Eine Großfamilienreise nach Südafrika: Teil 5 – ein Rückblick

Das Projekt Großfamilienreise ist abgeschlossen. Lisa Harmann lässt die Wochen in Südafrika Revue passieren.

Wir sind zurück. Das Projekt Großfamilien-Reise ist vorbei. Südafrika liegt hinter uns. Und trotzdem ist es noch da, das alles. Vor einer Woche noch haben wir uns einen vorerst letzten Sonnenbrand geholt, jetzt nebelt der Alltag so langsam zurück in unsere Poren. Langsam noch, aber merklich. Und doch hat er uns nicht ganz zurück.

Am Straßenrand stehen wir noch anderthalb Minuten länger. Weil wir immer noch nicht wieder genau wissen, in welche Richtung wir jetzt eigentlich zuerst schauen sollen, um nicht umgehend überfahren zu werden. Links- oder Rechtsverkehr?

Wir sind noch immer langsamer in allem. Auf Urlaubs- und Afrikamodus. Wir leben noch ziemlich neben unserem Terminkalender. So war ich sehr überrascht, als ich am Freitag durch Zufall bei einem Blick in meinen Stundenplan bemerkte, dass in zehn Minuten die Vorlesung beginnt. Passiert. Bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Malerischer Blick auf die Berge im Tsitsikamma-Nationalpark

Wir fahren zwar wieder zur Kita, aber irgendwie schauen wir jetzt anders in die Umgebung, bleiben bei einem Eichhörnchen stehen, als wären wir auf Safari. „Da schau mal, was für ein weiches Fell.“ Ich weiß auch nicht, ob es Zufall war, dass ich in dieser Woche einen Fuchs direkt am Straßenrand gesehen habe, außerdem einen groß-ohrigen Hasen und auf einer Wiese eine Versammlung von fünf Fischreihern. Oder schaue ich einfach besser hin? Wir sind zwei Wochen lang mit sehr offenen Augen durch die Welt gegangen und diese Aufmerksamkeit klingt noch nach.

Kein Husten, kein Schnupfen, nicht einmal eine blutige Wunde kam in unserem Urlaub vor. Kein Steinschlag in der Windschutzscheibe. Wir hatten Glück. Brenzlig wurde es eigentlich nur bei dem einen Mal, als wir uns verfahren hatten. Und als sich dieser Pavian über uns von der Autobahnbrücke abseilen wollte.

Harmlos: Elefant im Addo Elephant Nationalpark

Ich brauchte ein paar Tage, um in den Alltag zurückzukehren. Die Faszination für Südafrika wächst noch immer. Das Nachwirken hat eine unglaubliche Kraft. Das kenne ich so nicht.

Franz wundert sich, wieso wir dauernd erzählen, dass er sich wie selbstverständlich ein Zebra-Steak bestellt hat „Ich mag eben Zebras. Ihr nicht oder was?“ Und die Fragerei geht weiter. „Warum heißt der Kindergarten eigentlich Kindergarten, wenn das gar kein Garten ist?“

Und hier in Deutschland? Hier tobt in der ersten Woche nach unserer Rückkehr eine mediale Familiendebatte. Es geht darum, ob man sich überhaupt noch trauen kann, in „diese Welt“ ein Kind zu setzen. Und darum, ob man diese Jammerei, ob all der angeblichen familiären Komplikationen, überhaupt erlauben darf, wo doch die Rahmenbedingungen in unserem Land (Sicherheit, Soziale Absicherung etc.) so gut sind. Entscheidet am Ende nicht doch einfach der Bauch, ob man ein Kind will, fragen die einen. Und die anderen sagen: Nein, wenn alles besser wäre, gäbe es viel mehr Kinder. Ja. Und da ist er dann wieder, dieser Blick von außen.

Wir waren weg. Und finden uns noch nicht wieder in diesen Debatten. Der Blick ist so schön weit geworden. Das wollen wir uns noch ein bisschen erhalten. Bei uns ist die Entscheidung ja längst gefallen. Wir haben Kinder. Und die haben uns gezeigt, was mit ihnen alles möglich ist. Auf dieser Reise. Und weil sich das so gut anfühlt, haben wir gedacht, wenn Ihr auch mal wollt, dann… vielleicht helfen Euch ein paar Tipps.

Südafrika mit Kindern – sieben Empfehlungen

Flugreise: Eine kinderfreundliche Airline kann die Reisezeit enorm verkürzen – und zur Kinderfreundlichkeit gehört auch ein gutes Bordprogramm auf Deutsch. Es ist also sinnvoll, sich vorher bei der Fluggesellschaft zu erkundigen, welches „Programm“ geboten wird. So kann man sich dann auch viel Handgepäck sparen (Stifte etwa gibt es eigentlich immer an Bord…)

Kriminalität: Jeder kennt vermutlich einen Südafrika-Reisenden, der mal ausgeraubt wurde. Soll man deshalb nicht fahren? Ist Südafrika zu gefährlich? Nein, wir fahren ja auch nach Berlin-Neukölln oder Köln-Chorweiler. Aber würden wir in Neukölln offensichtlich mit einer Kamera um den Hals oder einem iPad im Arm herumlaufen? Na, also. Das sollte man auch in Südafrikas Städten dann eher lassen.

Storms-River-Hängebrücke im Tsitsikamma-Nationalpark

Elefanten: Es muss kein Nationalpark sein. Wer auf der Garden Route unterwegs ist, hätte es eh weit zum Krüger NP im Nordosten. Die meisten Game Lodges haben mehrere 1000 Hektar Land und darauf die Big Five (Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard), es entsteht echtes Safari-Flair. Für Kinder hat eine private Lodge einen großen Vorteil: Man sieht auch meist alle Tiere.

Küche: Wer mal in Uganda oder Äthiopien unterwegs war und dort nicht nur im Sheraton oder Interconti übernachtet hat, der weiß: Die größte Herausforderung ist die einheimische Küche. Was bringt ein zweiwöchiger Urlaub in Afrika, wenn einem davon eine Woche schlecht ist? Südafrikas Küche ist europäisch, wenn man mal von Kudu, Zebra oder Warzenschwein absieht. Das ist vielleicht langweilig, aber auch sehr magenfreundlich. Wir haben nicht ein Medikament anrühren müssen

Malaria: Es gibt für Mücken keine Flugverbotszonen, dennoch ist das Risiko, sich auf der Garden Route mit Malaria anzustecken, sehr sehr gering. Einige Lodges, wie die Garden Route Game Lodge, werben sogar damit, malariafrei zu sein. Dennoch sollte man sich mit langer Kleidung und/ oder Mückenspray (No Bite) schützen, denn die Stiche können schmerzhaft sein.

Jubelsprünge nach überstandener, großartiger Reise auf einer alten Brücke bei Port Elizabeth: Lisa und Helene

Geschwindigkeit: Sehr wenig afrikanisch wirken die vielen Blitzkästen an den Straßen der Garden Route. Sich an die Geschwindigkeit zu halten, ist also Pflicht. Und das gilt nicht nur im Straßenverkehr. Die Uhren ticken dort einfach langsamer, sei es beim Warten auf das Essen im Restaurant oder sonstwo. Für Kinder, die gern mal fünf Minuten am Straßenrand stehen und einen Grashüpfer betrachten, ist das Tempo also genau das Richtige.

Coolness-Faktor: Wo wart Ihr, ihr seid so braun? Wie wir den Reaktionen unserer Mitmenschen entnehmen, ist die Antwort „Südafrika“ nicht nur unerwartet ob unserer drei kleinen Kinder „Ihr spinnt doch wohl!“), sondern scheinbar auch einfach sehr angesagt zur Zeit. Irgendwie kennt jeder jemanden, der gerade da ist oder vor kurzem davon geschwärmt hat.



Teil 1 – Die Vorbereitungen – geschrieben von Lisa und Markus Harmann

Teil 2 – Sind Weiße Haie hier eigentlich schwarz? – geschrieben von Markus Harmann

Teil 3 – Weiße Weihnacht und Großfamilien-Koller – geschrieben von Lisa Harmann

Teil 4 – Land der Superlative – und Gegensätze geschrieben von Markus Harmann


Weitere Texte von Lisa und Markus gibt´s unter folgenden Links:

www.nusenblaten.de

www.goldeber.de

www.stadt-land-mama.de

Sophie Servaes
Über die Autorin:
Sophie Servaes war bis März 2014 Leiterin von Nido.de. Sie twittert hier.

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