Medizinischer Segen

Dr. Maria Beckermann, Vorsitzende des Arbeitskreises Frauengesundheit, mahnt zu mehr Bedacht bei Kaiserschnitten.

Ihr Arbeitskreis hat eine Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland ins Leben gerufen. Warum?

Jedes dritte Kind kommt hierzulande per Kaiserschnitt auf die Welt. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass diese Rate nicht naturgegeben ist. Das belegen auch die extremen regionalen Schwankungen: In manchen Gegenden liegt die Quote bei fünfzehn, in anderen bei 37 Prozent. Das ist medizinisch nicht erklärbar.

Wie dann?

Ein Kaiserschnitt ist für Kliniken viel leichter zu handhaben, planerisch und organisatorisch, aber natürlich auch aus finanzieller Sicht. Wir fordern, dass jede Frau im Kreißsaal eine Hebamme bei sich hat, die sie die ganze Zeit betreut. So viel Personal gibt es heutzutage nur noch selten.

Sie sind also nicht generell gegen den Eingriff?

Nein, der Kaiserschnitt an sich ist ein medizinischer Segen. Trotzdem sollte man ihn nur dann einsetzen, wenn er wirklich benötigt wird und nicht, um Geld zu sparen oder weil man glaubt, die Technik sei sicherer als der eigene Körper. Das stimmt nämlich nicht. Wir sagen nicht, dass alle Frauen eine natürliche Geburt haben müssen, aber sie sollten so gut betreut werden, dass sie darüber selbst entscheiden können.


Die Unterschriftenliste zur Kampagne auf akf-kaiserschnitt-kampagne.de

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4 Kommentare

  1. eineFrau

    die Kampagne kann ich nur ausdrücklich unterstützen!! leider wird es freien Hebammen immer schwerer gemacht, ihren Beruf ausüben zu können, dabei wäre es von unschätzbarer Bedeutung für die Frauen, vor, während und nach der Geburt eine Person an ihrer Seite zu haben, die die Frau mit ihren Sorgen und individuellen Persönlichkeit annimmt und begleitet.

    Was viele Frauen nicht wissen: im Kreißsaal hat eine (Beleg)Hebamme das Sagen, nur bei der eigentlichen “Austreibungsphase” (schreckliches Wort!) ist es nötig, dass ein Arzt anwesend ist. Und der hat oft andere Vorstellungen oder Vorgaben von Seiten der Klinik, was Tempo und Risikoabwägungen angeht. Leider müssen Ärzte heute fürchten, noch Jahre später für vermeintliche Versäumnisse oder Fehler während der Geburt belangt zu werden. Dies ist sicher einer der Hauptgründe, warum Frauen Hitech-Überwachung als das Maß aller Dinge angepriesen wird.

    Ich würde mir sehr wünschen, dass es eine Wende hin zu mehr Selbstbestimmung von Frauen und eine Rückbesinnung auf die natürliche Geburt gibt. Danke für diese Kampagne.

  2. skyflake

    Ich warte gerade darauf, dass mein Kleiner sich meldet und es los ins Krankenhaus geht. Ich glaube eine Betreuung durch eine Hebamme im Kreißsaal ist zu spät um Sicherheit, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen für eine natürliche Geburt aufzubauen. Viel wichtiger ist die Vorbereitung auf die Geburt und eine entsprechende Begleitung durch die Zeit der Schwangerschaft. Dafür gibt es zu wenig Raum heutzutage.

    • Mammamia

      Eine erfahrene Hebamme bei der Geburt dabei zu haben ist besonders dann eine große Hilfe, wenn die Wehen (scheinbar)nicht enden wollen, das Kind einfach nicht kommt und die immer wieder mal vorbeischauenden Ärzte wiederholt anfragen, ob man nicht vielleicht doch einen Kaiserschnitt haben möchte… Dann ist weibliche fachliche Unterstützung Gold wert! Natürlich ist es in einem Notfall gut, die Option zu haben, einen Kaiserschnitt machen zu lassen, aber wenn es dann doch ohne ging, man “es” geschafft hat und am Ende das Kind in den Armen hält….

  3. dieteetante

    Ja, der Kaiserschnitt ist ein Segen, WENN er medizinisch notwendig ist und sonst Gefahr für Mutter und Kind besteht.
    Was ich nicht verstehen kann, sind die geplanten Kaiserschnitte.
    Unseren Sohn habe ich selbst per Kaiserschnitt zur Welt bringen müssen. Ein GeburtsERLEBNIS sollte anders aussehen.
    Bis man sein Kind selbst in den Armen nehmen kann, um es zum Stillen anzulegen, vergeht mindestens eine halbe Stunde.
    Auch der Kaiserschnitt selbst war alles andere als angenehm.

    Ich würde allen von einem Kaiserschnitt abraten, wenn es medizinisch nicht zu umgehen ist.