Alles ist möglich?

Lassen sich Beruf und Familie nun vereinbaren oder nicht? Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern? Diskutieren Sie mit uns – heute Abend!

Susanne Garsoffky & Britta Sembach Foto: Gudrun Senger

Susanne Garsoffky & Britta Sembach Foto: Gudrun Senger

Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind ist der Titel des Buchs der Autorinnen Susanne Garsoffky und Britta Sembach (Pantheon 17,99 Euro). Wir haben vorab mit den Autorinnen über ihre Kernthesen gesprochen.

Was ist die „Alles ist Möglich-Lüge“? 

Das Buch „Die Alles ist möglich-Lüge“ beschreibt den unmöglichen Zustand, Familie und Beruf oder gar Karriere zur selben Zeit unter einen Hut bringen zu müssen. Das Buch ist eine Kritik an der Anforderung an junge Eltern, möglichst kurz aus dem Beruf auszusetzen, wenn die ersten Kinder kommen. Denn es ist eben NICHT möglich, genug Zeit für seine Liebsten zu haben und ununterbrochen an der Karriere zu basteln, ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Wir müssen Familien mehr Zeit im ganzen Lebensverlauf einräumen, um je nach Lebensphase den unterschiedlichen Anforderungen in Familie und Beruf gerecht werden zu können.

Welches sind die wichtigsten Gründe, aus denen Familie und Beruf Ihrer Meinung nach nicht vereinbar sind?
Der wichtigste Grund ist, dass Familie und Beruf zwei total unterschiedliche Lebensbereiche sind, die von den Menschen dasselbe wollen: Ungeteilte Aufmerksamkeit und totale Verfügbarkeit – das kann nicht klappen. Es sind zwei Lebensbereiche, die sich einfach nur addieren. Beide verlangen hohe Konzentration und Hingabe – das führt fast zwangsläufig zu Überlastung. Weitere Gründe: Unflexible Arbeitgeber, die Flexibilität nur an den betrieblichen Interessen und nicht an den Bedürfnissen und Zwängen ihrer Mitarbeiter ausrichten. Eine immer noch vorherrschende Präsenzkultur in den Unternehmen, die alternative Arbeitszeitmodelle nur sehr zögerlich – wenn überhaupt – umsetzt. Eine Arbeitskultur, die es vor allem Männern noch sehr schwer macht, sich Zeit für die Kinder zu nehmen. Und die jeden, der das wagt, gnadenlos abstempelt und aussortiert. Teilzeitjobs, die zur Sackgasse werden, weil es (noch) kein Rückkehrrrecht auf Vollzeit gibt usw. usw.

Was müsste sich dringend ändern?
Der Wechsel zwischen Zeit für die Familie und für den Beruf muss einfach und selbstverständlich werden. Dafür muss niemand ganz zu Hause bleiben – aber immer mal wieder Zeit investieren in die Familie sollten er oder sie schon können. Sozial abgesichert und ohne berufliche Nachteile. Wir müssen anerkennen, dass die Zeit, die Menschen für Fürsorge aufwenden, keine verschwendete und nutzlose Zeit ist, sondern genauso wertvoll wie bezahlte Arbeit. Und sie führt mitnichten zum Verlust sämtlicher beruflicher Qualifikationen. Wir müssen weg von der kontinuierlichen Erwerbsbiografie und diese als alleinige Norm sehen. Vielmehr müssen wir die Übergänge zwischen den verschiedenen Phasen intelligent gestalten und absichern. Wir müssen länger arbeiten dürfen, wenn wir das wollen, damit wir in der Rush-Hour des Lebens so reduzieren können, dass wir Zeit für unsere Familien haben. Teilzeit muss Chance nicht Falle sein, auch in Führungspositionen muss sie selbstverständlich werden. Karriere in Teilzeit oder späte Karrieren müssen möglich werden.

Haben Sie noch Hoffnung?
Natürlich haben wir Hoffnung – aber es ist noch viel zu tun! Wir haben jahrzehntelang Möglichkeiten ausgelassen, die Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern substantiell zu verbessern, wir sollten endlich damit anfangen! Dazu gehört weit mehr, als nur der Ausbau der Kleinkindbetreuung. Dazu gehört vor allem, Familien als wichtige Säulen in dieser Gesellschaft anzuerkennen. Und alles, wirklich alles, dafür zu tun, dass es ihnen gut geht.

 

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22 Kommentare

  1. Janine

    So wahr, wie es die Wahrheit nun mal ist. Ich bin 29 Jahre alt, mittlerweile Mutter von bald 2 Söhnen mit abgeschlossenem Master und noch nicht wahrgenommenem Angebot zur Promotion und Herkunft aus den neuen Bundesländern, in denen man stolz darauf ist, dass in manchen Landkreisen 60% der unter 3 jährigen eine Ganztagsbetreuung erhalten. An diesem Ideal „Ich muss es doch schaffen neben dem Kleinkind zu promovieren, ein stabiles Familienleben aufbauen, den Haushalt zu schmeißen etc….“ bin ich fast zerbrochen, die Beziehung auf jeden Fall. Es dauerte eine Weile bis ich merkte, dass dieses propagierte neue Ideal der Super-Mutter trotz meiner guten Ausbildung und meiner Leidenschaft für meine wissenschaftliche Disziplin nicht mein Ideal sein kann – und teilweise fällt es mir noch immer schwer dies zu akzeptieren. Mit dem Blick auf die Vergangenheit in den Vorzeigebetreuungslaendern zeigt sich doch eine Parallele vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Interessen, die die Mutter als Arbeitskraft benötigt und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Kinder reduziert. Niemals hätte ich als moderne, junge Akademikerin gedacht einmal solche, anscheinend verstaubten Ansichten zu vertreten – bis ich Mutter wurde.

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  3. Pingback: Wer definiert eigentlich, was Karriere ist? | Lieblingsclutch

  4. Hanne Kerstin Götze

    Vielen Dank für dieses Buch. Es wird Zeit, dass sich die Stimmen mehren, die spüren, dass (kleine) Kinder zu haben und Beruftätigkeit/Karriere zwei Paar Stiefel sind, und dass sowohl Kinder als auch Mütter schaden nehmen können. Ich habe das in meinem Buch aus der Perspektive der DDR und der neuen Bundesländer beschrieben.

    Hanne K. Götze
    Kinder brauchen Mütter
    Ares Verlag Graz, 2011

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  6. Pingback: Vereinbarkeit von Familie und Beruf | MamaDenkt.de

  7. Wenn ich nicht angeboten hätte, dass ich auch flexibel nachmittags, oder abends bis 19h meine 30 Wochenstunden verteilen würde, hätte ich meinen Job (mit Öffnungszeiten/Publikumsverkehr) sehr wahrscheinlich nicht bekommen.
    Das Thema Arbeit und Familie ist immer spannend, weil jeder es anders löst und auch andere Möglichkeiten hat ( Omas, Opas, Kitaöffnungszeiten etc. ). Ich freue mich auf einen spannenden Abend.
    Persönlich denke, dass man es schon wohl vereinbaren kann, allerdings auch dafür auch Abstriche machen muss, wo jeder für sich überlegen muss, ist es das Wert, oder soll ich doch lieber weniger Stunden arbeiten ( mal abgesehen von dem lieben Geld )
    Das andere komische Blicke werfen, da muss man dann vielleicht auch einfach versuchen drüber zu stehen, was sicher nicht immer schön oder einfach ist.

  8. IGO

    Das wird alles solange so bleiben, wie nur die Frauen Kinder bekommen .

    Es sei denn, es gelänge, in jedem Jahrgang freiwillige Frauen zu rekrutieren, die gern (viele) Kinder bekommen und dafür vom Staat ein ordentliches Gehalt kriegen würden.

    Dann hätten wir insgesamt genug Kinder und Nicht-Kinder-Frauen könnten Karriere machen.

    Wenn man dann noch ‚Mehrgenerationen-Dörfer‘ planen und bauen könnte –

    wär gar nicht so schlecht – oder??

    Ich selbst habe übrigens Kinder + Beruf. (Hinter mir!)

    Ingeborg Gollwitzer

  9. Pingback: Alles quatsch | Die Vereinbarkeitslüge

  10. Frau P.

    Alles eine Frage der Prioritäten.
    Was will ich? Wie will ich es? Wann? Wo? Warum?

    Kinder großziehen ist eine ebenso bedeutsame Arbeit (wofür bezahlen wir denn unsere Erzieher, Lehrer, Kinderpfleger usw.?), wie die, die täglich im Büro auf uns wartet. Da wir uns in den lezten Jahren rasant vermehrt haben, gibt es Arbeitskräfte im Überfluss, während die Spitzenpositionen dünn gesät sind.

    Sicher ist also nur eines: die meisten von uns sind ersetzbar und die wenigsten hören das gerne.

    Im Kontrast dazu steht natürlich das Familienleben. Mama und Papa kann keiner ersetzen, egal wie viele Fortbildungen besucht wurden oder wie gut der Betreuungsschlüssel ist.

    Für mich war also von Anfang an klar, dass es sich nicht lohnen würde den Gipfel einer Büroabteilung zu erklimmen, während unter mir permanent 4 Kollegen auf meine Position lauern und bereits die Tage bis zum Mutterschutz zählen.
    Wozu auch? Um es bis ganz nach oben zu schaffen, genügt es bei weitem nicht „Vollzeit“ zu arbeiten. Da muss schon eine 70-Stunden Woche bezwungen werden.

    Natürlich schafft man das. Auch als Mutter. Nur von siener Familie hat man dann nicht mehr viel.

    Wie gesagt: es ist alles eine Frage der persönlichen Zielsetzung.
    Wie viel Zeit brauche ich für mich?
    Wann und wie oft brauchen mich meine Kinder?
    Bedeutet mehr Geld auch mehr Lebensqualität?
    Kann ich mich mit meiner Arbeit identifizieren?
    Wie kompatibel ist mein Job und mein Familienleben?
    Wie wichtig ist mir meine Karriere?
    Wie wichtig ist das, was ich tue?
    Bin ich mit meinem jetzigen Aufgabenfeld zufrieden? Und wenn nicht, bringt mich dieser Job wenigstens langfristig in eine gewünschte Position?

    Idealerweise klärt man diese Fragen erst mal für sich, dann gemeinsam mit dem Partner und entscheidet anschließed gemeinsam, ob man überhaupt Zeit für ein Kind hat.

    Ich bin schon nach meinem ersten Kind und 3 Jahren Elternzeit, nicht mehr an meinen alten Arbeitsplatz zurückgekehrt, sondern habe mich direkt im Anschluss selbstständig gemacht und halte es inzwischen wie Herr Lagerfeld: „Urlaub ist für Angestellte! Wenn ich den Krieg in Stalingrad überlebt hätte, bräuchte ich vielleicht Urlaub. Oder wenn ich jeden Tag in die Fabrik gehen müsste. Am Fließband stehen, das ist Arbeit. Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund.“

  11. Darf man sich auch mal als Papa in einer Familie mit zwei voll berufstätigen Eltern (netterweise auch noch mit Arbeitsplätzen in Bonn und Madrid) zu Wort melden? Die Sparte in meinem Blog, wo ich mich zu dieser Thematik auslasse beschreibe ich dort ganz einfach mit: „Über die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie soll es hier gehen (nota bene, Aussagesatz, kein Diskussionspunkt). Wenig Zeit, doch eigentlich viel zu sagen.“ Das ist natürlich ironisch gebrochen, weil wir Eltern es dennoch machen. Aber dennoch… Bin gespannt auf die Diskussion am 16.10., die dankenswerterweise kinder- und elternfreundlich auf die genannten Uhrzeit gelegt worden ist.

  12. Angela Heinssen

    Die freie Entscheidung für Zeit mit der Familie und Erfüllung (und Verdienst!) im Beruf ist ganz maßgeblich oft eine Kostenfrage. Gut gelöst in Hamburg mit einer gebührenfreien Kita. Aber in vielen Kommunen mehreren sich jetzt die Klagen und Petitionen gegen plötzliche und unzumutbare Erhöhungen der Gebühren. Durch die Hintertür wird durch zu hohe Gebühren der eben in Kraft getretene Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bewußt boykottiert.

    Das ist besonders tragisch in der Kindertagespflege. Hier kennen viele Kommunen keinerlei Respekt vor den Familien und verlangen trotz erheblicher Landeszuschüsse monatlich Elternbeiträge für einen Ganztagsplatz die durchaus bei fast 700 Euro liegen. Rechnet man die privaten Zuschüsse hinzu kostet die Betreuung eines Kindes in der Kindertagspflege schnell fast 1.000 Euro. Dabei kann eine wirklich qualifizierte Tagespflege mit gut bezahlten Tageseltern vor allem in der ersten Zeit die Flexibilität und Verlässlichkeit bieten, die Frauen den Wiedereinstieg ermöglicht. Wie sich Eltern und Tagsmütter dagegen wehren ist nachzulesen unter: https://www.change.org/p/landrat-oliver-stolz-bitte-%C3%A4ndern-sie-die-kindertagespflegesatzung-sofort/u/8381769

  13. Manu

    Ich frage mich in dem Zusammenhang gerade, was mit Karriere gemeint ist. Die klassische hoch-hinaus-Karriere? oder schon „ganz normal arbeiten gehen“?
    Ist das wirklich immer so ein furchtbares Gezacker und ganz unglaublich schlimm, Familie und arbeiten gehen hinzukriegen? Oder ist das eine Möglichkeit, sich vielleicht auch ein bisschen „rauszureden“ mit den bösen Arbeitgebern, die so unflexibel sind?
    Die meisten Leute haben doch eher die „Normalo-Jobs“. Und von den Normalos, die ich kenne, kriegen es die meisten hin, Familie und Beruf halbwegs in dem Ausmaß zu vereinbaren, wie sie das möchten. WENN sie eine passende Kinderbetreuung haben (insofern kann man die leider nicht oft genug einfordern). Und kein Vater, mit dem ich mich unterhalte, rechtfertigt sich dafür, dass er Vollzeit arbeiten geht. Die Mütter debattieren sich derweil beim Thema „Familie oder Job“ um Kopf und Kragen :-).
    Wieso sagt man nicht einfach „ich find Familie grad so toll, ich will eben lieber dort sein als auf der Arbeit“. Dafür nimmt man eben in Kauf, dass die sog. Karriere ruht oder nicht mehr so wichtig ist – und vielleicht der Wiedereinstieg nicht per rotem Teppich läuft. Und die, die eben früher wieder arbeiten gehen oder „mehr“ arbeiten, dürfen doch auch einfach zugeben, dass sie gern arbeiten und müssen deshalb kein schlechtes Gewissen haben, weil die Kinder länger woanders betreut sind. Zufriedene Eltern haben zufriedene Kinder, heißt es doch immer…

    • Simone

      Manu, haben Sie Kinder?

      Manche Dinge kann man erst wirklich einschätzen, wenn man sie selbst erlebt hat. Dazu gehört Mutterschaft und Vaterschaft.

      Als „Familienfrau“ (ich hasse die Wortkreation „Hausfrau und Mutter“) braucht man in der heutigen Zeit ein dickes Fell, wenn man seine Priorität auf die liebevolle Begleitung und Fürsorge von Kindern legt. Es ist bei weitem nicht so, dass die Gesellschaft es ohne missbilligende Blicke und Kommentare toleriert, wenn man dem politischen Druck nicht nachgibt, seine Kinder so schnell wie möglich fremdbetreuen zu lassen.

      Ich lese gerade das o.g. Buch. Die Autorinnen vermissen genau diese Toleranz ggü. verschiedenen Lebensentwürfen. Sie sprechen mir aus der Seele, weil endlich jemand auf sachlichem Niveau wertschätzt, was alle Familienfrauen leisten.

      Natürlich ist es möglich, beides zu vereinbaren, aber selten ohne schlechtes Gewissen und nie, ohne das jemand den Preis dafür zahlt: Kinder, Mütter und Väter.

  14. Gesine Halligan

    Ich bin der Meinung, dass man beides vereinbaren kann. Dazu gehören mehrere Dinge. Am wichtigsten ist Flexibilität – und zwar auf beiden Seiten. Der Arbeitgeber sollte das Home Office erlauben und auch bereit sein, mal während der Kernarbeitszeit für ein paar Stunden auf den Mitarbeiter zu verzichten, wenn der erste Schultag, ein Arztbesuche oder Weihnachtsfeier im Kindergarten anstehen. Oder eben auch für ein Zeitfenster ganz für sich – Tanzkurs zur Mittagszeit, Yoga am Vormittag. Genauso muss der Arbeitnehmer flexibel sein – wieder einloggen, wenn das Abendessen gegessen ist und die Kinder im Bett sind. Auch mal einen Tag länger arbeiten – dafür kann man dann an einem anderen Tag Einkauf, Haushalt und Kinder in den Vordergrund stellen. Es ist wie an Bankkonto – mal hebt man mehr ab, mal zahlt man mehr ein. Man muss daran glauben, dass es am Ende ausgeglichen ist. Und dann kann das klappen. Aber es gehören 2 dazu – Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

    • Anja

      Das sehe ich auch so. Aber ich denke, davon sind wir noch sehr weit entfernt. Wenn ich an meinen Arbeitgaber denke, muss da noch sehr viel getan werden. Vorallem ein Umdenken und auch ein Vertrauen gehört dazu.

    • Vielen Dank für diesen guten Kommentar! Ich sehe es ganz genauso. Ich habe zwei Kinder, in Schule und Kindergarten, habe einen 40-50 Stunden Job mit Verantwortung, schreibe einen Blog und meine Doktorarbeit. Klar, ich bin oft fix und alle, vergesse auch mal den Kuchen für die Kita und man meint, man selbst kommt viel zu kurz. Man macht aber all das für sich selbst: die Kinder, den Job und die Hobbies. Man hat die Wahl. Das sollte man sich immer vor Augen halten. Als ich mit meinem damals neuen Job vor zwei Jahren anfing, war dort nicht an Heimarbeit und flexible Zeiten zu denken. Ich habe meine Wünsche und Forderungen zusammen mit meinem Angebot auf den Tisch gelegt – und es hat geklappt. Wenn man dem Arbeitgeber deutlich machen kann, dass er sich auf Zusagen verlassen kann, kann das Modell Familie und Karriere funktionieren. Ich liebe meine Kinder – und meinen Job. Ich will und muss auf nichts verzichten!

  15. Anja

    Sehr interessantes Thema. Ich finde, dass die Arbeitgaber einfach flexibler und auch verständnissvoller werden müssen.
    Ich habe meine Tochter mit 27 bekommen und gerade an meiner Karriere gebastelt. Die war dann schlagartig vorbei. Ich durfte noch meinen männlichen Kollegen einarbeiten. Ich war 1 Jahr zu Hause und bin nicht mehr auf meine alte Position gekommen, da kein Bedarf mehr war. Ich mußte wieder ganz von vorne anfangen und außer ein „Wow, die hat sich schnell wieder eingearbeitet, als ob sie gar nicht weg war“ war eben nicht drin.
    Alle internen Bewerbungen haben nicht gefruchtet.
    Und nun bin ich wieder dabei an der Karriere zu basteln. Was passiert? Ich bin schwanger und meine Vertretung (wieder männlich) bekommt die schönen Sonderaufgaben, die Rosinen sozusagen.
    Ich finde es sehr schade, dass da (vielleicht auch unbewußt oder eben aus Angst) so reagiert wird. Wie die Autorinnen schon sagten, man ist ja nicht weniger wert, nur weil man Mutter (oder schwanger) ist.
    Ich wäre froh, wenn dass die Arbeitgeber auch erkennen würden. Aber ich denke bis dahin ist es noch ein langer Weg.
    Ich arbeite übrigens Vollzeit, aber so gesehen macht es für mich Karrieretechnisch keinen Unterschied.

  16. Ursula

    Familie und Beruf sind kein Gegensatz, sondern gehören zum Leben dazu. Es sollte „normal“ sein, dass Kinder in einer Welt aufwachsen , in der Mutter und Vater gleichberechtigt zum Familieneinkommen beitragen , aber auch gleichberechtigt Familienpflichten wahrnehmen. Wir Eltern sind Vorbilder für unsere Kinder und Kinder müssen auch lernen, dass die Erwerbstätigkeit beider Elternteile zum Familienleben dazu gehört. „Geteilt“ oder „Ungeteilt“, was sind das für Begrifflichkeiten? Dass würde ja bedeuten, dass ein Vater , der „nur“ arbeitet, seinen Kindern stets „nur“ geteilte Aufmerksamkeit geben kann. Und eine Mutter, die „nur“ Hausfrau und Mutter ist, zu sonst gar nichts ausser Kindererziehung und Haushalt taugt, nur weil sie nur dann darin „gut“ ist, wenn sie sich dieser Aufgabe „ungteilt“ widmet. Reine Theorie. Für die generelle Vereinbarkeit von Familie und Beruf (nicht Karriere!) für alle, die Kinder erziehen, muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen und die Unternehmenskultur weitere Fortschritte machen. Was aber noch viel wichtiger ist: Eltern bzw Mütter müssen endlich damit aufhören, sich und ihre Lebensmodelle gegenseitig schlecht zu reden und sich stattdessen unterstützen und voneinander das Beste abschauen.

  17. Christine Hitz-Gaggl

    Danke! Wie lange habe ich mich als Mutter als „wertloses“ Teilchen der erwerbstätigen Gesellschaft betrachtet. Meine Kinder sind meine größte Liebe, vom ersten Tag an bis in alle Ewigkeit. Ich war beruflich nicht wirklich etabliert und als ich mit 27 meine erste Tochter bekam war ich froh dieses Glück erfahren zu dürfen. 2 1/2 Jahre später kam unsere zweite Tochter. Wir entschieden uns dafür, dass ich zuhause bleibe. Abgesehen von dem finanziellen Mehraufwand, mein Mann war und ist immer noch Alleinverdiener, wurde ich mehr und mehr aus der erwerbstätigen Gesellschaft „ausgesondert“. Fragen wie, wann wirst du wieder arbeiten standen an der Tagesordnung. Wieder arbeiten? dachte ich mir, ich hatte nie das Gefühl der Unterbeschäftigung mit zwei Kindern. Fragen wie diese verinnerlichen sich und das Resultat ist, dass man seiner so wertvollen Arbeit selber den Wert abspricht. Aussagen, wie „ich bin ja nur Hausfrau“ werden Realität. Heute stehe ich kurz vor dem Abschluss meines Studiums der Erziehungswissenschaften, ich habe neben den Kindern die Ausbildung zur Ernährungstrainerin gemacht und ein Projekt zur Förderung sozialer Kompetenzen durch Ernährung gestartet. Im nächsten Jahr werde ich ins Berufsleben zurückkehren. Mein Töchter sind nun 16 und 13, sie brauchen immer eine verständnisvolle Begleitung, die ich hoffe immer sein zu können. Ich freue mich auf diesen neuen Abschnitt in meinem Leben. Ohne die Zeit mit den Kindern hätte ich mich wahrscheinlich nicht in dieser Form weiterentwickeln können. Danke!

  18. Ute Kowitz

    Endlich spricht mir jemand aus der Seele. Es geht nicht primär um den Kita-Ausbau, was aber in der Politik immer an vorderster Stelle steht. Ich arbeite 17h in der Woche, verteilt auf 3 Tage. Hätte ich nicht einen so entspannten Chef, wäre ich auch in der typisch-Teilzeit-Hetze.
    Mir geht es darum, dass sich die Personaler endlich mal entscheiden müssen, ob sie qualifizierte Fachkräfte in Form von Müttern mit Kinder wiederhaben wollen oder nicht. Und dies geht meiner Meinung nur, indem man sich von der oben beschriebenen „Präsenzkultur“ verabschiedet und viel häufiger, wie z.B. in unserem Nachbarland Dänemark, Homeoffice zulässt. Dann könnte man als Mutter übrigens auch wenn das Kind mal krank ist von zu Hause arbeiten.

  19. Ich habe verschiedene Erfahrungen gemacht. Ich war erst 24, als ich mein erstes Kind bekam (das war 2004), hatte davor eine Ausbildung absolviert, war verheiratet und alles hat gepasst. Zwei Jahre später habe ich unsere zweite Tochter bekommen. An einen Wiedereinstieg ins Berufsleben war nicht zu denken, da die Betreuungskosten damals so hoch gewesen wären, dass mein gesamtes Gehalt dafür drauf gegangen wäre. Daher habe ich dann die Kinder lieber selbst betreut. Als die Kleine dann auch im Kindergarten war, bin ich in Teilzeit wieder eingestiegen. In jedem Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, was ist, wenn die Kinder krank sind. Was soll die Frage? Wenn die Kinder krank sind, muss ein Elternteil zu Hause bleiben. Ich hatte Kolleginnen, die waren kinderlos, aber ständig krank. Ich mit meinen Kindern hab in einem Jahr vielleicht 4 Tage gefehlt. Was mich besonders gestört hat an Bewerbungsgesprächen, dass immer nur ich als Frau gefragt wurde, wie die Kinderbetreuung geregelt ist. Mein Mann wurde danach in keinem Vorstellungsgespräch gefragt.

    Ich bin auch der Meinung, dass eine „späte“ Karierre möglich sein muss. Ich habe nun, da die Kinder größer sind, angefangen zu studieren und möchte mich auch beruflich noch voll ausleben. Ich bin gespannt, wo ich in fünf Jahren stehe – mein Studium der Wirtschaftsinformatik dauert noch 2 Jahre.

    Ich finde also, dass sich die Einstellung derer ändern muss, die Einstellungen entscheiden, dass sie bei einem Wiedereinstieg einem die Chance geben, zu beweisen, dass man es schaffen kann mit der Betreuung. Aber auch im Gegenzug, dass man nicht kritisiert wird, wenn man wegen der Kinder mal zu Hause bleiben muss.

    Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft und Eltern sollten bei deren Erziehung unterstützt werden mit Betreuungszuschüssen des Arbeitgebers, aber auch mit viel Verständnis und der Möglichkeit flexibel zu arbeiten – an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten. Daran muss sich noch so einiges ändern.

    Und auch die Väter sollen die Möglichkeit haben, Elternzeit zu nehmen. In den großen Firmen ist es mittlerweile möglich, dies zu tun, aber in mittleren und kleinen Firmen kämpfen manche Väter auch hier gegen Windmühlen. In dieser Hinsicht muss sich auch noch viel ändern.