Viel zu selten gesagt…

Nido-Autor Benedikt Sarreiter hat den Omas und Opas seiner Tochter Fanny (4) einiges zu verdanken.

Text: Benedikt Sarreiter

Liebe Großeltern,

vom Ammersee und aus der Oberpfalz, Anni Opa, Anni Oma, Lola Oma, Lola Opa – benannt nach längst verstorbenen Hunden –, ohne Euch würde es nicht gehen. Wir sind andere Eltern, als Ihr es damals für uns wart: Wir sind viel unterwegs, unsere Arbeitszeiten sind unregelmäßig, wir feiern manchmal, bis die Sonne aufgeht, unser Leben hat einen Puls, der unrhythmisch schlägt.

Ihr werft uns das nicht vor. Ihr nehmt unsere Tochter Fanny auf und ermöglicht uns damit diese Schrankenlosigkeit. Ihr seid selbstlos in einer selbstsüchtigen Zeit. Wir können uns unsere Wünsche erfüllen, weil Ihr für unsere Tochter da seid, wenn es nötig ist. Ich rufe sie dann an, sie nimmt ab und ist glücklich, bei Euch zu sein. Erst gestern erzählte sie mir, dass sie Stöcke mit ihrer Cousine gesammelt hat, mit denen sie gleich Würste braten wird, weil der Anni Opa gerade den Grill angeworfen hat. Draußen lag Schnee, es hatte zwei Grad. Ich war nicht überrascht. Fanny macht mit Euch Dinge, die sie mit uns nicht erleben kann. Sie geht in den Wald und füttert Wildschweine, sie reitet auf einäugigen Pferden, sie versinkt in glitzerndem Konsumrausch und isst die besten Würste Bayerns.

Fanny betritt mit Euch Welten, die für uns schon lange verschlossen sind. Blasmusikkonzerte und Kaffeekränzchen. Nur mit uns wäre ihr Leben so viel ärmer. Sie erfährt die Weisheit, die auch wir als Kinder erfahren haben, aus erster Quelle. „Jeder muss scheißen.“ (heißt: Habe nicht zu viel Respekt vor Autoritäten), „Messe dich nicht an den Schlechteren, sondern an den Besseren.“ Opasprüche, Lebenshilfen, Ihr bringt Fanny so viel bei. Und darüber bin ich froh, denn das fügt unserer urbanen Luftigkeit die nötige Bodenständigkeit hinzu. Ihr erzieht Fanny nicht gegen uns, sondern mit uns.

Nie habe ich von Euch ein klagendes Wort über unseren Erziehungsstil, über unseren Lebenswandel gehört. Obwohl es Euch sicher nicht immer leichtfällt, zu schweigen, wenn wir sie mal wieder allein lassen. Aber allein ist sie ja nie, sie ist bei Euch, bei ihrer Familie, wo sie jedem vertrauen kann, wo sie Geborgenheit bekommt, wenn ihre Eltern nur am Telefon nahe sind. Ich weiß nicht, wie ich Euch dafür danken soll und ich sag es viel zu selten: Ihr seid die Größten!

Euer Benedikt

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3 Kommentare

  1. alex

    schöner brief. wir geben unseren kleinen aber nur ab, wenn es nicht anders zu organisieren ist oder wenn er zu oma und opa von sich aus gehen will. finde es etwas befremdlich, dass man feiern geht und deshalb das kind oma und opa aufdrückt.

    • lotta

      Ach, wieso denn?
      Darf man als ElternPAAR denn nicht mehr feiern gehen?
      Und dürfen Großeltern ihre Enkel nur haben, wenn mal absolut nichts anderes zu organisieren geht? Wenn die Kacke direkt am dampfen ist, oder wie?
      Großeltern dürfen einfach mal die Enkel haben, wenn sie die selbst wollen… und Eltern gehen dann einfach auch mal Vergnügungen nach, denn immer nur Eltern sein ist anstrengend (sind wir doch mal ehrlich) und absolut liebestötend…;-)

    • stine

      ich kann da nichts befremdliches dran finden… gerade als vollzeitarbeitende eltern “drücken” wir auch mal unsere tochter den großeltern aufs auge. die freuen sich und wir haben mal etwas luft und kommen raus. und entspannte eltern sind wohl nicht das schlechteste für die kinder :) und ab und an darf man ja wohl auch als eltern mal spaß haben und möchte nicht morgens um sieben verkatert vom töchterchen geweckt werden… und aufdrücken ist auch ein sehr hartes wort. das würde ja bedeuten, dass man es mehr oder weniger gegen den willen der großeltern an sie abgibt. ich meine jedoch, dass großeltern auch ein klares nein formulieren können. und unsere großeltern freuen sich übers enkelchen. was wir dann mit dem freien abend anstellen, ist ihnen glaube ich -um es mal umgangssprachlich zu formulieren – ziemlich wurscht. lotta hat es sehr treffend formuliert :)