So wollen wir arbeiten!

Es ist nicht unmöglich, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen: Zwölf Forderungen, wie sich die Jobwelt ändern muss.

so wollen wir arbeiten

Lange Bürozeiten und immer verfügbare Angestellte, die ihre Kinderbetreuung selbst organisieren: So stellen sich Unternehmen die ideale Arbeitswelt vor. Eltern wünschen sich etwas anderes. Aber sie müssen die Alternativen auch klar formulieren. Für unsere Geschichte in der neuen Ausgabe von Nido haben wir Sie gefragt:

Wie wollen Sie in Zukunft gerne arbeiten?
Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für arbeitende Eltern?
Wie wollen Eltern ihr Geld verdienen, sich organisieren, sich aufteilen und absprechen?
Wie wollen Eltern ihre Kinder betreuen oder betreuen lassen?
Welche Voraussetzungen müssen Arbeitgeber erfüllen, um Eltern als Arbeitnehmer zu unterstützen?
Wie sähe der ideale Arbeitsplatz aus, den Eltern sich wünschen, der ihnen erlauben würde, auf die oft akuten Erfordernisse des Eltern-Daseins zu reagieren, der Eltern und ihre Kindern gerecht wird?
Was ist Arbeit, die Eltern erfüllt?

Wir haben 12 Forderungen an die Wirtschaft und an uns selbst gestellt – von der 32-Stunden-Woche bis zur 24-Stunden-Kita, von ernsthaft-kämpferisch bis fantastisch-utopisch. Alle Forderungen finden Sie in der neuen Ausgabe von Nido – ab 24. Oktober im Handel!

Auf den nächsten Seiten finden Sie einige persönliche Elternmeinungen aus der Redaktion. Und wie sehen Sie das?

Eltern, werdet selbstbewusster!
Sie flüstern. Rufe ich freie Autoren nachmittags an und erreiche sie, wenn sie mit ihren Kindern über den Spielplatz tollen, senken sie verschämt die Stimme: Nein, sie hätten ihren Text nicht vor Augen, sie wären draußen und nicht am Schreibtisch, Entschuldigung. ­Woher nur diese Schuldgefühle?!

Hey, ihr kümmert euch doch gerade um eure Kinder. Ernsthaft: Was mehr kann man leisten? Auf jedem Flughafen grölen pomadige Manager in ihre Handys, stolz, dass Rio, New York, ­Tokio dran ist. Nicht, dass diese Nadelstreifen Maßstab wären, sicher nicht, doch einen Hauch von ihrem Selbstbewusstsein würde allen Eltern gut tun. Ihr kriegt doch mehr als die meisten auf die Reihe. Ihr kämpft jeden Tag den Kampf, der sich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ nennt. Ihr solltet stolzer sein als jeder Nadelstreifen.

Und: Ihr macht einen Unterschied von 25 Prozent aus. Laut einer Modellrechnung des Prognos-Instituts erbringen Investitionen in elternfreundliche Maßnahmen dem Arbeitgeber nämlich einen „Return of Investment“ von 25 Prozent. Wenn ein Arbeitgeber 100 Euro investiert, bekommt er 125 Euro heraus. Unternehmen profitieren also von Familienfreundlichkeit, unter anderem durch niedrigere Krankenstände, weniger Personalwechsel, höhere Motivation und so auch bessere Leistungen. Denkt bei der nächsten Gehaltsverhandlung daran, Eltern. Und bitte flüstert nicht mehr am Telefon. Ich ruf einfach morgen noch mal an.

Daniel Ramm, Nido-Redakteur, ist mit Frau und zwei Jungs in Hamburg zu Hause.

Auf den nächsten Seiten finden Sie noch mehr persönliche Elternmeinungen und weiterhin noch viele weitere in der aktuellen Ausgabe von Nido. Und wie Sehen Sie das?

Wir wollen über unser Gehalt bestimmen!
Es fing immer mit diesem Satz an: „Ich würde gern über mein Gehalt sprechen.“ Termin machen mit der Geschäftsführung. Zettel und Stift raus, überschlagen: Was verdiene ich jetzt? Was leiste ich? Was möchte ich verdienen? Schließlich schrieb ich eine Summe nieder, die knapp unterhalb von unverschämt lag. Die übernahm ich als Forderung. So lief das ab bei dem Unternehmen, für das ich einmal gearbeitet habe. Es gab keine Tariflöhne. Jedes Gehalt war individuell vereinbart. Manch ein Kollege war so glücklich, überhaupt eingestellt zu werden, dass er das erste Gehaltsangebot annahm – und fünf Jahre nicht verhandelte.

Als der Betriebsrat sich die Gehaltsliste vornahm, kam heraus: Die Unterschiede waren so groß, dass es schmerzte. Und zwar nicht nur die Benachteiligten, sondern alle. Unter den Schlechtverdienern waren Singles, aber auch viele junge Väter und Mütter. Für die war die Erkenntnis besonders bitter. Die größere Wohnung, der Sommerurlaub, das neue Kinderfahrrad – wäre vielleicht alles drin gewesen, wenn das Gehalt auf dem Niveau des Kollegen am Schreibtisch gegenüber gewesen wäre.

Auch wenn ich gut gefahren bin mit meiner Basar-Taktik, mache ich einen Vorschlag: Wir alle setzen uns mal mit den Chefs zusammen und entscheiden gemeinsam, was jeder von uns verdienen soll. Überall heißt es: Transparenz ist Trumpf, Mitbestimmung ist ein deutsches Erfolgsgeheimnis. Wird schließlich für jede marginale Angelegenheit eine Konferenz einberufen, warum dann nicht für das Thema, das über Wohnung, Urlaub, Kinderfahrräder und Rentenniveau entscheidet? Lasst uns mal reden: Was jeder einzelne leistet, was wir alle zusammen leisten – und was wir uns an Entlohnung zugestehen.

Mir geht es gar nicht darum, basisdemokratisch zu sanktionieren, dass Eltern einen Kinderbonus ausgezahlt bekommen. Reicht schon, dass mal alle sehen, was die alleinerziehende Mutter im Job leistet, ohne Murren, jeden Tag. Reicht schon, dass sie nicht unter Wert bezahlt wird. Außerdem sind Eltern gut in sowas: sich an einen (Küchen-)Tisch setzen, Kassensturz machen, Gerechtigkeit und Konsens herstellen.

Wer jetzt sagt: Danke für die Idee, aber wie soll das funktionieren? Den verweise ich an eines der vielen Unternehmen in Deutschland, die das Modell heute schon umsetzen. An Benno Löffler zum Beispiel, Partner der Unternehmensberatung V&S. Dort bestimmen die Mitarbeiter seit Jahren über ihr eigenes Gehalt – im Konsens mit den Kollegen und nach Einsicht in die Unternehmenszahlen. Löffler, Vater von drei Kindern, sagt: „Wer Kinder hat und wer nicht – das hat bei Gehaltsdiskussionen nie eine Rolle gespielt.“ Muss gar nicht sein, denn: „Jemand, der sein Leben gut organisiert, hat schon mal eine bessere Chance, von Kollegen gut bewertet zu werden.“

Vorteil Eltern, würde ich sagen.

Diese persönliche Meinung stammt von David Schumacher, Nido-Redakteur, er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hamburg.

Gebt uns ein Erziehungsgehalt!
In Skandinavien gibt es ein Erziehungsgehalt. In Deutschland wird darüber seit Anfang der 80er diskutiert. Was soll das? Sind wir mal ehrlich: Kindererziehen ist ein Fulltimejob. Job, genau. Denn genau wie ein Job macht es auch mal keinen Spaß. Dann ist es eher wie ein Ehrenamt: es ist anstrengend, kostet Geld und Nerven und am Ende des Tages bin ich meistens im Arsch – eine Formulierung, die genauso zutrifft.

Beim Kindererziehen gibt es weder Tarifvertrag, noch Mindestlohn. Dafür: ein ziemliches hohes Risiko im Alter arm zu sein und an den Rand von Stadt und Gesellschaft gedrängt zu werden. Eine Zahl gefällig? Laut Statistischem Bundesamt kostet ein Kind durchschnittlich 550 Euro im Monat. Wenn ich das hochrechne bekomme ich Angst, also lass ich es. Vor allem, weil diese Rechnung weder eine größere Wohnung, noch irgendwelche Vorsorge- und Versicherungskosten umfasst. Ein Superdeal ist was anderes.

Ich weiß schon, leuchtende Kinderaugen machen glücklich und so. Nur: vom Glück alleine kann ich auch kein Gemüse kaufen. Nun ist es ja nicht so, dass über Familien kein Geld ausgeschüttet wird. Die finanzielle Gesamtsumme, die in Deutschland verteilt wird, ist durchaus okay (etwas über 120 Milliarden Euro), aber die Leistungen sind umständlich zu bekommen, zerstückelt, treffen mal zu und mal nicht. Und wenn man in einer Schlange auf dem Amt steht um irgendwas zu beantragen, nur weil man ein Kind hat, dann fühlt sich das immer noch so an, als habe man eine Krankheit und versucht, die Pflegestufe zu erhöhen.

Ich benötige keinen Zuschuss zum Schulessen. Ich will ein Gehalt für die Kindererziehung. Und zwar eins, dass die Kosten auch abdeckt. Ich habe es verdient. Und alle anderen mit Kindern auch.
Ich kann die Bedenkenträger schon heulen hören, aber es gibt keinen Grund, warum Erziehung nicht bezahlt wird. Zumal es sowas ähnliches wie ein Gehalt ja schon gibt: nennt sich etwas schüchtern „Kinderfreibetrag“. Warum nicht offensiv damit umgehen? Warum nicht alle Leistungen abschaffen und zu einer fusionieren: dem Gehalt?

Schließlich kümmern wir Eltern uns durch unsere Kinder um Land und Gesellschaft – auch dann, wenn wir nicht mehr da sind. Klingt pathetisch, ist aber so. Ich glaube ja, dass es nichts Gefährlicheres gibt, als Kinderlose, schließlich ist denen die Zukunft egal.
Als die CSU das Betreuungsgeld vorschlug, hatte ich kurz Hoffnung das Erziehungsleistung gewürdigt wird, (ich hätte nie gedacht, dass ich „Hoffnung“ und „CSU“ mal in einen Satz packen kann), aber natürlich endete auch dieser Versuch, wie alles in Deutschland endet, was mit Kindern zu tun hat: ein Riesenbuhei um verdammt wenig.

Diskutieren wir lieber noch ein bisschen.

Philipp Kohlhöfer, Autor, lebt mit seiner Tochter in Hamburg und hat uns seine persönliche Meinung mitgeteilt.

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(muss sein)

13 Kommentare

  1. Anna

    Wie schon Philipp Kohlhöfer in dem Artikel sagt, wünsche ich mir auch ein „Erziehungsgeld“. Eine Aufstockung des Geldes auf mein altes Gehalt, da ich jetzt in Teilzeit arbeite (arbeiten muss). Das war schon nicht viel, denn ich habe es verpasst „Karriere zu machen“. Damit nicht jede Notwendigkeit, wie Schuhkauf, neues Fahrrad, neue Brille oder so für Magenschmerzen und unruhige Nächte sorgt.

  2. Jenny

    Ein paat ernst gemeinte Fragen zu den Forderungen im Artikel, da ich es mir einfach nicht erklären kann.
    Wie geht es euren Kindern dabei, wenn ihr sie einfach mal später (18 Uhr) abholen kommt? Oder sie in eine andere Kita steckt, weil die eigene zu hat? Das Kind kennt da ja niemanden. Oder es zum Übernachten in die Kita schickt? Machen das die Kinder einfach mit, weil Mama und Papa arbeiten müssen?

    • Anna

      Würden meine Kinder nicht mitmachen, aber das Geld muss ja verdient werden

    • KatLouis

      Natürlich machen das Kinder nicht einfach mit. Ich habe diese Forderung nicht verstanden und halte sie auch nicht für unterstützenswert. Also eigentlich eher für „verbotenswert“. Bestimmte Arbeitszeitmodelle sind mit Kindern nicht mehr machbar. Interessant dein vorsichtiger Einspruch: „Ein paat ernst gemeinte Fragen zu den Forderungen im Artikel, da ich es mir einfach nicht erklären kann.“ Anscheinend ist man schon reaktionär wenn man sich über Kinder Gedanken macht und nicht davon ausgeht dass sie so eine Art Organisationsposten sind, der doch irgendwie auch noch untergebracht werden kann/muss. Mein Sohn ist täglich von 8-16 in der Kita und es gefällt ihm supergut. Aber an manchen Tagen mag er nicht. (Vor allem wenn lange keine Ferien waren). Ich weiß also nicht, wie diese superflexiblen Modelle funktionieren sollten…

  3. Mareike Niefindt

    Der Artikel trifft den Nagel genau auf den Kopf und genau diese Denkensweise wünsche ich mir in der Politik. Das derzeitige Leben mit Kind und (Vollzeit-)Beruf ist heutzutage nur noch mit viel Glück möglich. Für Alleinerziehende eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Und somit ist man gezwungen mit niedrigen Einkommen zu leben, obwohl man eine gute berufliche Qualifikation hat.
    In der Gastronomie ( und einigen anderen Berufen) zu arbeiten und ein Kind zu bekommen grenzt an beruflichen Selbstmord. Ich finde es schlimm, dass man da keine Unterstützung bekommt von Seiten der Regierung.

  4. Mal so, mal so: Flexibel. So würde ich gerne arbeiten. Ein Büro außerhalb der eigenen Wohnung wäre schon nett, nette Kollegen und ein wohnliches, kreatives, schönes Büroambiente hätte ich auch gerne. Manchmal ist aber Home Office besser, nicht nur, wenn die Kinder krank sind, sondern auch, wenn mal wieder so viel ansteht, dass die Wege zum Büro und zurück einfach zu viel des Guten sind.

  5. Chefs, die sich damit brüsten, keinen einzigen Kindkrank-Tag genommen zu haben, dürfen aussterben.

    Chefinnen, die Teilzeitführungskräfte ablehnen, dürfen schwanger werden.

    Politiker, die das Thema Vereinbarkeit mit den gesetzlich garantierten U3-Plätzen abhaken, dürfen umschulen zum Grundschullehrer oder Hortbetreuer. Auch Grundschulkids brauchen „geschützte Frei-Räume“.

    Einfach weniger „oder“.
    Stattdessen mehr „und“.

  6. Junijana

    Ich wünsche mir flexiblere Arbeitszeiten. Ich möchte gern auch abends arbeiten dürfen und dafür auch mal 14:00 Uhr das Büro verlassen – und dabei nicht schief angeschaut werden. Ich wünsche mir Toleranz in der KiTa, wenn mein Arbeitstag länger ist. Flexible Öffnungszeiten in der KiTa auch mal bis 18:00 Uhr. Ich wünsche mir ein Homeoffice für Tage, an denen ich wirklich nur Texte schreibe und Dokumente durcharbeiten muss. Dann bin ich produktiver und eher fertig. Ich wünsche mir, dass die Arbeit leistungsgerechter bezahlt wird. Ich schaffe in meinen 35 h genau so viel wie manch einer in 40 h/Woche. Das liegt daran, dass ich einfach versierter bin in einigen Bereichen. Aber es ist doch ungerecht oder???

  7. Katja

    Ich wünsche mir eine Lebensarbeitszeit in Stunden, vielleicht nach Berufen gestaffelt, müsste man mal durchdenken. Die jedenfalls flexibel gehandhabt werden müsste.
    In jungen Jahren habe ich häufig 10-12 Stunden in Agenturen gearbeitet, sehr gerne übrigens und ohne auf die Uhr zu schauen. Nun, mit einem 2-jährigen allein erziehend, bin ich mit 30 Wochenstunden schon am Limit und würde gern auf 25 reduzieren… ohne zuviel Rentenanspruch zu verlieren…Und später wird wieder aufgestockt…

  8. Helen

    Elter, ohne n, weil das N nicht mehr da ist. Elternteil klingt aber ganz scheußlich, wenn man nicht nur ein Teil sondern das Ganze für das Kind ist. Ich bin ein Elter einer kleinen Großen 3-jährigen, ich habe letzte Woche meine Thesis eingereicht und habe Deutschland verlassen. Das klingt jetzt entschlossener als es war. Wir wollten erst nur für zwei Semester mal nach Kopenhagen schauen. Nach meinem dritten Jobinterview in Deutschland konnte ich nicht mehr. Ich will so nicht leben. Ich will arbeiten, in einem Umfeld, das unterstützt statt zu torpedieren, dass ich rechtzeitig aus dem Büro muss, um mein Kind abzuholen. Mehr gesellschaftliche Akzeptanz, bitte! Ja, ein Kind während eines Studiums alleine und im Ausland zu erziehen ist ein riesiges Soft-skill. Erkennt das an. Proletarisiert mich nicht auf Grund meines Alters. Wir haben gemeinsam und voneinander unglaublich viel gelernt. Ich bin ein Organisationstalent und habe Nerven wie Drahtseile. Anerkennung, bitte. In einer Welt zu arbeiten, die im oberen Führungsbereich nach wie vor so männlich dominiert ist und in der Weiblichkeit und vor allem Elter(n)-schaft noch so unglaublich negativ und häuslich besetzt ist stößt mich ab.
    Das geht einher mit den konservativen Bildern der Gesellschaft, mit zu wenig Verständnis in der KiTa für kaum enden wollende Arbeitstage, Professoren, die jungen Müttern empfehlen zu Hause zu bleiben, weil sie doch einen Mann haben, der verdient.
    Also ich habe da neulich etwas interessantes gelesen. Europaweiter Vergleich. Die Deutschen! So produktiv! Hurray! Dagegen die Dänen.. Viel weniger Arbeitsstunden pro Kopf. Ungeheuerlich. War aber wie immer bei diesen Statistiken. Nur die Hälfte: In Deutschland arbeitet nur einer und das viel zu viel. In Dänemark arbeiten beide ca. 35 Stunden. Lasst uns doch bitte noch mehr über Aufgabenteilung sprechen. Über gemeinsame Verantwortung, über die Verantwortung des Arbeitgebers, der Gesellschaft und des Staates. Ahh, ich höre sie schon, die Rufe, ich solle mein Kind doch bitte selbst erziehen und finanzieren, und nicht alles der KiTa und dem Staat in die Schuhe schieben. Liebe Rufende: Elter(n) können alles schaffen. Sie brauchen nur Raum. Statt Grenzen nach außen ständig zu verteidigen und zu reparieren, brauchen wir Ruhe im Inneren. Reicht doch mal Schlagsahne über den Zaun und setzt Euch zu uns, wir haben noch massig Kirschtorte über die wir gern mit Euch teilen und uns austauschen. Schafft Hierarchien ab! Davon gibt es in Deutschland noch viel zu viele. Keiner kann mehr oder weniger. Kinder dürfen nicht disqualifizieren. Sie bereichern, aber nehmen dafür manchmal Produktivität weg. Ich bin ziemlich sicher, das gleicht sich am langen Ende aus. Neulich musste ich übrigens nach Deutschland fliegen, für meine Thesisbesprechung. Großes Hickhack, keine Kinderbetreuung, dem Nervenzusammenbruch nahe. Ein Glück, dass manche Fluggesellschaften soviel Schokolade an mein Kind verteilen. Und an mich. Als ich schließlich im Büro bei meiner deutschen Professorin saß, verschwitzt und erschöpft war ich am Rand. Ich entschuldigte mich tausendmal. Auch wenn ich nichts dafür kann. Der elterliche Perfektionismus hat mich bisweilen voll im Griff. Im Hinausgehen bietet sie mir noch an, nächstes mal mein Kind zu hüten. Sie und ihr Sohn haben gerade ein neues Pony gekauft, es liebte Kinder. Ich bin beflügelt. Aber nur für einen Moment. Das war in der Uni, nicht im Unternehmen, eine Betreuerin, kein Betreuer. Apropos echte Welt. Über den Aspekt mit dem Verdienen möchte ich lieber nicht sprechen. Das würde mir jetzt den Tag runieren. die Sonne scheint. Ich könnte ja mal Hashtags probieren. #lohnungleichheit #überstundenundkinderbetreuung #kinderarmutindeutschland # # #. Also nein. Bitte nicht.

  9. Manu

    Ich möchte so arbeiten, dass ich davon leben kann und später mal eine Rente bekomme, mit der das hoffentlich ebenfalls machbar ist (oder zumindest genug verdiene, um privat parallel vorzusorgen). Also brauche ich eine Kinderbetreuung, die Arbeitszeiten jenseits des Halbtagsjobs abdeckt und dazu noch so gut ist, dass ich meine Kids dort gerne unterbringe und sie sich gut aufgehoben fühlen. Das Ganze muss bezahlbar sein, damit vom Gehalt auch noch etwas bleibt und nicht alles für Kinderbetreuung drauf geht. Und einen Mann, der sich Familie und Job auch so vorstellt und einteilen kann, dass nicht immer nur einer zu Krippe-Kita-Hort-Elternabend-Kinderarzt rennen muss (der Mann braucht dann auch den Job, der das ermöglicht).
    Und einen Arbeitgeber, der flexibel genug ist, wenn’s mal knirscht und die Anwesenheit vor Ort partout nicht machbar ist. Also so etwas wie flexible Arbeitszeiten, ein Eltern-Kind-Büro in der Firma für Notfälle, Homeoffice und Vertrauen seitens der Vorgesetzten, dass man seinen Job gut macht, egal von wo aus.
    Das ist ein ziemliches Paket an Wünschen und wenn das alles klappt (ach ja – die Arbeit soll auch nett sein und meistens Spaß machen) find ich das klasse.
    Zur Zeit klappt’s – ich hoffe, es bleibt so und wünsche das auch anderen Eltern, die gern Familienleben und Job gut zusammen meistern wollen.

  10. Ein kleiner Beitrag dazu … http://babybusiness.at/?p=3276

    Ich bin gespannt, denn mehr kann ich dazu auch noch nicht sagen 😉