Süßigkeiten: Totalverbot oder Laissez-faire?

Wieviele Süßigkeiten sind in Ordnung für Kinder?

Jetzt beginnt wieder die Zeit: Kinderfinger, die massenweise Plätzchenteig stibitzen, Schokonikoläuse, die in Sekunden verfuttert werden, klebriger Kinderpunsch auf dem Weihnachtsmarkt. Ich glaube, Kinder lieben die Vorweihnachtszeit auch deswegen so sehr, weil sie dann einen deutlich ungehinderteren Zugang zu Süßigkeiten haben als sonst.

In der jetzigen Elterngeneration, ist mein Eindruck, ist Zucker des Teufels. Wir reagieren allergisch auf die Gummibärchen-Maoam-Fluten, die die Großeltern ausschütten, entreißen unseren Kindern schon mal die Ketchup-Flasche (ganz viel versteckter Zucker!), rationieren nach strengen Regeln Schokolade, Kekse, anderes böses Zeug.

Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das so richtig ist. Alles, was verboten ist, wird ja eigentlich nur interessanter. Neulich erzählte mir eine Freundin von einem Kindergeburtstag ihres Sohnes. Eingeladen war ein Junge, der zu Hause absolut überhaupt nie Süßigkeiten essen darf. Er saß den ganzen Nachmittag am Essenstisch, hat Smarties vom Kuchen geklaubt. Zuckergussreste zusammengekehrt, Gummibärchen in sich hineingestopft. Er hat kein einziges Kinderspiel mitgemacht. Vermutlich war ihm am Abend sehr sehr schlecht.

Amerikanische Wissenschaftler vertreten sogar die kühne These, dass die Gier der Kinder ganz einfach zu erklären sei: Sie befänden sich in der Wachstumsphase und hätten deswegen einen stärkeren Bedarf nach schnellen Kalorien. Zu Ende gedacht heißt das: Jetzt seid mal nicht so überstreng bei Süßigkeiten.

Und englische Wissenschaftler fanden in einer Studie heraus, dass Kinder, die einen freien Zugang zu Süßigkeiten an Ostern hatten, am Ende insgesamt weniger genascht haben als andere, denen der Zugang rationiert wurde. Nachdem ich die Studie gelesen hatte, fiel mir ein, dass es bei uns zu Hause genau so gewesen ist: Es gab einen festen Ort, an dem Süßigkeiten waren (im Kellerschrank), manchmal lag da eine Schokolade, manchmal nicht, aber meine Eltern hatten keine feste Regeln, wie und wie oft man sich davon bedienen darf.

Was ist jetzt nun ein verantwortungsvoller Umgang mit Süßigkeiten? Welche Regeln haben Sie?

Mareen Linnartz
Über die Autorin:
Mareen Linnartz wollte als Kind Schreibwarengeschäftinhaberin, Friseuse oder Bäuerin werden. Heute ist sie Nido-Textredakteurin, schneidet ihren drei Söhnen mit Hingabe die Haare, kauft für sie Fußball-Radiergummis und mistet mit ihnen das Heu im Meerschweinchenkäfig aus.

Diesen Artikel kommentieren

(muss sein)

Damit Sie auch so ein schönes Userbild bei Ihren Kommentaren angezeigt bekommen, müssen Sie sich einen Gravatar-Account zulegen und mit der dort hinterlegten E-Mailadresse kommentieren.

10 Kommentare

  1. Ehrlich gesagt finde ich das Thema Zucker mittlerweile einfach nur noch nervig. Ich richte mich da nach meinem Instinkt, als ich selbst klein war, konnte ich Unmengen von Süßigkeiten verdrücken und heute, naja ab und an hab ich mal Lust darauf aber von Unmengen kann man da nicht reden. So ist es bei Vielen. Hat sich noch nie jemand gefragt, warum Kinder so auf Süßigkeiten brennen? Ich glaube der Körper weiß ganz genau, was er braucht und möchte und wenn ein Kind eine normale Entwicklung durchlebt, bin ich der Meinung, dass Zucker da sogar sehr notwendig ist. Mein Sohn ist den ganzen Tag auf Achse, er spielt, er rennt, er tobt und zudem lernt er jeden Tag eine Menge. Sein kleines Gehirn leistet enorm viel und wer viel leistet braucht auch viel Energie und die bekommt man am effizientesten durch Zucker, genau daher kommt auch das große Verlangen danach. Klar kann man Einiges davon auch mit natürlichen Produkten wie Obst abdecken, aber zu viel davon ist am Ende auch nicht so gesund, z. B. aufgrund von Säure. Von allem etwas ist mein Motto und Süßigkiten gehören da für mich dazu! :)

  2. Linn

    Zucker als Aufreger – ich habe keine Lust mehr auf das Thema: meine Kinder dürfen zum Frühstück Kakao trinken und Nutella-Brote essen. Ich mache das ja auch. :-) Nachtisch gibt es bei uns vielleicht ganz selten mal ein Eis und am Nachmittag gibt es Schoki. Ich finde das nicht schlimm, denn ich bestimme die Wieviel und das Wann. Ich achte sehr darauf, dass sich die Zähne sehr gründlich geputzt werden – das ist bei uns zum Glück kein Problem. Meine Tochter hat auch schon mit 10 Monaten mal ein Eis essen dürfen oder ein Stück Schokolade – es ist doch blöd mit anzusehen, wenn der große Bruder das essen darf und man selbst nicht. Meine Kinder sind aber auch eher die Dünnen und Hibbeligen, so dass ich mir figurtechnisch da gar keine Gedanken machen muss. Mein Glück. PS: Ich liebe Schokolade und esse sie leider auch täglich – das ist aber mein Problem … :-)

  3. britta

    da meine tochter noch unter 2 ist, mache ich mir die groessten sorgen um die zaehne – das klappt naemlich noch nicht so gut mit dem putzen. meistens wehrt sie sich auf’s heftigste, wenn ich “nachputze”. davon abgesehen sind wir eher zucker-liberal: ein bisschen darf’s ruhig sein. wenn auch lieber in form von jogurt, smoothie und obst. zum glueck ist sie auch noch nicht so wild drauf – obwohl ich so eine ahnung habe, das sich das in den naechsten 6 wochen aendern wird.

  4. Cosima

    puhhhh, warum ist Zucker denn immer so ein Aufreger, waren denn die, die hier unter mir einen Kommentar geschrieben haben keine Kinder? Ich hab als Kind Süßigkeiten geliebt und massenweise in mich hineingestopft. Ich kann mich gut an Gummibärchen-Kampfessen erinnern, da hat man den Mund so voll wie möglich mit den Dingern gestopft und dann runtergewürgt -hatte dann mit Genuss nichts mehr zu tun. Ich habe kaum etwas mehr geliebt als Süßigkeiten und finde die gehören in eine glückliche Kindheit und zwar nicht nur in Knausermengen!
    Ach ja, das ist natürlich schon ein paar Jährchen her, ich habe heute einen ganz normalen Umgang mit Süßem, esse relativ wenig davon, ich bin sportlich und schlank und meine Zähne sind auch gut. Darauf achte ich aber sehr streng: Zähne müssen regelmäßig geputzt werden, aber das müssen sie ja auch ohne Süßigkeiten und Bewegung bzw. Sport muss sein.
    Habs also überlebt und deshalb gehe ich mal streng davon aus, dass auch meine Kinder eine klebrige Kindheit überstehen. Die Kinder, die da kurz gehalten werden hauen halt bei anderen enorm rein (siehe Bericht) und sobald sie Geld zur freien Verfügung haben, weiß ich, was die sich kaufen.

  5. Wir haben eine schwedische Tradition bei uns eingeführt: Lördagsgodis. Das heißt Süßigkeiten gibt es nur am Samstag und sonst gar nicht. In der Praxis ist das nicht so leicht umzusetzen, weil in der Kita und bei Freunden oder auf dem Spielplatz immer wieder zwischendurch genascht wird. Selbst wenn ich mal Blumen kaufen gehe bietet die Verkäuferin meinen Kindern Bonbons an. Nett gemeint, aber das macht es natürlich nicht einfacher.

  6. Elke Frick

    Bei uns wird es so gehalten, dass es zum Frühstück meistens ein Brot mit einem süssen “Belag” gibt, entweder Honig oder (von der Oma) selbst eingekochte Marmelade, Nutella nur ganz selten.
    Kakao gibt es nicht dazu, nur Milch pur oder Mineralwasser, je nach Lust und Apettit.
    Nachtisch nach dem Mittagessen gibt es im klassischen Sinne nicht, also keinen Pudding oder so, aber gerne einen Naturjoghurt mit Obst oder das Obst pur, das nächste Süsse erst zur Kaffeezeit, entweder Kuchen oder ähnliches Gebäck, aber dazu auch Obst, mein Sohn liebt Äpfel und da isst er dann auch gerne 2 auf einmal.
    Abends, zur Abendbrotzeit gibt es keine süssen Beläge mehr, dann entweder Wurst oder Käse, oder ein klassisches Butterbrot… und danach auch nichts mehr Süsses.
    Mein Sohn hat ein Schälchen mit verschiedenen Süssigkeiten darin herum stehen, da kann er dran wann er will, aber nicht vor dem Frühstück und nicht mehr nach dem Abendessen und daraus bedient er sich ansonsten sehr verhalten, teilt es sich ein und fragt, trotz dass er frei dran könnte, erst nach, ob es ok ist, wenn er sich was nimmt.
    Habe das so gemacht, damit er nicht heimlich nascht und ich auch ein bischen danach gucken kann was und wieviel er nascht.
    Ich habe als Kind viel zu viel und sehr unkontrolliert Süsses in allen möglichen Varianten zu mir genommen… (Gelier)Zucker so “geleckt”, riesen Gläser mit Kakao, Nutellabrötchen, Donuts, Plätzchen, Schokolade, Gummizeugs usw… deswegen war ich auch sehr mopsig und war keine Sportskanone… der Fernseher war mein bester Freund…und die Zähne…reden wir nicht drüber….
    aber bei meinem Sohn soll das eben nicht so ein :)

  7. sky

    ich glaube nicht an das patentrezept. wir hatten das prinzip zugang mit zutrittsschwelle eingeführt, es gab also süßigkeiten jedoch nicht ständig direkt vor der nase, sondern in einem kasten etwas erschwert zu erreichen. dafür dann auf wunsch so viel wie gewollt, ich dachte sie essen sich satt und dann lernen sie wann sie selbst genug haben (wie im artikel beschrieben). bei zB nudeln wissen sie ja auch wann sie satt sind.

    bei unserer tochter funktioniert das super so. bei unserem sohn leider gar nicht, der will dann nicht 1, 2 oder 3 lutscher – am liebsten ALLE die da sind (auch wenn das zufällig 10 sind). kurzzeitig hat er einfach ständig in großen mengen genascht und bald dadurch bei den mahlzeiten auch weniger gegessen.

    also schön wenn´s funktioniert. bei der kleinen ginge das auch, nur zum wohle aller familienmitglieder habe ich das prinzip wieder geändert. es ist meist gar nichts süßes da und wenn ich was kaufe dann einzelne lutscher o.ä. damit die mengen überschaubar sind. ist nichts da, ist es nämlich auch egal.

  8. Juliana

    Gerade die netten Damen in den Geschäften die laut fragen: “Möchtest du ein Brötchen/Bonbon/Fleischwurst/Schokolade oder einen Lolli?” Die gehen mir leider sehr auf den Keks! ;)

  9. Rebecca

    Interessant finde ich, wie schnell es mit der elterlichen Strenge bergab geht. Mein älterer Sohn hat mit über zwei Jahren zum ersten Mal eine Kinderportion Joghurt-Eis essen dürfen, der Kleine naschte diesen Sommer schon ein bisschen Wassereis, als er grade zehn Monate alt war. Er wurde einfach richtig ungehalten und gierig, wenn er den Größeren Eis essen sah.

    Wichtig ist wohl, dass man es schafft, ansonsten eine halbwegs gesunde Ernährung durchzusetzen. Dann ist mal eine Schokowaffel am Nachmittag nicht so schlimm. Was ich versuche, ganz rauszuhalten, ist versteckter Zucker, bei denen ein richtiger Gewöhnungseffekt eintritt und die dem Kind nicht mal als leckere Süßigkeit bewusst sind: gesüßte Getränke, gesüßte Breie, eingelegte Früchte mit Zucker… Ich denke mir immer, dass sie das später im Erwachsenenalter wohl auch vermeiden wollen. Und wenn ich mal Honig in den Grießbrei gebe, dann sage ich das auch ganz laut und deutlich, damit sie wissen: das wird eine leckere Ausnahme.

    Gummizeug ist bei uns überhaupt die absolut besondere Ausnahmesüßigkeit. Also zB nach der Kinderärztin oder im Flugzeug beim Landen. Irgendwelche Highlights muss man sich ja noch bewahren…