„Muss ich alles dreimal sagen?“

Komm jetzt bitte! Du solltest doch dein Zimmer aufräumen! Bleib sitzen! Wir Eltern reden und reden. Und die Kinder? Schalten auf Durchzug. Was läuft da falsch?

kinderkommunikation

Text: Christian Thiele

Es ist ein paar Wochen her:

„Du bist krank, nimm jetzt den Saft!“

„Nein, ich bin nicht krank.“

„Doch, du bist krank. Bitte nimm jetzt den Saft.“

„Der schmeckt aber nicht.“

„Das muss er auch nicht. Er muss helfen, dass du wieder gesund wirst.“

„Ich mag aber nicht.“

Dann probierte ich es mit Gewalt. Physischer Gewalt. Kopf festhalten, Mund aufdrücken, Saft reinträufeln. Klappt bei einem dreijährigen Mädchen nicht, auch wenn es durch eine astreine Bronchitis geschwächt ist. Und bricht dem Vater das Herz. Also probierte ich es mit der kommunikativen Atombombe:

„Wenn du den Saft nicht nimmst, musst du ins Krankenhaus. Allein. Ohne Mama, ohne Papa. Ganz lang.“

Widerspruchslos schluckte sie den Saft. Mein Ziel war erreicht. Der Saft war drin. Ich hatte gesiegt. Und dabei versagt. Ich will meinem Kind eigentlich nicht drohen. Und ich will es auch nicht anlügen, nie würde ich es alleine im Krankenhaus lassen. Aber warum sage ich es dann? Wie spreche ich überhaupt mit meinem Kind? Versteht es, was ich ihm sagen will? Sage ich es ihm so, wie ich es ihm sagen sollte? Damit es auch ankommt? Höre ich genügend zu? Und richtig?

Als vor drei Jahren meine Tochter auf die Welt kam, das erste und einzige Kind, musste ich eine neue Sprache lernen. Eine Sprache, die aus viel mehr und oft etwas ganz anderem besteht als nur aus Worten. Für die es kein wirkliches Wörterbuch gibt, die man an keiner Volkshochschule lernen kann. Eine Sprache, die sich jeden Tag weiterentwickelt, die erst mal nur aus Schreien besteht und Maunzen und Wimmern, zu der irgendwann Gesten dazukommen, Grimassen und schließlich auch Wörter – manchmal sogar die richtigen. Da die Mutter meiner Tochter und ich uns früh trennten, musste ich diese Sprache auch noch ziemlich alleine lernen – aber das spielt wohl nur eine untergeordnete Rolle. Denn ich denke, so wie mir geht es allen Eltern: Man muss und will und soll irgendwie mit diesem kleinen Wesen kommunizieren. Muss und will und soll seine Bedürfnisse, Gedanken, Gefühle verstehen – und die eigenen zu verstehen geben. Dabei geht verdammt viel schief: Wir drohen mit Dingen, mit denen wir gar nicht drohen wollen („… dann musst du alleine ins Krankenhaus“). Warnen vor möglichen Konsequenzen, die für ein Kind in der fernen Zukunft liegen und die wir dann oft doch nicht einhalten („… dann gibt es morgen kein Eis“). Korrumpieren unser Kind mit der Aussicht auf Dinge („… dann kriegst du später Gummibärchen“). Und überhaupt: „Wir reden viel zu viel mit unseren Kindern.“ Das sagt Jan-Uwe Rogge. Rogge ist Vater, Erziehungs- und Kommunikationsberater, Buchautor (u. a. „Wie Sie reden, damit Ihr Kind zuhört“). In seinen Seminaren betont er gegenüber den Eltern: „Wenn ihr weiterhin so viel mit euren Kindern redet, bekommen die ständig Mittelohrentzündung. Redet weniger. Und redet so, wie Kinder auch reden, kurz und knapp. Subjekt–Prädikat–Objekt.“ Die Eltern von heute, da sind sich Entwicklungspsychologen, Pädagogen, Mediziner und Hirnforscher einig, haben ein Quantitätsproblem in Sachen Kommunikation. Sie texten, schwallen, labern ihre Kinder zu. Schau hier. Schau da. Mach jenes.

Soyoun Maisch ist Kinderärztin im Süden Münchens. In ihrer Praxis haben achtzig Prozent der Kinder mindestens ein Elternteil, das nicht aus Deutschland kommt. Maisch stellt fest: „Niemand diskutiert so viel mit seinen Kindern wie die Deutschen. Wenn eine Mutter mit ihrem Kind zur Impfung kommt, wird erklärt, begründet, argumentiert. ‚Wir müssen dir jetzt einen kurzen Pieks geben. Dann wirst du nicht krank. Dann darfst du zur Oma. Dann darfst du nachher ein Eis haben. Und ein Spielzeugauto.‘ Trotzdem weint das Kind. Bei ausländischen Familien läuft das so: Die Spritze muss jetzt sein und fertig.“

Bitte zieh die Unterhose an. Bitte schmeiß nicht mit dem Käse. Nein, jetzt kein Versteckenspielen, wir müssen los: Ich wecke meine Tochter in der Regel um halb acht, um halb neun geht es ab in die Krippe. Allein in dieser einen morgendlichen Stunde muss sie schon ein kommunikatives Stahlgewitter ertragen. Eine Flut an Aufforderungen, Ermahnungen, Rechtfertigungen, Zurechtweisungen, jeden Morgen. Manche dieser kommunikativen Botschaften sind mir echt wichtig („Jacke an, es ist kalt“). Manche, wenn ich ehrlich bin, nicht so wichtig („Nein, heute kein Prinzessinnenkleid“). Manchmal schaue ich sie an, wenn ich mit ihr rede. Manchmal bin ich in einem anderen Raum.

Kurzum: Dass überhaupt etwas in unserer kleinen Familie vorwärts geht, dass ich meine Tochter überhaupt satt, sauber und angezogen bekomme und dass wir überhaupt irgendwo ankommen – eigentlich ein Wunder. Einer der größten Fehler: die Bitte. „Wenn eine Mama ,bitte‘ sagt, weiß das Kind doch immer: Es ist halb so wild“, sagt Jan-Uwe Rogge. „Gib mir bitte mal die Butter“ – das ist ein Höflichkeits-Bitte, das geht für Rogge in Ordnung. „Aber wenn ich von meinem Kind etwas will, dann muss ich schon sagen: Ich möchte, dass du jetzt dies oder jenes machst. Dann lässt man das Wort ‚bitte‘ bitte weg.“ Denn eine Bitte ist nur dann eine Bitte, wenn wir akzeptieren, dass sie abgelehnt werden darf. Und das tue ich zum Beispiel nicht, wenn es bei minus zehn Grad um das Anziehen oder Nichtanziehen der dicken Jacke geht. Und gleich dreimal nicht, wenn es bei Bronchitis um die Einnahme der Medizin geht. Dann ist meine Bitte in Wahrheit ein Befehl. Ein Befehl, um den ich ein geblümtes „Bitte“ gewickelt habe, damit er nicht so kalt, fies, alternativlos daherkommt.

Ein ähnlicher, zweiter sprachlicher Generaldefekt bei Eltern, auf vielen Spielplätzen aus vielen Mündern gehört: der Konjunktiv. Es wäre gut, wenn wir jetzt heimgehen. Könntest du bitte nicht im Dreck spielen. Würdest du bitte die Schaufel dem Mädchen zurückgeben. Martina Geisler, Leiterin der Kinderkrippe meiner Tochter, sagt: „Viele Eltern reden unheimlich viel im Konjunktiv mit ihren Kindern. Wenn ich das mitbekomme, denke ich häufig: ,Sag doch einfach deutlich, was du denkst.‘“ Kleine Kinder denken nicht im Konjunktiv, sprechen nicht im Konjunktiv, verstehen keinen Konjunktiv. Meine Tochter sagte heute nicht in der U-Bahn zu mir: „Papa, ich hätte vielleicht mal möglicherweise gerne einen rosa Regenschirm.“ Sie sagte, die Fü.e aufstampfend: „Ich! Will! Einen! Rosa! Regen! Schirm!“ Da könnten wir möglicherweise eigentlich ganz schön viel von unseren Kindern lernen, an Klarheit, an Kürze, an Präzision.

Wenn wir sie endlich weniger zutexten und ihnen mehr zuhören würden. Aber warum labern wir unsere Kinder so zu? Und sind dabei so verschwiemelt, so unklar? Warum scheuen wir die klare Ansage? Weil wir es besonders gut machen wollen. Und anders als unsere Eltern. Die Kinderärztin Maisch stellt fest: „Wir reden heute gar nicht mehr frei mit den Kindern. Wir haben viel zu viele Ratgeber gelesen und hören viel zu wenig auf unser Bauchgefühl. Früher hieß es: ,Du gehst ins Bett.‘ PUNKT. Heute immer dieses ewige Erklären.“

Der Sozialpädagoge Frank Gaschler trainiert gemeinsam mit seiner Frau, einer Psychologin, mit Eltern gewaltfreie Kommunikation. Er findet: „Unsere Generation erlebt sich im Umgang mit Kindern ständig als defizitär. Man fragt sich laufend: Welche Dramen wird mein Kind erleben, weil ich dieses oder jenes Buch nicht gelesen habe? Deshalb gibt es so viel Unklarheit in der Kommunikation mit unseren Kindern.“ Auch die Vorstellung, das Kind sei ein gleichberechtigter Partner, dem man durch Begründungen und Rechtfertigungen den Sinn von eigenen Wünschen oder Anweisungen oder Verboten zu erklären habe – aus Gaschlers Sicht eine totale Kommunikationsbremse. „Ich will keine partnerschaftliche Ebene mit einem zweijährigen Kind, das würde es völlig überfordern. Denn das Kind braucht Orientierung, Klarheit, Führung.“ Gleichwürdigkeit als Haltung, von diesem Begriff schreibt der dänische Familientherapeut Jesper Juul: Das Kind mit seinen Wünschen und Bedürfnissen ernst nehmen. Ihm aber deshalb noch lange nicht jeden Wunsch oder jedes Bedürfnis erfüllen.

Vielleicht hat mein persönliches Laberbackentum ja auch mit schlechtem Gewissen zu tun: Das Kind kommt, jedenfalls unter der Woche, bald nach dem Aufstehen in die Krippe, wird um fünf, halb sechs abgeholt, und kommt zur Tagesschau ins Bett. (Zumindest ist das der Plan …) In der Zwischenzeit will der Kümmererundkuschelpapa in mir das über den Tag am Kind Versäumte nachholen: „Schau mal, ein Bagger“, sage ich auf dem Heimweg von der Krippe zu ihr. „Sieh mal, das Riesenrad.“ „Oh, eine Kehrmaschine.“ Sie sagt dann in der Regel nichts. Schließlich hat sie schon den ganzen Tag lang mit anderen Kindern und Erzieherinnen gesprochen. Da muss auch mal eine Empfangs- und Sendepause erlaubt sein. Bagger, Riesenrad und Kehrmaschine hätte sie sicher auch ohne mich entdeckt.

Die Kinderkrippe, sagt Henning Scheich, ist so ziemlich das beste Kommunikationstraining, das ein Kind bekommen kann: „Diese ganzen sozialen Beziehungen und die Kommunikationsformen, die in frühkindlichen Bildungseinrichtungen vorkommen, die kann eine Kleinfamilie einem Kind nicht bieten.“ Scheich leitet die Abteilung Akustik, Lernen und Sprache am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Dort werden die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Lernens und der Kommunikation erforscht. Scheich ist aber nicht nur Hirnforscher, sondern auch Pferdeliebhaber. Und er findet, der Mensch – und besonders die Untergattung Eltern – könnte vom Umgang mit Pferden und anderen intelligenten Tieren viel lernen. „Pferde können ziemlich unausstehlich sein. Aber sie lernen ganz leicht, dass Guuuuut oder Schöööööön eine Bestätigung dessen ist, was sie gerade tun. Und dass sie bei einem klaren Nein!, mit gesenkter Stimme vorgetragen, das zu lassen haben, was sie gerade tun.“

In all den Seminaren, auf die wir uns so schicken lassen, aus all den Kommunikationsbüchern, die wir so lesen, lernen wir: Non verbale Kommunikation wahrnehmen! Auf Körperhaltung achten! Nicht nur auf Worte hören, sondern auch auf die Stimme! Wir versuchen, möglichst alle Sendemasten und Empfangsantennen auszufahren, bei der nächsten Montagmorgenbesprechung, beim übern.chsten Ehestreit. Aber im Umgang mit kleinen Kindern? Die in den Vorschuljahren Sprache vor allem über die sogenannte Proso die lernen, den Klang, die Tonhöhe, das Tempo? Für die also die nonverbale Seite von Kommunikation zur Verständigung viel wichtiger ist, um zu hören und gehört zu werden? Bei denen schlampen wir. Mehr auf das Wie achten und nicht nur auf das Was.

Wenn meine Tochter fernsehen will und mir das nicht passt: Will sie dann wirklich Fernsehen schauen? Oder will sie nicht eigentlich mit mir auf dem Sofa sitzen, die blaue Decke über die Beine ziehen und kuscheln? Das ginge auch mit einem Buch, ohne Fernseher. Schon wären fünfzehn vergebliche Minuten an Ich-will-aber-Nein-Doch-Nein-Doch- Streit vorbei, bevor sie begonnen haben. Und warum will ich überhaupt, dass mein Kind in diesem Moment nicht Fernsehen schaut? Weil ich das im tiefsten Innern nicht mit meinem erzieherischen Ethos vereinbaren kann? Weil eine akute Gefährdung des Kindes droht? Oder weil irgendwas in mir meint, das Fernsehen in diesem Moment verbieten zu müssen? Wir handeln und sprechen, sagt Sozialpädagoge Gaschler, viel zu sehr nach unhinterfragten Glaubenssätzen.

Und wir wollen Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie wollen oder nicht wollen müssen – ohne sie tatsächlich zu wollen oder eben nicht zu wollen.

Ein mögliches Kommunikationsvorbild: die eigene Frau oder der eigene Mann. Väter, sagt Gaschler, können von ihren Partnerinnen lernen – und umgekehrt: Warum kriegt sie das mit dem Anziehen immer so gut hin und ich nicht? Kniet sie sich nieder? Legt sie mal für einen Moment das Smartphone aus der Hand? Oder anders herum: Warum gibt es weniger Essenssauerei, wenn er das Frühstück gemacht hat? Sind seine Kommandos kürzer, knapper, eindeutiger? Klärt er seine Konflikte mit dem Kind dann, wenn Zeit ist – und nicht so wie ich, unter Strom, zwei Minuten, bevor alle in die Krippe müssen, in die Schule, zur Arbeit – zum Kommunikationstraining für Führungskräfte?

Tja, und ich mit meinem grauenhaften Medizinverabreichungssprech, wie kann ich den verbessern? Muss ich in Zukunft jedes Mal damit drohen, dass das Kind ins Krankenhaus bringe? Soyoun Maisch, die Kinderärztin, ist ziemlich gnädig mit mir: „Manchmal hilft nur Zwang. Selbst wenn es eine Wenn-Dann-Drohung ist. Damit muss man sich auch nicht im Nachgang lange beschäftigen. Was raus ist, ist raus und muss nicht jedes Mal hinterfragt werden.“ Jan-Uwe Rogge sagt: „Den pädagogischen Oscar bekommen Sie für diese Drohung nicht, und in den Elternhimmel kommen Sie damit auch nicht. Aber wenn die Beziehung zu Ihrer Tochter stabil genug ist, dann hält sie den gelegentlichen pädagogischen Schwachsinn schon aus, den der Vater so von sich gibt.“ Dann vertraue ich mal darauf. Und halte ansonsten einfach mal häufiger die Klappe. Punkt.


Wie ist das bei Ihnen? Wie schaffen Sie es, dass Ihre Kinder zuhören? Und in welche Fallen tappen Sie immer wieder?Was sind typische Situationen, in denen es schnell zu seinem Streit kommt? Wir freuen uns sehr über Ihre Antworten.

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15 Kommentare

  1. Danny

    Also die Situationsbeschreibung passt auch hervorragend auf unseren Familienalltag. Unsere Tochter (-> Anja ist meine Frau ;-)) ist ein ziemlich spezieller Fall, bei ihr greifen manchen Regeln aus der Erziehungsforschung nicht. Das bestätigen selbst unsere sehr erfahrenen Kindergärtnerinnen.

    Ein typische Situation von heute morgen ist folgende:

    „Ziehst du bitte noch die Jacke an!“ – Die Stimme meiner Tochter schlägt in ein weinerliches Schimpfen um, sie nähert sich schon wieder dem Boden und protestiert:

    „Aber – ich will die doofe Jacke nicht – es ist doch warm!“ Draußen sind es zu diesem Zeitpunkt 14 Grad. Die Jakc eist dünn.

    Die Diskussion endet in einem üblichen Wutausbruch, in welchem ich sie nur noch beruhigen kann, indem ich sie auf den Arm nehme und beruhige.

    Im Vorfeld versuche ich zu meiner eigenen Enttäuschung (nachdem es dei ganze Woche recht gut geklappt hat) wieder auf sie einzureden:

    „Draußen ist es kalt!“ … „Ich war auch schon draußen!“ – „Ich ziehe doch auch eine Jacke an!“

    Kein Erfolg!

    Anschließend entschließe ich mich dazu, mit ihr vor die Tür zu gehen um ihr zu zeigen wie kalt es ist. Vorher ist meine Frau bereits zur Arbeit gegangen und ich sollte sie mit dem Roller zum Kindergarten bringen.

    „Maaaaamaaaaaaaah, ich will meine Mamaaaaa“
    „Die Mama ist doch zur Arbeit gegangen, schau ihr Fahrrad ist auch scon weg!“
    „Mamaaaaaaaaa“ – Ihr Weinen wird immer tragischer.

    Keine Chance mehr sie zu beruhigen. Das vorherige Thema (jacke anziehen steht nicht mehr im Vordergrund).

    Ich nehme sie hoch und beruhige sie, aber muss mich dann doch rechtfertigen für meine Wortschwall und meine Enttäuschung.

    Sie beruhigt sich und anschließend (nachdem ich ihr den Roller und Rucksack von drinnen geholt habe) gehen mir einträchtig in den Kindergarten.

    Diese Situation lässt sich täglich in anderen Bereichen wiederholen.
    Ich habe bei ihr allerdings schon festgetellt, dass dieses permanente Einreden überhaupt nichts bringt.
    Kurze und prägnante Anweisungen, denen zwar Protest folgt aber in der Regel die Akzeptanz und der Erfolg.
    Das funktioniert allerdings meistens nur, wenn meine Frau nicht mit dabei ist (gleiches gilt während meiner Abwesenheit). Wenn wir beide zusammen sind, sucht sie sich logischerweise den WEg des geringsten Widerstands.

    Also – bei Ablehnung durch mich – einfach Mama fragen, wenn die auch nein sagt – Protestieren, irgendeiner wird schon schwach werden, meistens ist es auch Mitleid die Mama.

    So geht es also uns allen gleich, weniger ist meistens wirklich mehr. Gut zuhören was einem die Klienen lieben zu sagen haben und gerade auf dem Weg zurück vom Kindergarten einfach zuhören was die Kinder sagen und nicht mit Smalltalkl-Fragen auf sie einprügeln a la „Und was gabs zu essen“.

  2. Anja

    Da bin ich ganz gut beschrieben mit meiner Kommunikation. Ich rede und erkläre auch sehr viel.
    Ich will aber auch keinen Soldaten aus meiner Tochter (4) machen und lasse sie bestimmte Dinge mit entscheiden. Auf der anderen Seite gibt es auch bestimmte Regeln, die sie einhalten muss.

    Meine Tochter ist sehr kommunikativ und ich finde, nicht ich laber ihr ein Ohr ab, sondern sie mir 😉

  3. Sebastian Ghislain

    Was einem dieser Artikel ganz deutlich veranschaulicht ist die Überdosierung an Ratschlägen die man als frisch gebackene Eltern bekommt.
    Teils selbst eingefordert (Ratgeber, Elternzeitschriften,“erfahrene Eltern“) zum großen Teil aber auch ungefragt (Nachbarn, Omas und Opas…die Liste könnte ewig lang sein).
    Eine der größten „Errungenschaften“ der letzten Jahre ist das Eltern Ihre Kinder schon von kleinauf als „kleine“ Erwachsene behandeln, damit die sich möglichst frei entfalten können und bloß keiner sagen kann das man Druck ausübt oder Kindern nicht genug erklärt und es nicht „frei“ entscheiden könnte.

    Ich finde ganz klar, Kinder können nicht alles frei entscheiden, Kindern alle Notwendigkeiten des Lebens zu erklären übersteigt, selbst im Versuch, zeitlich und nervlich die Möglichkeiten fast aller Eltern. Ich selbst finde mich im Durcheinander der Möglichkeiten, und Erziehungsphilosphien immer wieder hin und hergerissen wieder. Soll ich das jetzt meinem dreijährigen erklären, oder wird es auch so akzeptieren. Verletze ich mit den Anforderungen die ich stelle (aufräumen, still sitzen, zuhören) seinen Freiraum. Kommen wir mit unseren Erziehungsmethoden an den Pranger im Kindergarten, oder kriegen wir stillen Applaus?

    Es ist eigentlich wie es immer war, die Eltern haben für die Erziehung zu sorgen. Die Art und Weise der Kommunikation von Grenzen und Anforderungen ist dabei natürlich jedem selbst überlassen, solange es sich im erlaubten Rahmen bewegt.

    Ich denke Kinder verstehen tatsächlich die direkte Ansage am besten, Sie werden klare Definitionen nicht hinterfragen, und es muß Konsequenzen für das Handeln geben. Wenn man das Bild eines „kleinen“ Erwachsenen vor Augen hat, so tut man sich sicherlich schwerer die klaren Ansagen zu formulieren und eben auch durch zu setzen. Wenn man aber eigentlich weiß, das dieses kleine Wesen voll Liebe und Vertrauen zu den Eltern uns genauso lange böse ist wie wir ihm (in meinem Fall max. 5 Minuten) dann fällt es einem vielleicht leichter hin und wieder zum Wohle der Familie und Kinder, den vermeintlich harten Weg der klaren Ansage zu gehen.

    Das lässt sich sicherlich nicht in jeder Situation durchsetzen, denn auch Eltern sind müde, krank, genervt und haben manchmal schlechte Laune und dann gehen die meisten den kurzen, vielleicht falschen Weg, der leeren Drohung. Solange das nicht der Dauerzustand ist, denke ich erholen sich die Kinder auch schnell von den schwachen Elternmomenten.

  4. Ein toller Artikel, der mir sehr aus der Seele spricht! Ich bin mir bewußt, dass langes Diskutieren mit Kindern unsinnig ist – ertappe mich leider aber doch manchmal dabei. Fakt ist: Kommen klare Ansagen, klappt das Zusammenleben deutlich besser, als wenn lange rumgeschwafelt wird. Außerdem ist liebevolle Konsequenz erstes Gesetz. Mein Sohnemann (mittlerweile 11 Jahre jung) weiß ganz genau: Mama und Papa drohen nur einmal. Nutzt er diese Chance nicht, kommt das angedrohte Verbot ohne Wenn und Aber. Im ersten Moment ist er dann natürlich sauer hoch zehn, aber dann kommt meistens die Einsicht. Jetzt, wo er so langsam aber sicher zum pubertierenden Teenie-Monster mutiert, bin ich unheimich froh darüber, dass wir das immer so durchgezogen haben. Mein Sohn selbst hat unseren Erziehungsstil sogar mal gelobt. Als wir beim Eisessen eine Mutter mit ihrem ausser Rand und Band geratenem Dreijährigen beobachteten, die ständig darum bat, dass der süße Kleine doch bitte mal nicht über Tische und Bänke klettern soll und das er doch bitte das Eis mit dem Löffel und nicht mit beiden Händen essen möge, meinte mein Sprössling nur: „Mama – man gut, dass ich so nicht großgeworden bin!“ Das sagt doch so ziemlich alles! 😉 In diesem Sinne: Liebe Eltern – nicht so viel labern, sondern klar und deutlich sagen, wo der Hase langläuft! Auch wenn´s manchmal schwerfällt …

  5. Wenn die Geduld noch reicht verbinde ich unangenehme Aufgaben mit einem Spiel. So gibt es zum Beispiel abends manchmal Zahnputz-Disco (zu richtig lauter Musik wird dann geschruppt) oder morgens auch mal die „Anzieh-Anlage“. Wie in der Waschanlage werden nacheinander die verschiedenen Programme mit dem jeweiligen Kleidungsstück ausgeführt. Vorher wird am Kopf natürlich die Antenne abgeschraubt…
    Wenn die Kids abends sehr müde sind, machen wir auch schon mal Abendbrot-Picknick auf einer Decke im Kinderzimmer. Das geht viel schneller, da alle Brote und der Obstteller schon fertig sind. Und Spaß haben wir dann natürlich auch!!

  6. Fam. Ludwig

    Bei uns hilft (neben den bereits genannten Methoden) vor allem mein Dialekt. Hört sich komisch an – ist aber so. Ich komme aus Bayern, mein Mann aus Berlin, wir leben in Sachsen – da ist Hochdeutsch unverzichtbar. Doch wenn es fix gehen muss und der nervliche Bogen auch schon überspannt ist, dann genügt ein Satz in bester bayrischer Mundart und unsere Tochter kapiert sofort: Mama meint es ernst, jetzt mach ich lieber mal mit.

    :)

  7. wir sind auch zum positiven Umformulieren übergegangen. Klappt nicht immer, aber immer öfter.

  8. Hell

    Ich habe manchmal das Gefühl „Ich zähle jetzt bis drei“ ist schon mein zweiter Vorname. In letzter Zeit versuche ich es aus purer Kreativität andersrum wie das große Versteigerungshaus „3,2,…“ Mein Kleiner (3) schreit immer schon „Mami, nicht zählen!“, aber komischerweise bewegen sie sich dann. Es ist aber ein klarer Fall von „Kinder sind hinüber, Mami ist völlig ermüdet und Geduldsmäßig am Ende und es geht nichts anderes mehr“. Bei uns sind es eigentlich die Zeiten am Abend, die mich auf die Belastungsprobe stellen. Der freundliche Ehegatte noch nicht zu Hause und man selbst steht da mit den abendlichen Ritualen und zwei Kindern, die eigentlich vor 20 min noch müde waren und jetzt mit hollerido und hopsasa durchs Haus stürmen, aber eigentlich schon auf Reservebatterie sind. Da muss man sich schon ganz schön am Riemen reißen, um sich was einfallen zu lassen.
    Strategien, die (manchmal/meistens) greifen:
    1. „Kinder, wollt Ihr der Mami eine Überraschung machen? Ganz schnell ausziehen und Zähne putzen – wie wär’s?“ Funktioniert recht häufig, weil die Kinder Überraschungen auch für sich lieben. Man muss natürlich völlig baff sein, wenn die Zwerge einen triumphierend im Schlafanzug mit blinkenden Zähnen anblicken.
    2. Als unsere kleiner waren: „Weißt Du eigentlich, wie der blaue Eimer in den Wald gekommen ist? Nein? Tja, dann mach mal schnell den Mund auf und lass mich die Zähne putzen, dann erzähle ich es Dir nebenbei.“ Dies lässt sich wunderbar Abend für Abend variieren, bis das Kind dann hinterher am Geschichtsfaden mit teilnimmt und eigene Ideen einbringt.
    3. Kennt jemand den kölschen Karnevalssong „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hät dooosch.(oder so ähnlich)“? Wir sind zwar Hamburger, aber die Kinder lieben es, mit diesem Song die Treppe in Polonaise mit den Eltern raufzutapsen und laut gröhlend ins Kinderzimmer zu marschieren. Die erste Hürde ist dann schon mal geschafft.
    4. Zugegebenermaßen wir haben zwei Jungs: Witze erzählen, ist ja gerade das Größte. Wenn man selbst auch noch neue weiß, dann ist die Stimmung aufgeheizt fröhlich. Dann lässt sich manches Mal auch eine Ansage a la „Ich mache Euch einen Vorschlag, lass uns doch schnell den Tisch abräumen, Schlafanzug anziehen und wir können dann noch im Witzebuch schmökern.“ unterbringen.
    5. Prinzipiell nicht zu viele Verabredungen oder Aktionen nachmittags planen. Einfach mal 1-2 Tage in der Woche zu Hause sein, jeden mal für sich machen lassen, kein Hörspiel oder Fernsehen. Aus vermeintlicher Langeweile entsteht die benötigte Entspannung, wenn man sich intensiv und in Ruhe mit dem einen oder anderen Spielzeug auseinandersetzen kann.
    6. AUFMERKSAMKEIT! Ich stelle fest, dass nach meiner Beteiligung am Spiel oder einfach Dabei sein, die Kinder viel besser auf mich ansprechen, als wenn ich versuche, den Haushalt zu erledigen und immer sage „Ja, ich komme gleich, ich muss noch kurz….“. Der Geduldsfaden reißt dann irgendwann bei den Kindern und dann haben sie auch keine Lust mehr auf Ansagen zu hören…

    Habe ich mich genug ausgetobt? Ich bin sehr gespannt auf andere Ideen und lasse mich gerne in diesem Fall missionieren :-)

  9. Juliane

    Hi,

    was bei uns hilft:

    1. versuchen den Wunsch positiv zu formulieren. Nicht z.B. „Komm da runter, du tust Dir sonst weh/haust dir ein Loch ins Knie/brichst dir den Hals!!“ sondern „Komm bitte da runter, ich möchte dass du heile bleibst und gesund bleibst!“ Hört sich auch viel netter an.

    2. Kompromisse zulassen. „Noch 5 Minuten aufbleiben? Ich kann dir 2 Minuten plus langes Buch anbieten.“

    oder auch mal

    „Ok, 5 Minuten. Dann muss ich mich aber auch drauf verlassen können, dass es klappt!“

    Meine Tochter ist knapp 6 und es klappt. Wenn gar nichts mehr geht, tatsächlich mal bedeutungsschwanger bis 3 zählen…;-)

    • Karin

      Das ist doch schon wieder zu viel Gedöns und zu viel Gerede.
      Das ist doch auch kein Wunsch, sondern sollte eine Ansage sein. „Komm da runter“ muss es heißen, auch wenn es sich nicht so nett anhört. Ist doch zu ihrem Schutz und nicht um sie zu drangsalieren.
      Man sollte einfach öfter an seine eigene Kindheit denken, denn die Eltern dieser Zeit haben es meiner Meinung gut gemacht und wurden von ihren Kindern respektiert. Sie brauchten keine Ratgeber, um glücklich mit den Kindern zu leben. Und mehr Zeit hatten sie auch nicht.

  10. Was (bei uns) gut funktioniert ist zu flüstern … die kindliche Neugier kann nicht widerstehen und die volle Aufmerksamkeit ist gewiß 😉