Reden wir, Frau Schröder!

Sie ist die umstrittenste Ministerin Deutschlands. Ein Gespräch mit Kristina Schröder über die Schwierigkeiten des Kita-Ausbaus, Buh-Rufe bei öffentlichen Auftritten und ihr Bedürfnis, genügend Zeit mit ihrer Tochter verbringen zu können.

Interview: Mareen Linnartz und Julia Rothhaas

Frau Schröder, Sie sind Mutter einer einjährigen Tochter – haben Sie schon einen Krippenplatz?
Ich weiß jedenfalls, wie es ist, sich auf Wartelisten einzutragen. Das glaubt mir keiner, aber das ist bei uns nicht anders als bei anderen auch.

In unserer letzten Nido-Ausgabe haben wir eine Petition gestartet, die an Sie adressiert war: “Wohin mit unseren Kindern, Frau Schröder?”. Anlass: Ein Jahr vor dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter dreijährige Kinder fehlen noch mindestens 160.000 Plätze. Anstatt zu antworten, haben Sie als eine der ersten die Petition unterschrieben. Das wirkt, als fühlten Sie sich gar nicht angesprochen.
Ganz im Gegenteil. Ich habe mich sogar massiv angesprochen gefühlt, sonst hätte ich ja nicht sofort unterschrieben.

Aber die Petition war an Sie als zuständige Familienministerin gerichtet! Das ist so, als ob ein Vater mit seinen Kindern über das Chaos im Kinderzimmer schimpft und die sagen: Stimmt, ist wirklich schlimm und sotun, als hätten sie mit der Unordnung nichts zu tun.
Dieser Vergleich ärgert mich. Um im Bild zu bleiben: Ich bin eher der Onkel, der zugesagt hat, die Familie bei der Kinder-Betreuung gerne zu unterstützen und plötzlich  erlebt, dass ihn seine Verwandtschaft wie selbstverständlich rund um die Uhr verplant.

Wie meinen Sie das?
Deutschland hat jahrzehntelang bei diesem Thema gepennt und sich beim Krippengipfel 2007 endlich entschieden, aufzuholen und massiv Geld für den Krippenausbau auszugeben. Der Bund übernimmt freiwillig bis 2013 mehr als die Hälfte der Baukosten, aber der Ausbau und der Betrieb von Kitas bleibt trotzdem zuallererst Sache der Länder und Kommunen! Dafür sind sie verfassungsrechtlich zuständig. Und nicht der Bund!

Gut, aber Sie als Regierungsmitglied schaffen die rechtlichen Rahmenbedingungen. Sie sind seit annähernd drei Jahren im Amt, haben aber erst kürzlich “das vor uns liegende Jahr zum Jahr des Kita-Ausbaus” erklärt. Haben Sie als Onkel vielleicht zu spät geschimpft?
Ich habe tatsächlich manchen Mitspielern zu lange vertraut, auch weil 2007 nur ein sehr lasches Controlling vereinbart worden war. Man kann zwar nicht verallgemeinernd sagen, dass alle Länder ihre Hausaufgaben nicht machen, aber es ist interessant, wie unterschiedlich sie mit den Mitteln umgehen, die der Bund bereit gestellt hat. Vor allem den Kommunen sollte man nicht unrecht tun, denn da haben viele ähnliche Erfahrungen mit den Ländern wie ich, nur von der anderen Seite aus. Es sind allein 100.000 Plätze von März 2011 bis März 2012 entstanden. Wirhaben seitdem noch 14 Monate Zeit für weitere 160.000 Plätze. Das ist machbar, wenn auch nur mit einer riesigen Kraftanstrengung.

Sie brauchen auch bis nächsten August noch sehr viele Erzieher. Wo wollen Sie die her bekommen?
Ich darf von der Bundesseite aus weder Erzieherinnen ausbilden noch anstellen. Aber ich kämpfe zum Beispiel dafür, Wiedereinsteiger für den Beruf zu gewinnen, die zu Hause geblieben oder in einen anderen Beruf abgewandert sind. Und 50 Prozent aller Erzieherinnen arbeiten nur in Teilzeit, obwohl viele davon gerne voll arbeiten würden. Das müssen wir ändern.

Die Kommunalverbände setzen darauf, dass der Rechtsanspruch im Bundestag per Verordnung auf 2018 verschoben wird.
Keine Chance, auf keinen Fall. Dafür habe ich auch die volle Rückendeckung der Kanzlerin.

Julia Rothhaas
Über die Autorin:
Julia Rothhaas und Mareen Linnartz sind Textredakteurinnen bei Nido. Gemeinsam fuhren sie nach Berlin, um dort Kristina Schröder zu treffen.

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