Einfach mal helfen!

Anderen Menschen helfen, eine Aufgabe übernehmen, jemanden unterstützen – in der Theorie eine tolle Idee, aber wer rafft sich schon auf, wirklich zuzupacken, wenn andere Hilfe brauchen?

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Carola Ferch aus Hamburg hat es gemacht. Sie ist Bloggerin bei Frische Brise, Mutter von vier Kindern (15, 6, 5 und 1) und Erzieherin in Elternzeit – eigentlich ist sie also gut mit ihrem eigenen Alltag beschäftigt. Dennoch ist sie einem Aufruf der Deutschen Direkthilfe gefolgt und kümmert sich nun um das vier Wochen alte Baby einer ihr unbekannten, schwer erkrankten Frau. Ferch geht mit dem Kind spazieren und überbrückt die Zeit, in der die Mutter nicht für das Kind da sein kann.

Wie haben Sie von der kranken Mutter erfahren?

Carola Ferch: Auf Twitter stieß ich auf den Hilferuf der Deutschen Direkthilfe – ich las ihn und scrollte weiter. Fortan wollten die Worte „Hamburg“ und „Baby“ irgendwie nicht mehr aus meinem Kopf. Ich hatte über das Schicksal einer kranken Mutter gelesen, jetzt ging es mich was an. Ich bin von Haus aus ein hilfsbereiter Mensch. Wenn ich mit meinen Möglichkeiten helfen kann, bin ich dabei. Ich überschlug kurz unsere Ressourcen – Platz, Zeit und Erfahrung, schrieb die Deutsche Direkthilfe an und bat um weitere Informationen. Ungefähr eine Stunde später kam eine lange Mail mit näheren Angaben zu Mutter und Kind.

Wie haben Ihr Mann und Ihre Kinder auf den Vorschlag reagiert?

Ferch: Ich habe es gar nicht zur Diskussion gestellt. Mein Mann kennt mich schon und ließ mich gewähren. Erst am nächsten Tag gestand er mir, dass er skeptisch war, aber mich für meinen spontanen Einsatz bewundert. Das war ein sehr schönes Kompliment von ihm. Die Kinder freuten sich und waren sehr gespannt auf meine neue Aufgabe.

Was denken ihre Freunde und Bekannten?

Ferch: Viele waren skeptisch: „Übernimmst Du Dich nicht?“ – „Du kennst die doch gar nicht!“ – „Das sind doch fremde Leute.“. Ich glaube aber fest daran, dass man nur durch Vorbild die Gesellschaft ändern kann. Jeder möchte gerne Hilfe bekommen, wenn er sie benötigt. Dafür muss man aber auch bereit sein zu geben. Aus dem Netz erhielt ich viel Zuspruch: bereits nach meinen kurzen Sätzen über das Vorhaben in meinem Blog haben sich ein paar Leserinnen bei mir gemeldet, die auch gerne helfen würden, aber nicht wussten, wie. Das ist für mich auch ein Ansporn, weiter meinen Weg zu gehen.

Mussten Sie bestimmte Kriterien erfüllen oder sich bewerben, um die Aufgabe übernehmen zu können?

Ferch: Ich kann nur von diesem speziellen Fall berichten. Ich habe in einer Email von mir erzählt, dass ich vier Kinder habe und ausgebildete Erzieherin bin. Das passte sehr gut zum Fall und so wurden wir einig. Ich gab meine Telefonnummer weiter und wurde am nächsten Tag von der Hebamme der jungen Mutter angerufen.

Wie kann man sich ihren neuen Alltag mit der Betreuung eines weiteren Kindes vorstellen?

Ferch: Nachdem ich meine kleineren Kinder in den Kindergarten und in die Schule gebracht habe, fahre ich mit meinem Jüngsten mit dem Bus oder dem Fahrrad zum Krankenhaus, in dem die junge Mutter während ihrer Therapie stationär betreut wird. Ich bleibe ca. 2 bis 3 Stunden, unterhalte mich mit der Frau und gehe mit dem Baby an die frische Luft. Dafür habe ich mir extra nochmal eine Tragehilfe zugelegt, damit ich entweder das Baby oder mein Kind tragen kann. Gegen Mittag fahre ich wieder nach Hause. Meine Kinder haben das Baby noch nicht gesehen.

Was wird nach den vier Wochen passieren?

Ferch:. Ich hoffe natürlich, dass die Mutter wieder ganz gesund wird. Ob sich ein längerer Kontakt anbahnt, weiß ich jetzt noch nicht.

 

Caroline Heinemann
Über die Autorin:
Caroline Heinemann ist Praktikantin in der Textredaktion von Nido. Als Kind hatte sie Angst vorm Nachbarskind und Durchfall – heute vertreibt sie Wölfe, Riesen und Bockflöhe aus dem Zimmer ihrer Kinder.

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