Mit Kind und Kegel

Haben sie auch den Traum, mal weg aus Deutschland zu gehen – mit der ganzen Familie für einen längeren Zeitraum?

Im aktuellen Heft erzählen Familien von ihrer Auswanderung. Von München nach New York, von Zittau nach Oslo… Mit der ganzen Familie ins Ausland, zumindest eine Zeit lang – träumen Sie auch davon? Was sind Ihre Bedenken, woran hakt’s? Oder haben Sie das sogar schon gemacht: Wo waren Sie? Wie lief’s, was war toll, was war schwierig? Wie hat sich Ihr Familienleben verändert? Wie war die Work-Family-Balance? Wie hat’s mit der medizinischen Versorgung geklappt? Welche neue Lieblingsgerichte haben Sie und Ihre Kinder entdeckt? Wie hat sich möglicherweise Ihr Bild von Familie und Erziehung durch den Auslandsaufenthalt verändert? Was würden Sie heute anders machen?

Erzählen Sie uns von Ihren Gedanken dazu und von Ihren Erfahrungen!

 

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10 Kommentare

  1. Hupjay

    Salam,

    wir waren 3 Jahre in Doha/Katar. Als mein Mann damals mit diesem Jobangebot nach Hause kam, musste ich erstmal in den Atlas schauen. Arabische Halbinsel – Persischer Golf – Wüste … und da sollen wir hin? OK, ins Ausland zu gehen war eigentlich nicht das Problem, aber muss es die Wüste sein? Zwischenzeitlich war unser großer Sohn geboren und ich habe mich entschlossen, das Ganze mir mal selber anzuschauen.
    Der erste Eindruck: HITZE, staubig, Hochhäuser … einen Monat habe ich mir Zeit gelassen. Mit der dortigen German Community Kontakt aufgenommen und Tipps und Tricks geholt. OK, wir gehen dort hin.
    Das erste halbe Jahr war hart, mein Mann musste arbeiten und ich sass mit unserem Lütten zu Hause, zogen von ShoppingMall zu diversen Spielplätzen. Entdeckten Doha … bis unser Sohn einen KiGa Platz in einem australischen KiGa bekam. Ich hatte mehr Freiheit.
    Das Gesundheitssystem – kann mit Deutschland locker mithalten.
    Wo ich gestutzt hatte, ich konnte nicht alleine ein Konto eröffnen, da mein Mann mein “Sponsor” ist.
    Familie ist hier alles.
    Wir als Familie sind enger zusammen, mein Mann kann sich seine Zeit flexibler einteilen.
    Dennoch Famillie und Freunde, die wir in Deutschland zurückgelassen haben, fehlen uns hier.
    Letztes Jahr war dann Schluss hier und wir mussten zurück nach Deutschland. Eines Morgens hatten wir Nebel, unser Großer meinte nur, dass wir nicht raus können, weil es zu staubig ist.
    Wir haben im Januar unseren Zweiten bekommen, der ist jetzt 4 Monate alt (der Große ist FAST 5). Zurzeit sind wir doch wieder in Doha, es soll doch wieder weitergehen (seitens der Firma), und wir organisieren alles. Der Große hat einen Schulplatz an einer Internationalen Schule und unser Kleiner geht ab Januar in den selben australischen KiGa. Ich freue mich sehr, dass wir wieder mehr Familie sein können, als in Deutschland. Mein Mann konnte konnte den letzten Schwangerschaftsmonat und zwei Monate danach in Deutschland im Headquarter arbeiten – morgens um halb acht aus dem Haus und abends um 18 Uhr wieder da, Spielzeit war da kaum.
    Aber zunächst geht mein Mann 2 Monate in Elternzeit – in Deutschland. Dann beginnt das große Packen – mit einen lachenden und einem weinenden Auge.

    Grüße aus Doha

  2. Kristine

    Hallo an alle in Deutschalnd und da draussen im Rest der Welt,

    wir, das sind mein Mann, mein Sohn (gerade 5) und ich, wohnen seit 8 Monaten auf Hawaii. Letztes Jahr ergab sich die Moeglichkeit, fuer zweiJahre hierher zu kommen und uns schwebte die Idee, eine Zeit ins Ausland zu gehen, schon lange in unseren Koepfen herum.
    Das letzte Jahr war ziemlich verrueckt, wir mussten so viel erledigen und vorbereiten, zwischendurch noch geheiratet und Doktorarbeit abgeschlossen. Die letzten Wochen vor unserer Abreise waren sehr stressig und wir haben uns nicht selten angeraunzt. Dann nach der Ankunft wieder alles anmelden, was man in Deutschland abgemeldet hat (Wohnung, Bank, Versicherung, Kindergarten suchen…)
    Die ersten Monate waren teilweise nicht leicht, und dass wir hier so paradiesisch wohnen, hat es auch nicht einfacher gemacht, weil alle erwarten, dass man sich eh wohl fuehlt, Strandbilder schickt und generell einfach dankbar ist, weil man nicht im regenerischen Deutschland ist, sondern eben auf Hawaii!
    Mir haben vor allem Freunde gefehlt, dem Kleinen auch. Aber ich habe oefter an den Tipp einer Freundin denken muessen, dass wir geduldig mit uns und der Situation sein sollen und das haben wir versucht. Es hat sich gelohnt. Wir fuehlen uns seit einer ganzen Weile schon rundum wohl! Und tatsaechlich, wir sind als Paar und auch als Familie naeher zusammengerueckt. Wir lieben es, soviel Zeit fuereinander zu haben.
    Im Moment habe ich das Gefuehl, unser Leben hier nicht so schnell wieder mit der alten Heimat eintauschen zu wollen.

    Liebe Gruesse aus Honolulu,
    Kristine

  3. Carsten

    Im Jahre 2002 haben meine Familie und ich beschlossen, nach Brasilien zu ziehen. Ich habe meine sichere Stelle in München gekündigt, um in Brasilien in einer Firma Partner zu werden. Meine Frau und ich hatten damals nur zwei Söhne, die zum Umzugszeitpunkt 4 und 5 Jahre als waren. Wir fanden vor allem die Idee gut, ganz etwas anderes zu machen und eine Spur Abenteuerlust war auch dabei. Meine Frau ist Venezolanerin, aber in Miami groß geworden, und wir hatten bereits vorher 3 Jahre in Frankreich gewohnt. Von daher brauchten wir wohl wieder eine neue Dosis Ausland.
    Wir haben in der Nähe von Campinas – 1 Stunde von São Paulo entfernt – gewoht. Dadurch blieben uns die stundenlangen Staus erspart. Die Kinder haben sich sofort eingewöhnt und sprachen nach wenigen Monaten portugiesisch besser als meine Frau und ich. Zuhause sprechen wir meistens spanisch und nach mehr als einem Jahr haben wir es dann geschafft, die beiden Sprachen auseinander zu halten.
    Für die Kinder war das ganze ein Traum. Die Schule hatte eine Ausstattung, von der die meisten Schulen in Deutschland nur träumen können (einschließlich Minizoo) und die Geburtstagsparties – von denen es viele gab – waren recht pompös. Das Wetter war natürlich im Durchschnitt besser als in Deutschland und nach den Hausaufgaben ging es meist in den Swimmingpool. Allerdings musste man die Hausaufgaben erst einmal fertig kriegen, denn von denen gab es reichlich. Aus unserer Sicht wurden die Kinder wesentlich mehr gefordert als in Deutschland, was wir aber auch gut fanden.
    Man muss fairerweise sagen, dass die Kinder auf einer Privatschule waren und das ganze nicht der brasilianische Standard war. Zuweilen haben wir uns auch gefragt, ob gewisse Veranstaltungen nicht etwas “zu pompös” sind, denn manchmal ist weniger mehr.
    Wir haben natürlich viele Ausflüge gemacht und das obligatorische Churasco am Wochenende mit Caipirinha durfte auch nicht fehlen. Die Brasilianer waren sehr freundlich, aber auch nicht so offen, wie man es manchmal vermutet. Und es war immer wieder interessant zu sehen, dass Brasilien seinen ganz eigenen Charakter hat und sich gänzlich von den spanischsprachigen Ländern der Region unterscheidet.
    In der Arbeit war bei allen ein hohes Arbeitspensum angesagt und im Gegensatz zu Deutschland ging es am Freitag Nachmittag manchmal erst richtig los.
    In Brasilien hat jede Firma einen Vertrag mit einer Krankenversicherung und mit Eintritt in die Firma gehört man dazu. Die medizinische Versorgung ist dann in der Regel gut. Allerdins müssen die Medikamente, auch für die Kinder, selbst gezahlt werden.
    Nach vier Jahren hat sich dann die Frage gestellt, ob wir langfristig in Brasilien bleiben wollen oder wieder zurück nach Deutschland gehen. Wir haben uns am Ende für Deutschland entschieden. Es gibt hier doch viele Dinge, die uns langfristig mehr reizen. Ein wichtiger Punkt war die Tatsache, dass die Kinder ab einem bestimmten Alter mehr Unabhängigkeit und ein breiteres Betätigungsumfeld haben.
    Am Ende hat sich die Entscheidung als die Richtige erwiesen, da wir inzwischen 4 JKinder haben (alles Junds). Trotzdem können wir nur jedem empfehlen, die Chance auf einen Auslandsaufenthalt zu nutzen, auch wenn er am Anfang mit etwas Unbequemlichkeiten verbunden ist.

    • Barbara

      Hallo Carsten,
      mein Mann hat letzte Woche von seinem Arbeitgeber eine Delegation nach Sao Paulo für 2 Jahre angeboten bekommen. Details kennen wir noch nicht, dafür ist das Thema zu frisch… Allerdings werden wir uns über Weihnachten sicher intensiver mit dem Thema befassen. Mitte Januar soll die Entscheidung dann fallen.
      Wir haben zwei Jungs (15 Monate und knapp 3 Jahre alt). Insgesamt freuen wir uns schon auf das Abenteuer, allerdings habe ich auch ordentlichen Respekt vor dieser Riesenstadt. Das Thema Sicherheit steht da ganz oben. Wie schützt man sich (und vor allem die Kinder!) gegen Überfälle, Einbrüche etc.? Wie wohnt man am besten (Freistehendes Haus mit Garten oder Appartment)? Können die Kinder frei draußen spielen? Ist die Luftverschmutzung wirklich so schlimm?
      Da ich recht gut italienisch spreche, hoffe ich, dass ich mich mit dem brasilianischen Portugiesisch einigermaßen schnell verständigen werden kann und auch Kontakte zu Einheimischen und nicht nur in Expat-Kreisen verkehren werde.

      Momentan herrscht in meinem Kopf noch ziemliches Chaos, zumal Mein Mann ab März 2014 den Job wohl bereits antreten soll. Ende Januar/Anfang Februar möchten wir deshalb Sao Paulo einen ersten Besuch mit dem obligatorischen “look-and-see-trip abstatten und auf Wohnungs-/ Haussuche gehen. Aufgrund der kurzen Planungszeit wird mein Mann wohl erstmal alleine nach Brasilien gehen und ich habe vor mit den Kindern dann anzukommen, wenn der Container mit unseren Sachen angekommen ist.

      Über Tipps zum Umzug und Start in Sao Paulo würde ich mich sehr freuen!

      Viele Grüße
      Barbara

  4. Conni

    Wir leben seit ein paar Jahren in Vancouver, BC und sind erst hier zu einer Familie geworden. Unser Sohn ist 2,5 und das zweite Kind ist unterwegs (hui, nur noch 7 Wochen).

    Uns fehlt natuerlich das persoenlich Umfeld wie Familie und enge/lange Freunde. Aber auf der anderen Seite haben wir unheimlich viel Zeit fuer UNS! Keine Sonntagsnachmittagkaffeetrinken Verabredungen oder Verpflichtungen sondern einfach spontan los und sehen, was der Tag bringt.

    Wir haben viele nette Eltern mit Kindern im selben Alter kennengelernt und unser Sohn kann sich ueber Spielkameraden nicht beklagen. Das Angebot fuer Kinder hier ist riesig! Mal ganz abgesehen von der Natur und den Moeglichkeiten, die Vancouver als DIE Outdoor Stadt zu bieten hat.

    Auch wird hier die Work-Life-Balance ganz gross geschrieben, so dass mein Mann (fast) immer puenktlich zuhause sein kann und bei schoenem Wetter sogar von seinem Chef nach Hause geschickt wird. Wuerde in Deutschland nie passieren…..

    Die medizinische Versorgung ist natuerlich anders und da weiss ich, dass wir in Deutschland ganz schoen verwoehnt sind. Es gibt nur einen ‘Doktor’, und der ist dann fuer alle da (Vater-Mutter-Kind). Wenn nichts ernstes vorliegt, kann man aber auch damit prima leben.

    Wenn der kleine Mann zur Schule muss entscheidet sich, ob wir hier bleiben oder nach Deutschland zurueck gehen. Im Moment gefaellt es mir in Kanada um Einiges besser……..we will see!

    Mit vielen Gruessen aus Vancouver, British Columbia, Best Place on Earth (steht hier auf den Autokennzeichen!).

  5. Anni

    Wir, zwei Erwachsene, unsere Tochter (3) und unser Sohn (6 Monate) sind seit zwei Monaten in Tunesien. Mein mann arbeitet hier für 6 Monate und ich fand die Idee toll, meine Elternzeit zu nutzen, ein mir unbekanntes land kennen zu lernen. Natürlich macht man sich vorher seine Gedanken und bekommt auch von vielen Seiten zu hören, dass es ja “sehr gefährlich” sei. Bis jetzt ist es aber eine durchweg positive Erfahrung. Ich genieße es, viel Zeit mit den Kindern verbringen zu können, auch wenn die “Große” hier nun auch einen Kindergarten besucht. Es ist wunderschön, so nah am Meer zu wohnen und oft am Strand entlang zu spazieren, vorbei an Orangenbäumen und Palmen. Die Tunesier sind sehr kinderlieb, lächeln die Kinder an, küssen sie (was nicht so gut ankommt). Außerdem war es toll zu merken, wie wenig Spielzeug man braucht, wir haben vor Allem viele Bücher eingepackt, ansonsten wird jeden Tag gebastelt, vom Kaufladen bis zum Auto.
    Natürlich vermissen wir unsere Heimat auch manchmal (Family, Freunde, schöne Spielplätze) , aber bereuen tun wir die Entscheidung, hierhergekommen zu sein, nicht.

  6. Päili

    Nach dem Studium habe ich die Wohnung untervermietet, meinen damals gerade 5jährigen Sohn eingepackt und bin nach Taiwan gezogen. Ursprünglich waren 6 Monate geplant, es wurden 2 Jahre draus.
    Mein Sohn ging in einen chinesischen Kindergarten und fing nach 3 Monaten an die Sprache zu verstehen. Ich selbst habe zuerst noch studiert und später dann beim Radio gearbeitet.
    Schwierig war es manchmal, so ganz ohne Netzwerk auszukommen. In Taiwan hilft man sich gern, aber eher innerhalb der eigenen Familie (anders als hier, wo sich Familien viel gegenseitig unterstützen).
    Ansonsten haben wir beide uns sehr wohlgefühlt. In Taipei ist immer was los, und auch der Rest der Insel hat unheimlich viel zu bieten. Vor allem das Essen, das fehlt uns jetzt noch immer. Teigtaschen, süßer Wabbeltofu, Feuertopf usw usw..
    Ich bin sicher, mein Sohn hat wichtige Erfahrungen mit nach Hause genommen. Vor allem die, dass man Dinge auf verschiedene Weise machen, und Probleme unterschiedlich lösen kann. Und, wie es sich anfühlt, das fremde Kind zu sein.
    Alle (auch Alleinerziehende), die über einen längeren Auslandsaufenthalt nachdenken, kann ich nur Mut machen: es geht!

    • Filippa

      Hallo Päili,

      Dein Beispiel macht mir Mut! Seit der Geburt meiner Tochter (jetzt 4 Jahre) möchte ich gerne zumindest für einen Zeit lang zwar nicht nach Taiwan aber nach Australien. Ich bin auch Single-Mom, und dazu arbeitsmäßig so eingebunden, dass es allein schon an der zeitintensiven Vorbereitung und einem soliden Einstieg in das Thema hapert. Ich habe leider auch keine Beziehungen irgenwelcher Art dorthin. Kannst Du mir einen Tipp geben, wie man diese Einstiegshürden am besten überwindet? Wie war es bei Dir?

      Herzliche Grüße
      Filippa

  7. Pingback: jakob's mum » Blog Archive » Are all friendly people abroad?

  8. Ich möchte diesem Artikel eine gehörige Portion Enthusiasmus hinzufügen! Unser “JA” zu unserem Auslandsaufenthalt (seit 7 Monaten in Princeton, USA) war eine unserer Top-3 Entscheidungen: wir haben uns noch nie so als Familie gefühlt, sehen, hören, lernen, essen laufend Neues, finden das unglaublich spannend und sind einfach glücklich ……. auch wenn Familie, Freunde, Brotgewürz und ein gemütliches Café manchmal fehlen. Sollte euch das Leben diese Gelegenheit bieten – take it! Es ist nicht unsere Komfortzone, in der die wirklich magischen Dinge passieren.