch ein paar Gedanken dazu gebloggt: https://buggisch.wordpress.com/2013/01/26/der-negerkoenig-und-die-hosenmaler/

  3. Janina Weser

    Also ich denke, dass diese Form von Betitelung “anderer” Menschen nicht verschoenigt oder verniedlicht werden sollte. Aber ist ein solcher Begriff, wie er in Kinderbuechern vorkommt, nicht ein guter Anlass fuer die Aufklaerung unserer Kinder ueber den Respekt zu Menschen, die anders aussehen (oder sind) als sie selbst? Klar, dies setzt einen verantwortungsvollen Umgang der Eltern mit Literatur vorraus und aktive Eltern, die MIT ihren Kindern lesen oder zumindest den Inhalt von Literatur mit ihren Kindern diskutieren und kritisch hinterfragen. Doch ist es nicht so, dass gerade das Fremde, das Unbekannte, und vielleicht sogar auch das “Verbotene” die Dinge gerade interessant macht? Man kann Kinder leider nicht vor Rassismus schuetzen, sie werden ihn irgendwann am eigenen leibe erfahren (egal auf welcher “Seite” sie dann stehen). Sollten sie dann nicht Menschen sein, die damit umgehen koennen? Warum sie zu Menschen erziehen, die wegsehen oder etwas wegschweigen? Offenheit lehrt den richtigen Umgang, Diskussion lehrt was richtig ist und was nicht. Gleicht diese Diskussion nicht der in der katholischen Kirche ueber Verhuetung vs. Abstinenz? Verantwortungsvoller Umgang ist was wir wollen, nicht eine weitere Generation, der das Wegschauen und schweigen gelehrt wurde!

  4. angela bean

    ich seh das nicht so verbissen….mich würde interessieren was der Autor selbst dazu sagt ??? ich finde eibe zeitgemässe Überarbeitung völlig in Ordnung.würde mich aber auch nicht daran stören,wenn alles zu stehen bliebe….privat.im Kindergarten ,also beruflich,würde ich sicher die überarbeitete Variante vorlesen

  5. skyflake

    verleugnung deutscher kulturgeschichte

  6. ulrich

    Durchaus positiv. Richtungweisend. Lassen sich durch richtige Rhetorik , im richtigen Moment und Zusammenhang……möglicherweise ein besseres miteinander Auskommen und Da,- Zusammen….sein bewirken. Weg von Vorurteil , Verurteilung und Anerziehungen eines Antiquariats…
    Ich unterstütze diese Idee

  7. manu (मनु, xyZ)

    What’s the big deal..?

    Niggaz are crazy, or what?!

    Das is’ so verklemmt…
    Worte stehen doch immer in einem gewissen Kontext.
    Und der Kontext in dem Buch ist (soweit ich das beurteilen kann) ein naiver Hinweis, darauf, dass wir eben nicht alle gleich aussehen… / eine verniedlichende Referenz auf kulturelle und genetische Variation… und das ist bestimmt nicht schlimm. Wenn man die Worte raus streicht oder streichen lassen will, dann tut man eigentlich so, als ob es schlimm ist, anders zu sein.
    Diesen Kontext kann man seinen Kindern erklären, dann lernen sie mehr, als wenn man krampfhaft versucht das Fremde, Exotische, Ungewöhnliche oder Andersartige zu entschuldigen, zu übersehen und zu unterschlagen.

    Tun wir so, als wären wir alle gleich..!
    Löschen wir alle Worte, die Andersartigkeit bezeichnen….
    Wo führt das hin? ..? Muss der Hinweis auf Anderartigkeit unbedingt als peinlich empfunden werden?!
    Ist unsere Gesellschaft nicht schon verklemmt genug?
    Ist das nicht so, als würde man die Berührungsangst mit dem Fremdartigen unterstreichen, wenn man anfängt sämtliche Referenzen auf das Fremdartige zu zensieren?

    Natürlich haben Worte jeweils eine Geschichte…
    Und leider oft auch eine traurige Geschichte…
    Das Beste, was man meiner Ansicht nach machen kann, ist den Worten das immanent “Böse” zu nehmen… indem man sie bewusst ironisch aufnimmt und aus dem Kontext der Herabsetzung nimmt…

    http://www.youtube.com/watch?v=ZCDE-gWqIWQ

    Selbstverständlich ist es wichtig, dass man sich darüber im klaren ist, wie Worte definiert sind und wie sie verstanden werden können… und ich finde es auch wichtig, dass man über Sprache diskutiert… über Zensur würde ich aber nur dann nachdenken, wenn man Otfried Preußler wirklich rassistische Neigungen unterstellen oder nachsagen könnte.

    Je mehr man “böse Worte” man unterschlägt und zensiert, desto stärker wird ihre Schlagkraft… / desto negativer wirken sie, wenn sie dann im Alltag zur Herabsetzung verwendet werden.

    Wenn man sich schon weigert Worte im Kontext zu verstehen, wie will man dann noch Menschen im Kontext verstehen?

    Wollen wir wirklich eine geebnete Welt… Berührungen/ Reibung und Zusammenstöße vermeiden?.. Alle gleich sein?
    Wollen wir einen “entkoffeinierten Anderen”?

  8. Katrin Gerstner

    Die Zeit der eigenen Lektüre der “Kleinen Hexe” liegt bei mir schon etwas länger zurück und meine Kinder sind noch zu jung für die Geschichten (2 und 4), aber mir sind die genannten Wörter nicht mehr in Erinnerung, sondern vielmehr Geschichten von einer mutigen und Anteil nehmenden kleinen Hexe. Ich habe keine rassistischen Tendenzen entwickelt oder gar diese Worte in mein alltägliches Vokabular übernommen. Grund dafür war die Erziehung durch meine Eltern, die eine Welt offene Art an mich weitergegeben haben. Deshalb verstehe ich ehrlich gesagt die ganze Aufregung nicht: Sind wir nicht im Gespräch mit unseren Kindern über die Bücher, können wir nicht erklären, was man sagt oder nicht? Ich finde es eher fragwürdig, Jahrzehnte nach Erscheinen eines Buches, dieses anzupassen. Vielmehr sollten wir unseren Kindern eine Hellhörigkeit vermitteln, was diese sprachlichen Termini betrifft. Dann können sie selber anfangen zu denken und wenn sie in die Welt hinaus gehen, eine aufrechte anti-rassistische Haltung zeigen.

    • Andrea Czekanski

      Danke Katrin, Du hast mir aus der Seele gesprochen

    • Hallo Katrin,
      den gesamten erzieherischen Kontext in den Blick nehmen – das finde ich einen wichtigen Gedanken!
      Wer seinem Kind ansonsten Vorurteile, Klischees etc. vorlebt und vordenkt, bei dem ist es vielleicht auch schon wurscht, ob er ihm dann die “Kleine Hexe” in PC-Deutsch oder nicht vorliest – und umgekehrt!
      Schöne Grüße, Christian

    • angela bean

      Klasse Kommentar!!!

  9. Der Bremer Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch geht in seinem Blogeintrag http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-08-11/pippi-geh-von-bord
    ja am Beispiel Pippi Langstrumpf noch weiter: Das Problem sei gar nicht nur die diskriminierende Sprache, sondern die komplette Personenkonstellation, deshalb, so Stefanowitsch: “Pippis fünfzehn Minuten Ruhm dauern jetzt schon sechzig Jahre. Schicken wir sie doch einfach in den wohlverdienten Ruhestand.”
    Dann müssten wir ehrlicherweise einen ganzen Haufen Kinderbuchfiguren in den Ruhestand schicken…

  10. Im Zusammenhang mit Pippi Langstrumpf ist diese “Debatte” für mich als Vater einer Achtjährigen schon bald ein Klassiker.

    Ja, es ist kein leichtes Thema. Man kann es seinen Kindern schon beim Vorlesen erklären, sie hören Pippi oder die kleine Hexe ja schon lange, bevor sie lesen lernen. Wenn zu Hause klar ist, dass es hässliche Wörter gibt, deren Gebrauch man sein lassen sollte, und dass das heute nicht dieselben Wörter sind wie früher, hat das Kind schon viel gelernt, und kann später viele Klippen meistern. Für mich ist es dabei egal, ob das Wort “Neger” heißt oder “Arschloch”, “geil” oder “bohrt Ihr uns einen Esel?” “Versteckt” man die Wörter hier einfach, schiebt man das Problem nur auf – spätestens in Kindergarten und Grundschule holt sich das Kind sowieso alle bösen Wörter, und probiert sie auch aus, wenn es nicht gelernt hat damit umzugehen. Und wenn es bei Shakespeare ankommt, “der Mohr hat seine Schuldigkeit getan”, sagt keiner mehr etwas, denn bis dahin soll es den Umgang gelernt haben – woher?

    Andererseits gibt es natürlich Leseumgebungen, in denen Kinder unreflektiert vor das Material gesetzt werden, und sich dann selbst etwas dazu zusammenreimen sollen. Da ist es dann schon besser, wenn es zumindest kommentiert steht, wie Oetinger das beim “Negerkönig” gelöst hat. Aber das gilt für so vieles in der Welt der Buchstaben, wenn sie zu früh “Harry Potter” lesen und dann nicht einschlafen können genauso wie wenn sie ihr erstes Pornoheft in die schwitzigen Hände bekommen. Ging uns als jungen Menschen auch so, und hat uns, gestärkt durch reflektiertes Lesen, auch nicht geschadet. Lesen bildet, in der Summe geht diese Formel immer auf!

    • Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass menschenfeindliches Vokabular auf einer Ebene mit Schimpfwörtern oder pornografischer Sprache abgehandelt werden kann?

  11. Frau B.

    Sprachwandel geschieht andauernd und es hat moralisch und gesellschaftlich eine absolute Berechtigung, dass diskriminierende Betitelungen vermieden und ersetzt werden.
    ABER: Man darf gerade bezüglich dieses Themas nicht ignorieren, dass es diese Bezeichnungen gab. Ganz im Gegenteil! Aus Fehlern sollte man lernen und das tut man durch Reflexion.
    Meine Meinung: nicht ersetzen, sondern thematisieren, mit Kindern darüber reden, ihnen ein Bewusstsein für das eigene Vokabular vermitteln (Spasti, Schwuchtel und behindert gehört da heute auch unbedingt dazu!). Rassistische Beschimpfungen in Belletristik zu entfernen ist wie Geschichtsbücher umschreiben, weil man heute weiß, dass Hitler ein Arsch war.

  12. Christine Fuchs

    Ich habe gerade heute meiner Klasse die Geschichte von der Fastnacht bei der kleinen Hexe vorgelesen und bin dabei von diesen Wörtern überrascht worden. Spontan habe ich sie weggelassen oder durch zeitgemäßere Begriffe ersetzt – es hätte mich gestört, Negerlein u.a. zu lesen. Ich finde es gut, dass der Verlag die Bücher überarbeiten möchte.

  13. Georg Dowe

    Der Sprachwandel hat über die Jahrhunderte hinweg zu einem abwertenden Verständnis dieser Begriffe geführt. Möchte man ein zeitgemäßes Vokabular verwenden, ist eine Begriffsanpassung völlig legitim. Im Umkehrschluss allerdings daraus zu folgern, es handele sich um Rassismus in Kinderklassikern, ist sehr naiv.

  14. Meiner Meinung nach ist das Quatsch.Wir selbst sind es doch,die diese Begriffe negativ bewerten. “Ein Kind mit Migrationshintergrund” klingt in meinen Ohren nicht nach Poesie und die kleine Hexe ist so wie es geschrieben ist ein Meisterwerk.