Kommentare zur “Negerkönig”-Debatte

So haben Nido-Facebookfans und Blogger die Überarbeitung von Kinderbüchern kommentiert.

Sophie Servaes
Über die Autorin:
Sophie Servaes war bis März 2014 Leiterin von Nido.de. Sie twittert hier.

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5 Kommentare

  1. Passend finde ich ein Zitat von Viktor Klemperer: “Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

    Der Text auf fuckermothers dazu:

    http://fuckermothers.wordpress.com/2013/01/13/rassismus-raus-aus-kinderbuchern/

  2. manu (मनु, xyZ)

    Ich stelle mir gerade vor, wie ich in ein Büchergeschäft gehe und “Die Kleine Hexe” nachfrage…
    Die freundliche Dame mit Migrationshintergrund (womöglich Afrika) stellt mich dann vor die Wahl:

    “Wollen sie die Ausgabe mit Negerlein und Chinesenmädchen oder ohne?”

    Ist es dann “politisch korrekt” zu sagen: “OHNE, bitte sehr!” !?

    Wenn man die Wahlfreiheit hat, dann wird die Absurdität des Unterfangens eigentlich ganz deutlich.

    Aber vielleicht würde ich mir auch ein ganz anderes Buch kaufen… (Oder gleich selber ein neues schreiben, wenn ich keines finde, das mir gefällt!)

    Werden denn heutzutage keine guten Kinderbücher mit interessanten Geschichten geschrieben, die auf unsere aktuelle soziokulturelle Situation angemessen und zeitgemäß ansprechen..?

    Warum muss man überhaupt an den alten Kamellen hängen?
    Vielleicht muss man das Buch gar nicht umschreiben, wenn man ein anderes anbieten kann, das eine Geschichte enthält, die mindestens genauso schön ist und in politisch korrekte, zeitgemäße Sprache verpackt ist.

    Andererseits bin ich der Ansicht, dass man Alles jederzeit umschreiben, verarbeiten und “remixen” dürfen sollte, wenn man das für sinnvoll, ästhetisch/ attraktiv oder notwendig hält.
    Warum nicht… ?

    Vielleicht gelingt der “Transfer” und es wird ein schöner neuer Text daraus…

    Solange das Original nicht auf irgendeinem “Index” landet und verteufelt wird, ist das ja auch völlig in Ordnung.

    Wahlfreiheit ist wichtig… Freiheit das tun zu dürfen und zu können, was man für richtig hält.
    Freiheit und Verantwortung gehört zusammen.

    ALLES soll man grundsätzlich anpassen und überarbeiten dürfen, wie es gefällt. ALLES soll sich entwickeln dürfen!
    Möglichst aber mit Hinweis auf die Quelle und das Original … und es wäre schön, wenn man die Intention, die hinter dem Wunsch nach Änderung steht auch nachvollziehbar machen kann.

    Kultur ist auch Kommunikation!

  3. Cosima

    Gerade weil es hier um Kinderbücher geht, ist es eben ein guter Gedanke, solche Worte auch zu überarbeiten. Natürlich, viele Kinder überhören das Wort ,,Neger“ erst einmal und fragen sie doch nach, gibt genau dieses Wort einen wunderbaren Anstoß um über die Herkunft des Wortes zu sprechen und warum es eben heute nicht mehr verwendet wird. (Dies gilt natürlich auch für andere diskriminierende Worte).
    So, nun aber mal zu einer Tatsache: Die meisten von uns Mütter (Väter, Omas, Opas…), vor allem die etwas ,,betagteren“ sind gerade mit dem Wort Neger selbstverständlich aufgewachsen und tun sich jetzt schwer, dies als Schimpfwort anzusehen. Ich selbst erinnere mich an ein Kinderbuch aus meiner eigenen Kindheit das da hieß ,,10 kleine Negerlein“. Betrachtet man zusätzlich, dass die Apartheid in Südafrika erst 1994 komplett aufgehoben wurde (so mal mein spontanes Wissen, ich lasse mich hier auch korrigeren, aber ganz falsch ist es nicht), so wird doch klar, dass der Ausdruck ,,Neger“ einfach noch zu sehr als Selbstverständlichkeit in unseren Köpfen verankert ist. Schimpfwörter oder Beleidigungen wie Schlampe, Arschloch, fette Sau oder ähnliches würden wir als Wörter in Kinderbüchern doch auch nicht akzeptieren. Dass ein dunkelhäutiger Mensch, der von dritten als Neger deklariert wird sich aber auf selben Niveau beleidigt fühlt ist durchaus möglich!
    Also ist es ein guter Gedanke, ihn aus Kinderbüchern zu streichen, schließlich fallen Kinder Wertungen aufgrund von Begriffen oftmals schwer, auch macht es ihnen gelegentlich Spaß andere zu ärgern, so ist meiner Meinung nach die Möglichtkeit, dass ein jüngeres Kind ein anderes im Streit als Neger beschimpft durchaus gegeben. Anders sieht es doch im Erwachsenenalter aus, irgendwann sollte man ja dann doch fähig sein, selber Wertungen machen zu können und Wörter bestimmt zu gebrauchen. Also absoluter Mist, wer hier argumentiert, die komplette Literatur müsse dann überprüft werden. Da steckt doch keine klare Aussage, kein überdachtes Argument dahinter!

    • manu (मनु, xyZ)

      Ich finde man sollte ruhig Alles überarbeiten und verändern dürfen… warum nicht… aber dann hat man eben was Anderes draus gemacht.

      “Die Kleine Hexe – Eine Kindergeschichte nach einem Text von Otfried Preußler (Revision 2013.001)” (hieße das Buch dann etwa.)

      Aber an sich kann man seinen Kindern ja auch einfach andere Bücher in die Hand geben, wenn man da Bedenken hat…

      Ich finde es albern, Kindern “böse Worte” vorenthalten zu wollen.
      Man sollte mit Ihnen darüber sprechen, was sie lesen — und was sie überhaupt denken, über die Welt, über Andere und über das Leben und über sich selbst!! das fördert Bewusst-Sein, Seele und Charakter!

      Wenn man sich von den Wörtern in einem Buch angeekelt oder beleidigt oder empört fühlt, dann soll man doch einfach das Buch scheisse finden und weglegen!..

      Otfried Preußler nennt mich “Neger”?
      Was erlaubt sich der “alte Sack”?

      ;)