Geheime Botschaft

Ein Plakat, das sich an Kinder richtet – nur sie können dieses Bild und die Telefonnummer sehen.

Kinder, die misshandelt werden, haben selten den Mut, sich Hilfe zu holen – oft wissen sie nicht mal, an wen sie sich wenden sollen. Als ich dieses Video gesehen habe, das bei Gizmodo verlinkt ist, habe ich gehofft, dass Kinder, die sich angesprochen fühlen, tapfer genug sind, die Nummer zu wählen, die auf den Plakaten erscheint. Nur sie können die Nummer sehen, und nur sie sehen dieses Bild – Erwachsene bekommen einen anderen Hinweis. Sehr berührend und sehr wichtig: Das muss es überall geben:

Sophie Servaes
Über die Autorin:
Sophie Servaes war bis März 2014 Leiterin von Nido.de. Sie twittert hier.

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28 Kommentare

  1. Ephi

    Ich habe als Kind selbst häusliche Gewalt erlebt und war erst als Teenager soweit meine Verzweiflung und auch meine Wut nicht mehr gegen mich selbst zu richten, sondern zu handeln.

    Die Idee finde ich gut, allerdings würden die Plakate wohl in Schulen oder Jugendzentren mehr Sinn machen, zumal die Kinder ja wie gesagt nicht wissen, dass der Erwachsene die Botschaft nich sehen kann.

    Es wäre schön zu erfahren, ob in einem Jahr die Resultate dieser Hilfsaktion veröffentlicht werden. Bis dahin sehe ich die Sache so: Wenn diese Plakate und die Menschen die hinter ihnen stehen auch nur einem Kind aus seinem Leid heraushelfen können, dann hat sich die Sache schon gelohnt!

    • Tara Sachs

      Ich auch, Und ich war auf einer Kinderfreizeit, wo die Betreuerin merkte, dass etwas nicht stimmt. Sie schrieb mir einen Brief Und bot mir Hilfe an, aber ich traute mich nicht, hinzugehen (ich war ca.10). Ich war hin Und hergerissen, wollte nicht „petzen“..
      Meine Mutter fand den Brief, und liess ihn verschwinden.
      Danach wurden die Aggressionen schlimmer, Und im alter von 14,15 flüchtete ich mich in Parties, Kiffen, um alles zu ertragen.
      Schliesslich landete ich mit meiner Mutter im Jugendamt, und wisst Ihr, was der Sachbearbeiter sagte? Er meinte: „Wenn ich sein Kind wäre, würde er mich auch schlagen.“
      Das war also die „Hilfe“, die ich bekam. Mein Vertrauen in die Ämter hält sich in Grenzen.
      Ich sprach dann einen anderen Mitarbeiter des Jugendamtes an: er sagte “ ja, Dein Betreuer ist halt schon etwas älter. Das ist ne andere Generation, da kann man nichts machen“
      Alles, was ich wollte, war raus aus der Familie, weg vom prügelnden Vater. Aber weder Jugendamt noch ProFamilia haben auch nur einen Finger gerührt. Meine Mutter hat meinen Vater immer gedeckt, und behauptet, ich erfinde das alles. Ich habe als Kind keinerlei Hilfe bekommen, war anscheinend nicht glaubwürdig.
      Ich bereue, dass ich mich der Betreuerin der Jugendfreizeit nicht anvertraute. Wer weiss, was mir erspart geblieben wäre, hätte ich damals mit ihr gesprochen.

  2. lotta

    Dieser Spot ist so merkwürdig inszeniert. Er wirkt wie ein BBC- Werbefilm… Irgendwie unglaubwürdig.

  3. Mone

    Wie soll ich dieses Bild eines misshandelten Kindes meinen kleinen Sohn erklären, wenn ich es nicht sehe, was er sieht! Ich möchte nicht, dass mein Kind mit so Bildern in seiner normalen Umgebung aufwächst und dem ausgeliefert ist. Da kann ich meinen 2jährigen Sohn gleich vor die Tagesschau setzen. Ich finde die Art von „Hilfe“ keine Hilfe, wenn kleine Kinder mit so Bildern eingeschüchtert werden und die Eltern dann nicht mal wissen, was es gesehen hat. Vom Ansatz gut, aber noch lange nicht durchdacht!

    • lotta

      Ja, ich finde, das dieser Aspekt bei der Idee nicht annähernd durchdacht wurde….Was ist mit Kindern, die keine Gewalt erleben, nicht lesen können und einen verletztem und misshandelten Jungen per Anzeige begegnen? Und wir, die Erwachsenen sehen das nicht…?

    • Ephi

      Ach ihr zweijähriger Sohn kann schon im Vorbeigehen lesen? 😀 Das Kind auf dem Bild sieht zwar ängstlich, aber ganz normal aus. Und ich finde Kindergartenkindern kann man durchaus erklären, dass es nicht nur nette und freundliche Menschen gibt, sondern durchaus auch gemeine und sogar bösartige. Ich denke das Plakat wurde hauptsächlich für Schulkinder ab er ersten Klasse entworfen und spätestens da sollte ein Kind ja wissen, dass es z.B. nicht mit fremden Leuten spricht, mitgeht etc. – warum also die Aufregung?

    • Ephi

      Ach ja und zu dem „verletzten Kind“ – ein Kind das die Treppe runter fällt sieht auch so aus.

  4. Lulu

    Mich gruselt es eher.
    Wer kontrolliert solche Aktionen..wer steckt dahinter, warum die fehlende Transparenz? Menschen die Kinder „lieben“, suchen unglückliche Kinder, dass muss uns klar sein:
    (Buchempfehlung: Es geschieht am helllichten Tag von M.Karremann)

    Mal angenommen mein o.g. Einwand ist aus der Luft gegriffen.. Welche Möglichkeiten haben diese Aktivisten, auch rechtlich, Kinder zu „retten“, nicht dass dort etwas versprochen wird, das dann nicht eingehalten werden kann.

  5. Martel

    Dieses Konzept ist auch sehr gut für Webung anderer Art geeignet! Da fängt es dann an echt Gruselig zu werden…. Warum will mein Kind umbedingt zum Großen M, hier war doch nirgendwo eine Werbung…

  6. Maire

    ein Plakat, das von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gesehen werden kann, hilft doch aber genau so gut oder auch schlecht. Verstehe nicht so ganz, weshalb ein Plakat mit Wackelbild-Effekt mehr helfen sollte?! Und auch nicht, wieso nun ausgerechnet diese Variante mehr sensibilisieren sollte, als eine andere Kampagne?! Oder sollen sich Kinder so unbemerkt die Nummer abschreiben können (ins Handy tippne können) und keiner sieht es?! Allerdings wissen die Kinder ja gar nicht, dass sie dabei nicht gesehen werden…

  7. Yves

    Sie schreiben: „… Nur sie (die Kinder) können die Nummer sehen, und nur sie sehen dieses Bild – Erwachsene bekommen einen anderen Hinweis.“ – dies ist de facto falsch !!!
    Wie im Video zu sehen, können Kinder die Botschaft aufgrund eines anderen Sehwinkels sehen … nehmen wir nun an, ein Erwachsener würde in die Hocke gehen … oder ein kleinwüchsiger Erwachsener liefe vorbei … dann könnte er die Botschaft ebenfalls sehen ! … und was ist mit großgewachsenen Kindern ?

    Ich erwarte vonJournalisten etwas mehr objektive „Berichterstattung“ und keine wild formulierten Thesen. Das hilft niemandem.

    • Ja, natürlich können auch kleinwüchsige Menschen das andere Bild sehen – oder Menschen, die in die Hocke gehen, oder Rollstuhlfahrer.

      Konzipiert und gerichtet ist diese Funktion des Plakats aber für und an Kinder einer bestimmten Größe, und daher empfinde ich die Formulierung nicht als „wild formulierte These“ und durchaus noch objektiv.

  8. driftwood

    Grundsätzlich freue ich mich über jede hilfreiche Aktion. Daher möchte ich die Plakat-Idee auch nicht diskreditieren. Allein, dass wir nun hier darüber reflektieren ist ja auch schon ein Erfolg.
    Was ich kritisch sehe:
    Es ist nahezu ausgeschlossen, dass ein misshandeltes Kind aktiv wird – egal wie groß die Not ist (selbst Erwachsene tun sich häufig schwer damit, sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen oder ihren Vergewaltiger anzuzeigen). Wieviel schwerer ist dies wohl für ein Kind, welches unter Umständen sogar die eigenen Eltern ‚anschwärzen‘ muss?
    Das Problem liegt nicht bei den Kindern, sondern bei uns Erwachsenen. Bei uns, die wir weg sehen und bei uns, die wir (selbst in seelischer Not) zuschlagen. Wir sind es also, die Hilfe benötigen. Wenn wir Erwachsenen das, was uns wegsehen oder zuschlagen lässt, heilen können, dann braucht es solche Plakate nicht.
    Plakate, welche den betroffenen Erwachsenen Mut machen, sich Hilfe, Rat oder Unterstützung zu holen, hilft den Kindern möglicherweise mehr, zumal es darum geht, den Missbrauch zu verhindern.
    Das solche Notrufnummern eine traurige Notwendigkeit sind, liegt auch daran, dass wir Erwachsenen es immer noch nicht schaffen, uns gegenseitig zu helfen.
    Vor nicht allzulanger Zeit wurde ein Alkoholiker noch als Säufer, Penner, als asozial bezeichnet. Mittlerweile ist Alkoholismus eine anerkannte und (häufig) therapierbare Krankheit. Solange wir Gewalt gegen Kinder tabuisieren und diskriminieren, werden wir das verursachende Leid nicht in den Griff bekommen. Es ist also ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel nötig, welcher Gewalt gegen Kinder das sein lässt, was es ist: Die Folge einer seelisch/psychischen Erkrankung.

  9. This is awesome!
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  10. Mat

    Kann mich dafür nicht begeistern.
    1. wie Karlheinz schon sagt, die Kinder wissen nicht das die Erwachsenen es nicht sehen und wo ist der Vorteil das diese nicht das Gleiche sehen? Wenn die Kinder es nicht wissen rufen sie auch nicht eher an.
    2. Wie kann ein Plakat den Kindern die Angst nehmen anzurufen. Ist die Abbildung eines misshandelten Kinde und Geheime Telefonnummern wirklich das Richtige?
    Ich glaube nicht, das ist mir zu theoretisch und gefällt wahrscheinlich nur Erwachsenen.

    • Um eine Facebook-Userin auf facebook.com/nidomagazin zu zitieren:
      „Merkt Ihr was? Wir denken drüber nach, nehmen die Position des Kindes ein. Vielleicht sensibilisiert diese Aktion und regt zum Helfen an! Ziel erreicht!“

    • Mat

      Warum sollte es einen sensibilisieren, wir die Erwachsenen sehen es ja nicht. Ist der Sinn des Plakates, es richtet sich ausschließlich an die Kinder und denen hilft es glaube ich nicht mehr als irgend ein anderes Plakat.
      Wie auf facebook auch kritisiert wurde, können viele Kinder in dem Alter noch gar nicht lesen!
      Vielleicht wäre es besser geheime Botschaften an Erwachsene zu senden. So macht das für mich keinen Sinn, auch wenn sich einige für das Design noch so sehr begeistern.
      Und was macht das Kind eigentlich mit der geheimen Nummer, die so geheim ist das es das Kind gar nicht weiss das diese geheim ist. Diese sich merken oder aufschreiben, neben dem Erwachsenen, der diese nicht sieht und sich nun wundert wieso das Kind sich Nummern notiert ?
      Ich sags noch mal, zu theoretisch und praktisch keine grosse Hilfe !

    • Naja, zum einen sehen die Erwachsenen ja auch eine Botschaft, die da übersetzt lautet „Manchmal ist Kindesmissbrauch nur für das Kind sichtbar, das ihn erleidet.“ Allein das sollte schon auf das Thema aufmerksam machen – und sei es, dass Angehörige und Freunde in ihrem Umfeld nun etwas aufmerksamer sind. Und statt nichts zu tun, richtet sich diese Kampagne zumindest an einen Teil der Kinder: die, die lesen können. Und sich die (nicht so schwer einzuprägende) Nummer vielleicht merken. Und wenn es nur einem Kind hilft, dass das Thema aufgrund der Kampagne diskutiert wird, ist das doch schon eine gute Sache. Oder nicht?

  11. Sim

    Ich bin als kind geschlagen worden.

    Niemals hätt ich da angerufen, einfach aus angst es würde negative auswirkungen auf meinen alltag haben. Als kind hätte ich gedacht, wenn ich anrufe geben sie meine „klage“ ja weiter um was zu unternehmen.

    DAS ist etwas das man opfern klar machen muss. Dass sie keine angst haben sollen sich hilfe zu holen.

    • Du hast recht. Dann ist die Kampagne vielleicht gut, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu schärfen und ihnen zu vermitteln, immer ein offenes Ohr für Kinder zu haben und besonders wachsam zu sein. Oder?

  12. anja

    ich hab gleich gänsehaut bekommen. hoffentlich funktioniert’s und hoffentlich hilft’s.

  13. Leo

    Das ist toll! Und ich hoffe, dass das Kindern helfen kann, die sich in unerträglichn Situationen von hauslicher Gewalt o.ä. befinden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Werbeindustrie dieses Konzept nicht für sich nutzbar macht und missbraucht um Kinder mit ihren Botschaften zu manipulieren!

  14. Karlheinz

    Tolle Idee, toller Effekt.
    Aber abgesehen davon, werden die Kinder doch wahrscheinlich nicht merken, dass nur sie „ihre“ Botschaft lesen können? Und dann hätte man den Text an die Kinder auch ganz normal schreiben können?

    • Lilli

      Es geht nicht darum, ob die Kinder wissen dass nur sie es lesen können. Es geht darum, dass die Erwachsenen das Bild für die Kinder nicht sehen.

    • Maire

      und was spricht dagegen, dass auch Erwachsene das Bild für die Kinder sehen?