Nur 35-Stunden

Eltern fällt es immer noch schwer einen passenden Job zu finden, der Familie und Beruf gut vereinbar macht. Wir haben mit der Gründerin einer Stellenbörse, die sich gezielt an Mütter (und Väter) richtet, gesprochen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) fordert aktuell eine 35-Stunden-Woche für Eltern und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagt in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Wir müssen Vollzeit für Familien neu definieren. In der Rush Hour des Lebens kommt alles zusammen: Kinder kriegen, die Pflege der Eltern organisieren, als Fachkräfte zur Verfügung stehen.“

Die Idee der DIHK ist, dass beide Elternteile 35 Stunden in der Woche arbeiten und nicht ein Partner Vollzeit und der andere in Teilzeit. Laut  DIHK-Präsident Eric Schweitzer bieten jetzt bereits 80 Prozent der Unternehmen flexible Arbeitsmodelle an.

Und das nutzten auch die beiden Gründerinnen einer neuen Online-Jobbörse, die im Februar 2014 mit deutschlandweiten Stellenangeboten speziell für qualifizierte Mütter startete. Das Jobportal jobsfuermama.de hat sich auf Teilzeitjobs, Projektarbeit und Homeofficearbeit spezialisiert und bietet so ein hohes Maß an Flexibilität. Wir haben mit einer der Gründerinnen, Simone Wendeln, über ihre Idee gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee eines Jobportals für Mütter gekommen?
Meine erste Tochter habe ich vor drei Jahren bekommen. In der Elternzeit trifft man viele andere Mütter und mit denen spricht man dann natürlich auch über den Wiedereinstieg. Für Mütter, gerade mit jungen Kindern gibt es da viele Probleme durch den Mangel an Betreuungsplätzen und auch mit den Unternehmen, weil die oft doch nicht so flexibel sind. Meine Partnerin Sabine Soblik ist während der Elternzeit mit ihrer Familie in eine andere Stadt gezogen und hatte auch dort viele Probleme vor allem einen spannenden Job zu finden für den sie nicht überqualifiziert war. Warum sollte man seine Anforderungen zurückschrauben, weil man Mama geworden ist? Die Fähigkeiten sind doch die selben.

Jobportale für Mütter haben wir dann in anderen Ländern gefunden wie zum Beispiel England, Neuseeland und den USA. Unsere Idee konnte also so schlecht nicht sein und so ist sie dann langsam gewachsen.

Ist Ihr Portal speziell für Mütter gedacht? Oder einfach hauptsächlich für Mütter, weil die Väter doch meistens noch Vollzeit arbeiten?
Nein, das Angebot gilt natürlich für Mütter und Väter nach der Babypause, aber meistens kümmern sich ja doch eher Mütter um die Kindererziehung. Laut einer Studie würden 58 Prozent der Mütter mit Kinder zwischen einem und drei Jahren gerne wieder arbeiten und wenn man sich mal so umschaut sind es dementsprechend dann auch viele Mütter die nach flexiblen Teilzeitstellen suchen und mit denen können wir uns natürlich gut identifizieren. Väter sind uns aber selbstverständlich genauso herzlich willkommen und wir haben auch schon ein paar Anmeldungen von Vätern in unserem Portal, die sich an den Wiedereinstieg machen.

Wie reagieren Unternehmen auf Ihre Idee?
Die meisten Unternehmen reagieren erst mal positiv. Aber in einer Studie von A.T.Kearney 361 Grad geben nur 38 Prozent der Unternehmen an, dass Familienfreundlichkeit für sie eine Selbstverständlichkeit ist. Das ist nicht schlecht aber könnte noch besser werden. Wir sprechen viel mit Unternehmen darüber, dass gut ausgebildete Mütter eine Lösung für den Fachkräftemangel sind. Problematisch wird es aber wenn Unternehmen Mütter wegen der erhöhten Möglichkeit eines Ausfalls als Risikoarbeitskräfte einstufen. Dabei sind sie meist viel effizienter und können oft die gleichen Arbeiten in Teilzeit erledigen wie ihre Vollzeitkollegen. Außerdem gewinnen Frauen durch ihre Mutterschaft viele neue Kompetenzen – nicht umsonst heißt es, dass Mütter zu Hause ein kleines Unternehmen leiten.

In vielen Jobportalen findet man Stellen die schon längst besetzt und nicht mehr aktuell sind. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Angebote von Arbeitgebern und auch -nehmern immer aktuell bleiben?
Das haben wir uns auch gefragt. Wir schreiben unsere Bewerber regelmäßig an und fragen, ob sie noch auf der Suche sind oder was es Neues gibt, damit die Profile aktuell bleiben. Die Inserate von Unternehmen werden nach sechs Wochen automatisch gelöscht. Wenn die Stelle schon vorher besetzt wird können Unternehmen die eigenen Inserate auch selber wieder aus dem Angebot nehmen.

Was ist das große Unterscheidungsmerkmal Ihres Portals gegenüber anderen Jobportalen?
Wir bieten jetzt schon Informationen rund um das Thema Familie und Jobs – Kinderbetreuung, Links und Kontakte aber auch zu Rechtlichem. Unser Portal steht aber noch am Anfang und wir wollen unser Angebot ausweiten um mehr Hilfestellung geben zu können. Unternehmen, die bei uns ein Jobinserat verfasst haben können gleich selber in unserem Pool unter den Müttern, die Ihr Profil veröffentlicht haben, aktiv nach einer passenden Bewerberin suchen. Außerdem legen wir großen Wert auf qualifizierte, gute Jobs – also Angebote für die man eine bestimmte Ausbildung und Erfahrung braucht.

Wie sehen Sie die Forderung einer 35-Stunden-Woche für Eltern?
Wir freuen uns, dass der Vorschlag aus der Wirtschaft kommt! Das zeigt, dass Arbeitgeber erkennen, dass man auf die Ressource Mutter nicht verzichten kann. Allerdings bedeuten 35 Stunden in der Woche auch 7 Stunden Arbeit plus Anfahrtszeit plus Mittagspause. Uns ist es wichtig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern Flexibilität bieten, egal wie viele Stunden pro Woche letztendlich vereinbart werden. Mütter sind ausgebildet und qualifiziert mit vielen Fähigkeiten, die unbedingt genutzt werden sollten. Deshalb achten wir bei uns darauf, dass nur gute und qualifizierte Jobs angeboten werden.

Deborah Dillmann
Über die Autorin:
Deborah Dillmann mag Sonne, gute Laune und die eigene Nase in einem spannenden Krimi.

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3 Kommentare

  1. Eve

    Wieso muss das Jobsfuermama heißen? Wie bescheuert und fehl am Platz fühlt sich da denn der Elternzeitvater? Und wieviele Mütter werden den Link ihren Partnern weiterleiten, damit auch er Stunden reduziert und sich beide die Kindererziehung teilen?
    Ich verstehe es nicht. Mit dieser Namensgebung und Aufmachung geht der Schuss doch nach hinten los.

  2. Pingback: Die Initiative “Perspektive Wiedereinstieg” | MomPower

  3. Jan Gericke

    Superidee, finde die Seite nur etwas schade, da das alte Rollenbild bedient wird.